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sondern nur an ihren nördliclien Grenzen, am sichersten in Algerien,
sodann im Osten in Arabien und Sind. Nehmen wir also an, dass
von diesen Centren aus die Wadis allmälig ihre dürftige Vegetation
empfangen haben, so kann dieses Ergebniss der Meinung, dass der
grösste Theü der Sahara erst kürzlich gehoben sei, allerdings zur
Stütze dienen. Der afrikanische Kontinent hätte dann das Eigenthümliche,
dass er zugleich die jüngsten und die ältesten Theile des
Festlands der Erde in sich fasst, die jüngsten in der Sahara, die
ältesten in Sudan.
Nach dem Bau ihrer Pflanzen verglichen zeichnet sich die
Sahara-Flora öl) am meisten durch die grosse Verhältnisszahl der
Cruciferen aus und stimmt mit dem Steppengebiet in der Mannigfaltigkeit
der Chenopodeen überein. Am zahlreichsten an Arten
sind die vier Familien der Synanthereen, Gramineen, Cruciferen und
Leguminosen, und in dieser Beziehung liefern die Sammlungen aus
Algerien, Aegypten und aus dem peträischen A r a b i e n d a s nämliche
Ergebniss. Berücksichtigt man nur die endemischen Arten der
algerischen Sahara, so erhöht sich die Verhältnisszahl dieser Familien
noch mehr, mit Ausnahme der Gräser, die leichter als die übrigen
aus einem Gebiet in das andere übergehen.
Um die Eigenthümlichkeit der Flora genauer festzustellen und
die Bedingungen zu beurtheilen, unter denen eine Einwanderung von
Pflanzen aus den Nachbarländern stattgefunden hat, ist es erforderlich,
auf die klimatischen Grenzen der Sahara einzugehen. An der
Küste des atlantischen Meers geht schon in der Breite der kanarischen
Inseln die Wüstenflora in die marokkanische über, die hier
namentlich durch den Argan [Argania) charakterisirt wird. Im
Flussgebiete des Draa (27 ^ N. B.), der, in den Oasen von Marokko
versiegend, in der Nähe des Meers wieder an die Oberfläche tritt,
traf Panef^) auf seiAcr Reise von Senegambien nach Mogador die
ersten Argan-Gehölze, und zugleich begleiteten Gummi-Acacien das
Flussufer. Dies ist der südlichste Punkt, bis zu dem eine Vegetation
gegen die Sahara vordringt, die man als einen Uebergang zur
Mediterran-Flora betrachten kann, und, wiewohl von den klimatischen
Verhältnissen der atlantischen Küste von Marokko wenig
bekannt ist , so lässt sich doch der Einfluss der feuchteren Seeluft
in diesem Verhältniss nicht verkennen. Denn landeinwärts
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Eeihenfolge der Familien. — Einwanderung aus den Nachbarfloren. 101
dehnt sich alsbald die Wüste bis zum Atlas aus, wie in Algerien.
Der nächste Punkt, wo die Nordgrenze der Sahara sicher beobachtet
worden ist, liegt unmittelbar an den südlichen Vorbergen des
marokkanischen Atlas (32^ N. B.) und erreicht dann, dem Rande
dieser Gebirgskette folgend, in Algerien und Tunis die höchste
Breite (35 ^ N. B.). Die Oasen in Marokko aber haben den Vorzug,
dass die Atlasflüsse eine Strecke weit auch noch innerhalb des
Wüstengebiets wenigstens im Frühling Wasser an der Oberfläche
führen, wodurch die Einwanderung von Pflanzen begünstigt ist.
In Algerien hingegen liegt innerhalb der letzten Atlas-Verzweigungen
das Hochland der Saharasteppe, dessen Klima zwar dem der Wüste
ähnlich ist und eine Vermischung der Pflanzenformen erleichtert, wo
aber doch der grösste Theil der Vegetation sich selbständig absondert,
weil die Niveauunterschiede zwischen dieser Hochsteppe und
dem bis unter den Spiegel des Meers eingeschnittenen Syrtenthale zu
bedeutend sind.
Nun folgen von Tunis bis Cyrenaica die Gegenden, wo die
Sahara bis an das Mittelmeer selbst reicht: sobald man die Gärten
von Tripoli verlassen hat, sagt E. V o g e l b e g i n n t die Wüste.
Weiter ostwärts verläuft die Nordgrenze der Sahara über die Hochfläche
von Barka [32 ^ N. B.] , erreicht dann (abgesehen vom
Nildelta) aufs Neue die Seeküste und berührt sich im Süden von
Palästina zum letzten Male mit der Mediterranflora. Einige Stunden
südlich von Hebron (SU^^N. B.) liegt der merkwürdige Wendepunkt
, wo drei Vegetationsgebiete an einander stossen, wo die
immergrünen Eichen Palästinas aufhören, die Wadis des steinigen
Arabien beginnen und ostwärts, über das eingesenkte Jordanthal
hinaus, sich Wüste und Steppe begegnen. Von Marokko bis Syrien
steht demnach die Sahara der Einwanderung von Mediterranpflanzen
offen, vom todten Meere bis zum persischen Meerbuseii ist die Vermischung
der Steppen- und Wüstenpflanzen in noch höherem Grade
erleichtert. Doch sind nur wenige Formen des Mittelmeergebiets,
wie der Oelbaum und der Oleander, in die Oasen eingedrungen. Ob
die Grenzen des Winterregens in Arabien ebenso scharf dureh die
Vegetation ausgeprägt sind, können erst künftige Forschungen lehren,
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