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164 IX. Kalahari.
sondern als organisclies Verbindungsglied zwischen den beiden Blättern
nnd den Blüthen- und Wiirzelknospen dienen sollen. Je grösser
und älter das Gewächs wird, desto tiefer wächst es ancli in den
Boden und nähert sich dem unterirdischen Wasserzufluss in demselben
Verhältniss, als die zunehmende Grösse mehr Feuchtigkeit in
Anspruch nimmt, bis endlich die Blätter in ihrer ungeschützten Lage
zu Grunde gehen und damit das Ziel des Lebens erreicht ist. So
kann die Welwitschia unter diesem wolkenlosen, gleichmässig warmen
Tropenhimmel, durch nächtlichen Thau befeuchtet, zwar un -
endlich langsam, aber stetig fortwachsen und ein ganzes Jahr]iun.dert
lang ausdauern.
Sobald man von der wüsten Küste des Damaralandes aus die
Terrasse des Tafellandes hinansteigt, ändert sich die Physiognomie
des Bodens, ohne jedoch einladender zu werden. Es ist die Form
der Dornsträucher, fast nur durch Arten von Acacia vertreten, die
in ihrem geselligen Wachsthum den Charakter der Landschaft bezeichnen
. Nirgends wohl ist die Dornbildung allgemeiner, nirgends
innerhalb eines engen Kreises von Bildungen so mannigfaltig,
wie hier. Als ein besonderes Hinderniss freier Bewegung in diesen
Gegenden besprechen alle Reisenden die Dorngebüsche der Kalahari,
und Burchell giebt, als er kaum den Gariep überschritten hattet
bereits eine anschauliche Schilderung, wie es unmöglich sei, bei zufälliger
Berührung sich von dem Haakedorn [Acacia detinem] loszureissen,
ohne die Kleider im Sticii zu lassen ., Es ist dies ein
Strauch von 4 bis 8 Fuss Höhe, den die Kolonisten auch unter dem
Namen «Wart ein Weilchen« kennen , und dessen ganz kurze,
aber nach zwei Richtungen aus einander tretende Dornen wie Widerhaken
wirken. Kein Gewächs ist in dem ganzen Umfang der Kalahari
häufiger als dieses. Als Burchell, so berichtet er, dasselbe
untersuchen wollte, wurde er von den Hottentotten gewarnt und
näherte sich dem Strauche mit grösster Vorsicht. Doch konnte er
nicht vermeiden, dass ein kleiner Zweig den Rockärmel erfasste,
und , indem er sich mit der anderen Hand in aller Gemächlichkeit
befreien wollte, wurde, auch dieser Arm festgehalten, und so fand^er
sich zuletzt, je mehr er sich bewegte, so vollständig gefangen, wie
die Fliege im Netz einer Spinne verwickelt wird, so dass erst fremde
Hülfe ihn mit Mühe losmachen konnte. Andere Acacien haben noch
Dornsträucher. — Mimoseenform. 165
viel kräftigere, bald gerade, scharf stechende, bald gekrümmte und
Widerstand leistende Dornen, nicht selten beide gemischt an demselben
Zweige, und auch die Bäume der Kalahari sind meist
mit solchen Gebilden ausgestattet. Baines beschreibt eine Art
mit zweifachen Dornen, die so angeordnet sind, dass, wenn man
von den hakenförmig gebogenen sich losreissen will, andere berührt
werden müssen, die gerade und paarweise gestellt, dabei gegen zwei
Zoll lang und spitz sind, wie die feinste Nadel, so dass sie erheblich
verletzen können. Linne nannte die Dornen die Waffen der Pflanze,
nnd wo sie, wie hier, gebildet sind, müssen sie in der That dazu
beitragen, die weidenden Thiere abzuhalten nnd dadurch den Or-
' ganismns gegen Angriffe von aussen zn schützen. Es ist gerade
eine Eigenthümlichkeit mancher und eben der grösseren afrikanischen
Säugethiere, dass sie weniger von Gräsern, als von dem
Laub der Holzgewächse sich ernähren. Das Nashorn lebte einst
häufig auf den oberen Karroofeldern des Kaplandes, wo kein Gras
zu finden ist und nur niedriges Gesträuch den Boden bedeckt, und
die Giraffe ist schon dnrch ihren Ban auf höhere Pflanzenformen angewiesen.
Aber wenn, wie dies in einem früheren Abschnitt gezeigt
wurde, die geographische Verbreitung der dornigen Pflanzen zu der
Trockenheit des Klimas in Beziehung steht, so dürfen wir nicht fragen,
ob diese oder Linné's Auffassung von der Bedeutung solcher
Organe die richtigere sei. Vielmehr liegt es in dem Walten der
Natur tief begründet , dass sie mit denselben Hülfsiiiitteln die verschiedensten
Lebenszwecke zugleich erfüllt und wo möglich durch
geringfügige Aenderungen der Entwickelung eines Organs bald der
einen, bald der anderen Aufgabe mehr zu entsprechen scheint, je
nachdem diese oder jene in höherem Grade gefordert ist.
Durch ansehnlicheren Wuchs nnd abgesonderten Stamm gehen
die Dornsträncher der Kalahari in Baumformen über, unter denen
die Acacien ebenfalls wiederum die erste Stelle einnehmen. Burchell
hat fünf Arten von diesen Bäumen beschrieben, darunter die
Giraffen-Acacie [A. Giraffae), deren Name sich darauf bezieht,
dass dieses grosses Sängethier von ihrem. Laube vorzugsweise
sich ernährt. Diese Acacien sind 20 bis 40 Fuss hohe Bäume;
sie gedeihen auf dem dürrsten Boden: nur eine Art [A. hórrida)
macht davon eine Ausnahme, und dies ist die einzige,
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