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514 XXIV. Oceanische Inseln.
hinaufreicht, wo die Nächte kalt; die Tage trocken und warm
sind. In beiden Fällen ist es die klimatische Analogie mit dem spanischen
Plateau, die in verwandten Pflanzenformen sich abspiegelt.
Mit der mitteleuropäischen Flora lässt sich nur der Kieferwald zusammenstellen,
der an die geschlossenen Bestände der Edeltanne
erinnern soll und, ohne von anderen Bäumen oder Unterholz begleitet
zu sein, bis auf eine spärliche Vegetation von Stauden kein an^
deres Gewächs in seinem Schatten duldet: aber nur im Wuchs ist die
kanarische Kiefer den Nadelliölzern unserer Gebirge ähnlich, ihre
Nadeln sind beinahe einen Fuss lang, ihre Verzweigung reicht fast
bis zum Boden herab Eine alpine Vegetation ist am Pik von
Teneriffa kaum zu bemerken und der Gipfel des Bergs pflanzenlos,
was aus denselben Gründen sich erklärt, die beim Aetna erörtert
wurden.
Die umfassende, systematische Bearbeitung der kanarischen
Flora von Webb und Berthelot22) ergab noch nicht ganz 1000 Gefässpflanzen
(97 7), und diese Zahl ist seitdem nicht beträchtlich er-
höht worden,
atlantischen 6
der grösste Theil der übrigen eingewandert (581, also 60 Procent
der Gesammtzahl). Die Mehrzahl der endemischen Pflanzen gehört
ebenfalls zu europäischen oder diesen nahe stehenden Gattungen: auch
hier sind die Arten jedoch in vielen Fällen holziger, als dort23)
(z. B. bei den Synanthereen, Crassulaceen, Labiaten, Boragineen).
Weit seltener bemerkt man ausschliessliche Beziehungen zu Afrika
(zu Sudan durch die fleischigen Euphorbien, D r a c a e n a , Ceropegia]
besonders aber ist in dieser Hinsicht das Vorkommen einzelner Arten
von Gattungen der Kapflora hervorzuheben, von A n t h o s p e rmum,
M a n u l e a , K l e i n i a ) , Bei den endemischen Gattungen (15), die meist
monotypisch sind, ist die Verwandtschaft mit den Organisationen des
Stammkontinents in mehreren Fällen klar (unter den Cruciferen }Dei
P a r o l i n i a , den Leguminosen bei S p a r t o c y t i s u s , den Crassulaceen bei
M o n a n t h e s u. A i c h r y s o n ^ den Umbelliferen bei T o d a r o a u. A s t y d a m i a ,
den Synanthereen bei S c h i z o g y n e u. Ltigoa]^ in andern nur eine entfernte
Von endemischen Arten sind 27—28 (269) , von
-7 Procent (64) darunter begriffen, aus Europa ist
(unter den Rubiaceen bei P l o c a m a , den Campanulaceen bei
C a n a r i n a , den Gentianeen bei I x a n t h u s , den Chenopodeen bei Bosia^
den Urticeen bei Gesnoidnia). Hierin zeigt sich die selbständige,
Kanarische Inseln. Endemismus. 515
systematische Stellung der atlantischen Flora, und in noch höherem
Grade bei zwei Monotypen, die zu Gattungen entlegener Länder
in Beziehung stehen (bei P l e i o m e r i s nebst den beiden andern Myr-
-sineen auf Madeira und den Azoren zur Kapflora, und bei der
ümbellifere D r u s a , die von der südamerikanischen Gattung B owl e s i a
w^nig abweicht).
Es ist indessen der Versuch gemacht worden, die eingewanderten
mit den atlantischen und endemischen Pflanzen unter einem
gemeinsamen Gesichtspunkte zu betrachten. Hooker i) machte darauf
aufmerksam, dass zwischen den letztern und gewissen Ueberresten
der europäischen Tertiärflora eine nahe Verwandtschaft bestehe,
und schloss daraus, dass hier die Spuren einer Einwanderung
aas jener Periode sich erhalten haben. Es sind jedoch nur wenige
Beispiele eines solchen Verhältnisses bekannt und auch in diesen Fällen
-sind die Tertiärpflanzen den atlantischen zwar ähnlich, aber nicht mit
ihnen identisch (z. B, L a u r u s p r i n c e p t s u. ccmariensis, Dr a c a e n a aiistralis
u. D r a c o ) . Wenn man nun auch, der Vorstellungsweise Darwin's
folgend, annehmen wollte, dass in langen Zeiträumen Aenderungen
des Baus eintreten konnten, die bei den in der Gegenwart
angesiedelten Gewächsen noch nicht zu bemerken sind, so ist doch
diese Hypothese nicht im Stande, analoge Erscheinungen von selbständigen
Vegetationscentren auf andern oceanischen Archipelen zu
erklären, oder den Unterschied der endemischen und nicht endemischen
Inseln zu beleuchten. Hätte die Isolirung des oceanischen
Standorts die Folge gehabt. Pflanzen der Tertiärperiode zu erhalten
und umzubilden, wie kommt es, dass Island, dass ein grosser Theil
der Südseeinseln von solchen Wirkungen keine Spur erkennen lässt?
Und doch hat Island in seinem geologischen Bau eine unverkenn-
^bare Aehnlichkeit mit den kanarischen Inseln: in beiden Fällen darf
-man aus den ältern plutonischen Gesteinen schliessen, dass sie in einer
von der Gegenwart entfernten Periode gehoben wurden und von der
Tertiärzeit an zu wachsen fortfuhren.
Unter 47 Familien vertheilt, bilden die endemischen Gewächse
der kanarischen Inseln ungeachtet ihres fast dreifach grössern Reichthums
eine ähnliche Reihe, wie die von Madeira: nur die Crassulaceen,
also dem trockenem Klima entsprechende Succulenten, sind
vermehrt. Die meisten endemischen Arten sind enthalten in den
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