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168 IX. Kalahari.
wachst, bleiben die Zwischenräume doch nicht immer nackt, sondern
worden von rankenden Cucurbitaceen überwuchert, deren saftreiche
Fruchte und Knollen den Thieren die Feuchtigkeit spenden die
Ihnen der Erdboden verweigert. In nassen Jahrszeiten sind «unabselibare
Landstrecken« mit der südafrikanischen Wassermelone ICi-
(rullus caj/h-'^sj] auf das dichteste überkleidet, und, von diesen Vorrathen
zu zehren, sammeln sich dann alle Thierformen in der Wüste
und die Betschuanas folgen ihnen mit ihren Heerden. 4ber aucli in
der langen Zeit, in welcher der Boden völlig dürr und wüst erscheint
vorbn-gt er noch Nahrungsstoffe und organisches Leben. Die Kalahari
besitzt «mehrere Asclepiadeen mit grossen essbaren Knollen«
die wegen ihres saftreichen Gewebes den Eingeboraen dienen ihren
Dm-st zu stillen. Selbst essbare Beeren^O) bringt die Wüste hervor
M-agt man nun, woher das Wasser kommt, welches sich in den Organen
solcher Gewächse ansammelt, so sucht Livingstone'^n den
verhältnissmässig so reichen Pflanzenwuchs der Wüste aus der
muldenförmigen Gestalt der inneren Hochflächen zu erklären, welche
den unterirdischen Lauf der von der östlichen Terrasse stammenden
Quellen der Oberfläche hier mehr als anderswo annähere. Aber
Grundwasser, welches die Eingebornen nicht erreichen und benutzen
können, ist auch den Wurzeln kleiner Gewächse unzugänglich Die
Thaubildungen sind daher wohl die einzige Feuchtigkeitsquelle, die
den Pflanzen in der Zeit der Dürre zu Theil wird, und die sie gleichwie
die Mollusken den geringfügigen Kalkgehalt des Meers in ihren
.Schalen ansammeln, stetig durch ihre Wurzeln in das Gewebe einsaugen
und nun als eine Gabe der Natur darbieten.
Die übrigen Pflanzenformen sind entweder dieselben, die man
auch in anderen Steppen und Wüsten wiederfindet, oder sie weisen
auf die enge klimatische Verwandtschaft hin, die zwischen der Kaahari
und Sudan besteht. Li die erste Klasse gehören die Succulenten
[K^pMm'i'^), MesemhnjaniAemum-^^)], die Zwiebelgewächse
die nach den Sommergewittern rasch ihre Blumen entfalten 34.) (z b'
Amcmylks), unter den Sträuchern die Formen des Spartium (z B
M i a ] , des Oleander (durch die Rubiacee Fan^ueria:) und der
Myrte (durch die Ebenacee Fudec^ , endlich die besonders häufigen
Gebüsche mit haarbekleideten Blättern in der Grasebene \TarcAonant/
ms.
Waldiuigeii 169
Wo aber an den Ostgrenzen der Kalahari die Brunnen und
Quellen häufiger werden, wo die Flüsse sich längere Zeit periodisch
mit Wasser füllen und also das Grundwasser wirklich der Oberfläche
des Bodens näher steht, da begegnet man Savauen, die von denen
Sudans in nichts unterschieden sind^^^j. Hier erreicht der dichte
Graswuchs im Sommer eine Höhe, dass die Rinderheerden nur wenig
daraus hervorragen, hier stimmt die Beschreibung Burcheirs von
ihrer Physiognomie in dem Gewände der trockenen Jahrszeit so genau
mit der der Reisenden in Nubien überein, dass er dasselbe Bild wie
diese gebraucht, die Savane mit einem reifenden Kornfelde zu vergleichen.
Und wenn gesagt wird, dass in neuerer Zeit die Wüste in
östlicher Richtung vorschreite, so ist der Sinn solcher Aeusserungen,
dass in langen Perioden der Dürre diese üppige Gramineenvegetation
dem ärmlichen Graswuchse mehr und mehr den Platz einräumen
müsse. Vergleicht man aber das Klima der Kalahari und Sudans,
so liegt eben der einzige für die Vegetation erhebliche Unterschied
darin, dass die Regenzeit hier anhaltender und ergiebiger ist als
dort, und mit dem Steigen und Sinken der davon bedingten Wasserflächen
müssen also auch die Pflanzenformen beider Gebiete sich
mischen oder absondern.
Tegetationsformationen. Die einförmige plastische Gestaltung
Südafrikas hat zur Folge, dass die Vegetationsformationen der
Kalahari selten unter einander vermischt, vielmehr über grosse Landschaften
gleichförmig ausgebreitet sind. Die Wälder herrschen im
nördlichen, an Sudan grenzenden Theile des Gebiets; an sie schliessen
sich südwärts im Westen die Dorngebüsche des Damara-Landes, in
der Mitte des Kontinents die off'enen Gegenden der Wüste, die dann
wenig vei-ändert auch längs der Grenze des Kaplandes und durch
Gross-Namaqua in die unbewohnbare Küstenregion sich fortsetzen,
während sie im Osten in die feuchteren Savanen der beiden nach
den Zuflüssen des Gariep benannten Republiken übergehen.
Die Acacien-Wälder des Nordens, die doch nur selten mit
reicher belaubten Baumformen abwechseln, werden zwar meist als
unwegsam geschildert, aber da es mehrfach gelungen ist, sie auf nie
früher befahrenen Wegen mit den im Kaplande gebräuchlichen
Ochsenwagen zu durchreisen und die Negerländer zu erreichen, ohne
durch Flüsse oder offene Landstrecken begünstigt zu sein, so kann
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