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132 VIII. Sudan.
Wirft man endlich noch einen Blick auf die nicht holzigen
Laubpflanzen des Erdbodens, so zeigt sich der Einfluss des afrikanischen
Klimas darin, dass die Flora an Scitamineen- und Aroideenformen
arm^ dagegen die Form der Zwiebelgewächse in einigen
Gegenden reicher entwickelt ist. Die Amaryllideen sind zum Beispiel
in Nubien und Abessinien eine Zierde der Landschaft, wenn
sie in den Savanen und auf den Rasenplätzen der lichten Waldungen
zu Anfang der Regenzeit ihre Blüthen ent fal ten 24). Unter den zahlreichen
Bildungsähnlichkeiten, welche die Flora Sudans mit der des
tropischen Asiens verknüpfen, ist auch das Vorkommen der im Osten
und Westen beobachteten, eigenthümlichen Gattung Tacca bemerkensWerth,
die von den Asarineen sich fast nur durch den Wuchs
und den ungetheilten Keim unterscheidet.
Tegetationsformationen. Die beiden Hauptformationen, in
welche sich die Vegetation von ganz Sudan scheidet, werden von
der arabisch redenden Bevölkerung der Nilländer als Khala oder
Savane, und als Ghaba oder Wald unter sich und von der Wüste
sehr bestimmt unterschieden. Die geschlossenen Wälder beschränken
sich nicht überall, wie es in vielen Gegenden und auch sonst in
Passatklimaten der Fall zu sein pflegt, auf die feuchteren Thalwege
der Flüsse, sondern unterbrechen schon zwischen dem blauen und
weissen Nil die Savanen nach dem Innern zu auf weite Strecken i^).
In diesem Tieflande beginnt bereits der Einfluss längerer Regenzeiten
fühlbar zu werden. Südlich vom 12. Breitengrade werden die
Wälder dichter und es würde daher der äquatoriale Theil Afrikas,
im Grossen betrachtet, allgemeiner bewaldet sein, als die den Wendekreisen
näher gelegenen Gegenden, wenn nicht dieser klimatische
Einfluss in der östlichen Hälfte des Kontinents durch die Erhebung
des Bodens an den beiden grossen Nil-Seen in seiner Wirkung
wiederum beschränkt würde. Nicht als ob es auf der äquatorialen
Terrasse an Niederschlägen fehlt, welche vielmehr, wie oben bemerkt,
am Viktoria-Nyanza in allen Monaten fallen, sondern weil
Niveau und Gefälle die Bewaldung des Bodens weniger 2u begünstigen
scheint, sind diese Hochlande grossentheils von Savanen bekleidet.
Hierauf und auf der mannigfaltigen Abstufung der Regenzeiten
in dem äquatorialen Sudan scheint es zu beruhen, dass die
Westküste reicher bewaldet und der Wald daselbst üppiger ist, als
Wälder. 133
im Osten. Indessen auch im westlichen Afrika ist die Verth eilung
der Wälder ungleich. Von Senegambien bis zum Nigerdelta (4 o N. B.)
wechseln die Savanen mit verhältnissmässig eingeschränkten Waldgebicten
. Die Physiognomie von Yoruba am unteren Niger findet
Burton der von Uniamwesi im Süden des östlichen Nilsees ganz ähnlich.
Erst wo der Golf von Guinea vom Camerún aus die grosse
Biegung nach Süden beschreibt, beginnen die dichten, feuchten,
äquatorialen Urwälder des Gabun, die nun die Küstenterrasse über
den Congo hinaus bis Angola bekleiden (4 ^ N. B. bis 10^ S. B.).
Jenseits dieser Terrasse erstreckt sich dann das grosse innere Tafelland,
wo, so weit es bekannt ist, die Savanen mit ihren lichten Waldungen
über den grössten Theil des südlichen Sudan bis zur Ostküste
ausgebreitet sind. Indessen herrscht auch hier ein steter Wechsel
von offenen und dichter bewaldeten Landschaften, wie ihn Bewässerung
und Höhenzüge hervorrufen. Wäre dies nicht der Fall, so
könnte der Elephant nicht so häufig sein, der die Wälder bewohnt
und die offenen Savanen meidet.
Die geschlossenen Hochwälder des tropischen Afrikas werden
zwar von den Reisenden, die aus der gemässigten Zone kamen oder
sie nicht mit denen Javas und Brasiliens vergleichen konnten, wegen
ihrer üppigen Fülle hoch gepriesen, aber in den meisten Gegenden
stehen sie diesen reichsten Entwickelungen des vegetativen Lebens
nicht bloss an Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse, sondern auch in der
Benutzung des Raums für organische Bildungen bei Weitem nach.
Von Bäumen eines und desselben Waldes in Sennaar zählt Trémaux'^^)
nur 10 verschiedene Arten, darunter 2 Acacien, 2 Verti;eter der
Bombaceenform und 2 Palmen. Er bemerkt, dass am blauen Nil,
also in einer Landschaft, deren schöpferische Kraft besonders gefeiert
worden ist, man sich leicht durch die Wälder nach jeder Richtung
bewegen kann, vorausgesetzt dass die Bäume hoch genug sind.
Die gedrängten Stämme erschienen ihm dann wie Säulen, die das
Laubdach trugen, ohne auf dem Boden irgend ein Gewächs aufkommen
zu lassen. Oft aber hinderten, in das Innere einzudringen,
das geringere Wachsthum und die tiefe Verzweigung, wodurch die
Laubmasse so dicht wurde, dass nur an einzelnen Stellen das Licht
den Erdboden erreichen konnte. In dem Schatten solcher Wälder gedeihen
auch die Lianen nicht, die, wo die Sonne wirken kann, ihnen
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