
392 XVlll. Hylaoa, Gebiet des äquatomlen Brasiliens,
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Grenzeil derselben auffassen will. In Beziehung auf Venezuela und
Guiana wurde dies bereits nachgewiesen, und so ist auch das Florengebiet
des Amazonas mit dem der grossen brasilianischen Nebenflüsse
durch üebergänge verknüpft. In einem ähnlichen Sinne kann man
auch ihr Verhältniss zu der Andenflora beurtheilen, in deren tief
eingeschnittene Thäler die brasilianische^ Flora eingreift. Die Schilderung
der düsteren Wälder von Mainas am Fusse der peruanischen
Anden wo Poeppig vierzig verschiedene Palmen sammelte, wo
aber in westlicher Richtung zuerst wieder Farnbäume auftreten und
zugleich auch aufs Neue Spuren von Savanenbildungen bemerkt
werden, ist übrigens denen vom Solimoes noch ganz ähnlich. Martins
^O) hat die Grenze der Andenflora am Amazonas auf das erste
Auftreten der ächten Cinchonen begründet, und, indem ich seiner
Auffassung auch in diesem Falle mich anschliesse, muss ich doch
erinnern, dass die Waldungen am Ostabhange der östlichen Kordilleren
mit demselben Rechte zur Flora von Brasilien gerechnet werden
könnten. Dies würde sogar den Vortheil gewähren, die Wälder von
den baumlosen Regionen der Anden abgesondert zu betrachten, aber
es hätte zugleich die Folge, dass die Eigenthümlichkeiten der Gebirgsthäler
mit ihrem tropischen Klima in der Darstellung nicht so
bestimmt hervortreten würden.
Um den systematischen Charakter der Flora des Amazonenthals
näher angeben zu können, fehlt es bis jetzt, wie von Brasilien überhaupt,
an geeigneten Zusammenstellungen. Martins hob die Analogie
mit Guiana besonders hervor und zählte die artenreichsten Familien
auf^-^^) , jedoch ohne über ihr statistisches Verhältniss zu einem abschliessenden
Urtheil gelangt zu sein. Dass auf der einen Seite die
Farnbäume, auf der anderen die Cacteen in diesen Landschaften
zurücktreten, ist als eine Folge ihres feuchtwarmen Aequatorialklimas
anzusehen.
Von endemischen Gattungen finde ich mehr als dreissig beschrieben,
unter denen eine Mehrzahl von Melastomaceen (5), Malpighiaceen
(3) und Palmen (3) enthalten ist26). Unter den bisher
bekannt gewordenen Palmen schätze ich die endemischen allein
auf sechzig Arten, denen viele andere hinzuzufügen sind, welche
die Grenzen der Flora überschreiten: eine grössere Anzahl ist hier
vereinigt, als irgendwo auf einem Gebiete von gleichem Umfange.
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Charakter der Vegetationscentren. 393
Wenn schon die hochstämmigen Palmen an Mannigfaltigkeit jeden
andern Theil Südamerikas überbieten, so sind doch auch hier die
kleineren Arten [Bactris, Geonoma) vorherrschend. Die grossen
Sammlungen von Palmenstämmen, welche Agassiz von seiner Reise
auf dem Amazonas zurückbrachte, sind noch nicht bearbeitet und
werden wahrscheinlich noch manches Neue enthalten.
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