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Milchsafts verliiiidert, gegen Wärme iind Trockenheit geschützt
scheinen. In den Gegenden des Tsad-See überkleiden diese Gestränche
weite Landstrecken in der trockenen Jahrszeit sieht man
in Bornn keine andere Pflanzenform In Nubien findet sich der
Oschiir nicht bloss in den Savanen, sondern wuchert anch in den
W ä l d e r n Von dem nördlichen Tieflande dnrch die Oasen der
Sahara bis Algerien nnd Aegypten, sowie nach Persien und Ostindien
verbreitet^ scheint er doch in Sudan am allgemeinsten vorzukommen,
und von hier aus weithin gewandert zu sein. Der andere Asclepiadeenstrauch
ist eine blattlose Leptadenia [L, pyrotechnica)^ welche
ebenfalls ganz Nordafrika und Arabien bewohnt. Sie vertritt hier
mit »ihren besenförmigen Reisern« die Spartiumform und ))prangt
Jahr aus Jahr ein in ihrem dunklen Saftgrün« . Hieran reiht sich
durch unterdrückte Blattbildung die Tamariskenform [Tamarix nilotica)
y die längs des blauen Nils grosse Wälder und Gebüsche bildet,
deren bläuliche Färbung von den Laubkronen des nahen Waldes lebhaft
absticht iö).
Andere Strauchformen sind entweder auf die Gebirgsregionen
Sudans eingeschränkt, oder sie treten im Charakter der Landschaft
zurück. Die Erikenform des Kaplandes [Blairia) findet sich auf den
Hochlanden Abessiniens und dem Camerún wieder. Auch die Proteaceenform
ist hier eine fremdartige Erscheinung, die nur auf entlegenen
Bergterrassen in wenigen Arten (von Protea) vertreten wird,
nämlich im Inneren von Angola auf den Höhenzügen am Nyassa-
See^^) und in Abessinien. Die immergrünen Gesträuche der Oleanderform
endlich (z. B. die Ericee Leucothoe) in den oberen Regionen
des Camerún 31) sind ein drittes Beispiel des Hinaufrückens von
Pflanzenformen der beiden gemässigten Zonen in das tropische Gebirge,
aber die letztere Blattbildung fehlt auch nicht ganz in den
nubischen Savanen, wo S c h w e i n f u r t h d a s üppige tiefgrüne Laub
einer Capparidee [Boscia) dem des pontischen Rhododendron täuschend
ähnlich erklärt.
Zu den allgemein verbreiteten Erscheinungen gehört die Bildung
der Dornen und nimmt mit der Trockenheit des Klimas an
Häufigkeit zu. Die kleineren Dornsträucher, welche die asiatischen
Steppen und die Einöden der Sahara bewohnen, dringen in die Savanen
des Tieflands von Sudan ein [Tragacanthay Alhagi) : von
Dornbildung. — Lianen und Epiphyten. 131
diesem Verhältniss ist das ausgezeichnetste Beispiel der Sidr [Zizyp/ms
Spina christi), der als Strauch oder Zwergbaum von Palästina bis
Sennaar und Bornu reicht. In Sudan aber ist die Dornbildung nicht
auf die niedrigen, asiatischen und die Sodada-Formen beschränkt,
auch die Bäume, namentlich die Acacien, ebenso die Succulenten
sind allgemein mit stechenden Organen bewaffnet. In Nubien sind
die meisten Bäume dornig in gewissen Gegenden Abessiniens und
in Bornu soll fast kein Holzgewächs ohne Dornen vorkommen und
Aehnliches wird von Livingstone über die an die Kalahari grenzenden
Gegenden berichtet , wogegen in dem feuchteren Klima an den
Wasserscheiden gegen den Congo diese Organisation sich verliere,
Lianen und Epiphyten sind im tropischen Afrika nicht entfernt
mit dem Schmuck der Bäume Südamerikas zu vergleichen. Indessen
besteht auch ein bedeutender Unterschied in der Mannigfaltigkeit der
Schlinggewächse zwischen den Nilländern und den dichteren Wäldern
des Westens. In Nubien sind es nur wenige Arten, die überall
wiederkehren, die den Baumwuchs üppig umranken, aber ihn nicht
zu undurchdringlichem Dickicht verknüpfen : hier findet man holzige
Ampelideen (z. B. Cissus quaclrangularis), die in den Waldungen am
häufigsten sind, Convolvulaceen mit reichgefärbten Bhimen an den
Ufergebüschen des Nil, Cucurbitaceen in der Savane. In dem Stromgebiet
des Congo hingegen giebt es Wälder, wo die Zwischenräume
der Bäume von Lianen durchzogen werden, von denen
manche so hart und fest sind, dass auf den engen Fusspfaden der
Wanderer sich mit dem Beile erst den Durchgang bahnen muss. Die
Küstenterrasse von Angola ist bei Golungo Alto mit prächtigen Urwäldern
bedeckt, deren Boden üppig mit Farnen geschmückt wird,
und in denen Welwitsch eine ungemein grosse Anzahl der verschiedensten,
dicht verschlungenen Lianen sammelte. So ist es die
Westküste in der Nähe des Aequators, wo allein die klettei'uden
Palmen auftreten. Dennoch scheinen auch diese feuchtesten Wälder
Afrikas durch die geringere Entwickelung epiphytischer Pflanzenformen
gegen den amerikanischen Urwald an schöpferischer Kraft
zurückzustehen. Von Epiphyten sind die Loranthaceen in Afrika
am allgemeinsten verbreitet, die atmosphärischen Orchideen scheinen
selten vorzukommen, wiewohl manche aus Guinea und Abessinien
neuerlich beschrieben sind.
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