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XVIII. Hylaea, Gebiet des äquatorialen Brasiliens.
und nur aus klimatischen Gründen und der geogTapliischen Uebersichtlichkeit
wegen festgehalten werden kann.
Weit erheblicher und charakteristischer sind innerhalb des Gebiets
der Hylaea, wie es von Martius aufgefasst wurde, die Unterschiede
der verschiedenen Waldformationen, deren Anordnung von
dem Verhältniss zum Strome und von der Beschaffenheit des Bodens
bestimmt wird. Hier ist es die Aufgabe, den Igapo im Ueberschwemmungsraume
des Amazonas mit den Wäldern des wasserfreien Bodens
zu vergleichen. Die Laubhölzer, die drei bis vier Monate unter
Wasser stehen , erreichen keine ansehnliche Hochwaldsgrösse und
werden von den Palmen überragt die hier, dem Feuchtigkeitsbedürfniss
dieser Form entsprechend, am häufigsten und nirgends
auf der Erde mannigfaltiger zusammenwachsend anzutreffen sind.
In dem Wechsel hohen und niedrigen Wachsthums, starker Säulenoder
schlanker Rohrstämme, in der Grösse, Theilung und besonders
in der Anordnung des Laubes erscheint jede Art wie eine
besondere Architektur von eigenthümlicher Schönheit. Aber mit den
Palmen ist der ßeiz dieser Wälder auch beinahe erschöpft. Die
Baumstämme, an denen Schlammtheile haften bleiben, bieten einen
unerfreulichen Anblick, da der reiche Schmuck der Epiphyten ihnen
abgeht und die Fülle der Schlinggewächse zurücktritt. Denn hier
können die holzigen Lianen nicht leicht bestehen und werden, wenn
das Wasser gefallen ist, durch die weichen Convolvulusformen ersetzt,
die nun Zeit haben, emporzuranken. Auch das Holz der Bäume
ist von geringer Festigkeit, wie es auch sonst in Uferwaldungen gewöhnlich
ist, wo die Wassercirculation durch das Gewebe rascher
.von statten geht. Farbige Blüthen bemerkt man nur selten, durch
die dichte Belaubung der Baumkronen tritt hier zumal jene Frondosität
des Pflanzenwuchses hervor, in welcher Humboldt iß] den eigenthümlichen
Charakter des tropischen Amerikas erblickte. Ein lebhaftes,
in seinen Abstufungen wechselndes Gilin schliesst in diesen
Wäldern andere Farben fast überall aus, weil die Epiphyten, die
atmosphärischen Orchideen so selten sind und weil die grosse Mehrzahl
der Bäume unansehnliche, weissliche oder grünliche Blüthen
trägt s), auch die Entfaltung der Blumen rasch vorübergeht. Es
wird sogar angeführt 9), dass hier die Bienen nicht so sehr den Zucker
in diesen aufsuchen, als in den Ausscheidungen der Vegetations-
Igapo-Wald. — Ete-Wald. 85
organe. Auch das Innere des Waldes entbehrt der reicheren Mischung
von Formen, und oft ist der Boden, nachdem er abgetrocknet,
nur von harten Gräsern oder von einem Lykopodienteppich [Selaginella)
bewachsen und übrigens von Pflanzenwuchs fast entblösst.
Die sumpfig bleibenden Waldstrecken sind es allein, wo eine tippige
Vegetation von grossblättrigen Monokotyledonen die Palmen begleitet :
an solchen Standorten gedeihen die Scitamineen und ein gesellig wachsender
Vertreter der Pisangform, dessen 8 Fuss lange Blätter von
einem mannshohen Stamm ausgehen ( Urania amazónica).
Dem Igapo steht ausserhalb des Bereichs der Gewässer der
Ete- oder Guaçu - Wald i^) gegenüber, in dessen Physiognomie das
feuchtwarme Aequatorialklima seinen Ausdruck findet. Hier herrscht
die Lorbeerform über alle anderen Baumformen, auch die höheren
Kronen gehören ihr an, von denen selbst die grösslen Palmen beschattet
werden und die »wie die Kuppeln und Dome das übrige Gemäuer
einer Stadt« das gemeinsame Laubdach überragen. Das düstere
Grün dieser Laubmassen erscheint daher gleichmässiger, die
Laubfarbe ist auch hier das durchaus Ueberwiegende, aber der Wald
doch allgemein mit starken Lianen durchwoben und mit Epiphyten
geziert, deren Blüthenfarben gelegentlich hervorleuchten. Die höchsten
Bäume werden auf 180 bis 200 Fuss geschätzt9) und sind bis
zur Mitte unverzweigt. Hier und da erscheinen Stämme von ungewöhnlicher
Dicke i^), die aus ihren Umgebungen die Nahrungsstoffe
des Bodens an sich ziehen und daher andere Gewächse in ihrer*
Nachbarschaft nicht aufkommen lassen. Unter den kolossalen Baumgestalten
der Lorbeerform ist für die Ete-Wälder die Myrtacee charakteristisch,
welche die Paranüsse liefert {Bertholletia excelsa), und
deren Früchte, mit der Schwere von Kanonenkugeln aus einer Höhe
von 100 Fuss herabfallend, zuweilen Unglücksfälle herbeiführen S).
Ein so hoch ausgespanntes Laubgewölbe erreichen die Palmen nicht,
die, wiewohl sie zuweilen in geselligem Wachsthum bedeutend genug
hervortreten, doch im Ete weniger mannigfaltig sind, als im Igapo.
Zu den grössten gehört die Urucuri- Palme [Attalea excelsa), die, 40
bis 50 Fuss hoch, dichte, von den Laubkronen beschattete Bestände
bildet 9).
Es ist einleuchtend, dass diese beiden Hauptformationen der
Hylaea nach ihrer Bewässerung ganz verschiedenen physiologischen
G r i s e b a c l i , Vegetation der Erde. II. 05
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