
I 272 XIL Waldgebiet des westlichen Kontinents.
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Staaten wird ihr Ursprung unmittelbar vor Augen gelegt. Man hat
bemerkt, dass sie an der Ostseite der Alleghanys, die früher mit dem
europäischen Ackerbau in Verbindung trat, weit häufiger sind, als
im Inneren. Die Kulturpflanzen begleitend und mit dem aus Europa
eingeführten Saatkorn verpflanzt, haben sie an manchen Orten
massenhaft wuchernd die einheimische Vegetation fast ganz verdrängt
(zu den häufigsten gehört EcMmn vulgare in einigen Gegenden
Virginiens). Je weiter man über die Alleghanys in das Innere Nordamerikas
eindringt, wo der Wald erst später gelichtet wurde, desto
mehr treten diese fremden Erzeugnisse zurück, die künftig ohne
Zweifel auch hier ihre Kraft in dem Kampfe um den Boden bewähren
werden. Denn in dem gleichmässiger bewaldeten Nordamerika sind
unter den einheimischen Stauden und Kräutern die Schattengewächse
am stärksten vertreten und weniger Arten auf den ofi-enen Boden
angewiesen, als in Europa. Die ersteren können nach der Lichtung
des Waldes nicht fortbestehen, und nun fallen diesen Räumen, denen
die beschattenden Bäume entzogen sind, zuerst die Kulturen, dann
aber auch jene zahlreichen Pflanzen zu, welche aus den waldlosen
und intensiver beleuchteten Formationen Europas abstammen und
die zugleich die Feinde der Kultur sind.
X I I L
P r a i r i e e i i f f e b i e t .
Klima. Die Prairieen sind die Steppen Nordamerikas. In
der westlichen, wie in der östlichen Hemisphäre, nehmen baumlose
Ebenen den inneren Raum des Kontinents ein, wo die Winterkälte
streng ist und die regenlose Periode des Jahrs das Pflanzenleben einschränkt.
Die Uebereinstimmung der Vegetation beruht auch in den
Prairieen auf den drei Jahrszeiten der Steppe, ihre kurze Entwickelungszeit
wird unter .vorübergehenden Niederschlägen eingeleitet,
bald wieder durch Dürre und später durch den Winter unterbrochen.
Wie in den Steppen ist die Bewaldung entweder an fliessendes
Wasser gebunden oder auf die geneigten Abliänge von Gebirgsketten
zurückgedrängt. Wie dort, verwandelt sich das Weideland in gewissen
Gegenden, die der Niederschläge entbehren, in wasserlose
Wüsten.
Dennoch sind weder die geographische Lage, noch die plastische
Bildung des Reliefs in den Steppen und Prairieen gleichartig. Die
Aehnlichkeit des Klimas ist nicht eine Folge derselben atmosphärischen
Bedingungen. Durch grosse Ströme, die das Meer erreichen,
sind die Prairieen reicher bewässert, als die Steppen Asiens, die Zuflüsse
des Missisippi, die Thalfurchen des Colorado und des Rio
Grande del Norte werden aus dem Schnee der Rocky Mountains gespeist.
Aber den Irrigationen des Bodens bieten diese Ströme nur
selten dieselben Vortheile, wie die asiatischen, weil sie durch ungewöhnlich
tiefe Erosionen zwischen unzugänglichen Felswänden oft
so tief in die Fläche einschneiden, dass in den Schluchten oder sonannten
Canons kein urbarer Thalboden übrig bleibt, zuweilen nicht
tiriaebacli, Vegetation der Erde. II. c