
62 VI. Indisches Moiisimgebiet. Gebirge im indischen Archipel. 63
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darin, dass sie der Insolation bedürftige Gewächse offener Standorte
sind, welche die Waldbekleidung des Himalaja von den tiefer gelegenen
Regionen ansschliesst. Dieselbe Erscheinung wiederholt sich
an den Khasiabergen, die ähnlich gebaut sind, wie die Nielgherries,
und auch in ihrerVegetation manchesUebereinstimmende zeigen. Viele
Arten der gemässigten Region sind dem Khasia mit Sikkim gemeinsam
die hier erst bei 9400 Fuss, dort schon bei 5000 auftreten,
also reichlich 4000 Fuss tiefer hinabsteigen. Das Plateauklima
drängt den Wald zurück und lägst den Sonnenstrahlen in der trockenen
Jahrszeit freien Spielraum.
Die grossen Sunda-Inseln bieten uns das Problem ungleicher
Höhengrenzen bei denselben Pflanzenformen so), während das Niveau,
wo der Baumwuchs selbst aufhört, nur solche Unterschiede erkennen
lässt, die nach der Beschaffenheit des Bodens und aus der stärkeren
oder geringeren Neigung der Gipfel leicht erklärlich sind. In ihrem
allgemeinen Typus stimmen Sumatras Wälder mit denen von Java
überein. Diese Aehnlichkeit finde ich besonders darin begründet,
dass die weit verbreiteten Eichenwälder mit einer Fülle tropischen
Pflanzenlebens ausgestattet sind, dass über der Eichenregion Podo-
«arpus-Arten folgen, die in Gesellschaft von Ternstroemiaceen den
oberen Waldgürtel bilden, und dass in der höchsten Region Ericeen
und holzige Gnaphalien [Gn. javanicum) vorherrschen, von welchen
letzteren der Lavaboden der Vulkane (bei 9000 Fuss) bedeckt wird.
Wenn Sumatra viele endemische Pflanzen vor Java voraus hat. wenn
die Gruppirung der Waldbäume abweicht, wenn hier die Rasamala-
Wälder fehlen, dagegen Coniferen mit Nadelblättern auftreten {Pinus,
Bacrydium), und die Eichen eine Verbindung mit Kampherbäumen
{Dryobalanops) eingehen, so sind dies Erscheinungen, wie sie der
schöpferische Reichthum der tropischen Natur nicht anders erwarten
lässt, wenn auch die Ursache der Verschiedenheiten verborgen bleibt.
Allein anders verhält es sich mit der veränderten Lage der W^aldregionen
und der Höhengrenzen ihrer typischen Bestandtheile, wofür
es ohne Zweifel eine klimatische Bedingung geben muss. Die Eichen,
welche in Java erst bei 4500 Fuss häufig werden, steigen in Sumatra
fast zur Me&resküste herab, Coniferen wachsen dort abwärts bis
5000, hier bis 3000 Fuss. Ericeen {Agapetes) finden sich in Sumatra
schon am Ufer des Meers und bewohnen in Java nur die Gebirge in
beträchtlichen Höhen. Es ist demnach eine allgemeine Thatsache,
dass gleiche Pflanzenformen und wahrscheinlich zum Theil auch dieselben
Arten auf Sumatra in einem viel tieferen Niveau vorkommen,
als in Java, und dass dies gerade diejenigen Gewächse sind, auf
denen der Typus der Regionen beruht. Junghuhn 42) meint, es liege
die Wolkenregion Sumatras tiefer, allein hiebei wäre zu erklären,
weshalb dies der Fall sei und wie die Feuchtigkeit auf die Verschiebung
der Regionen von Einfluss ist. Die in vertikaler Richtung
stufenweise eintretende Veränderung der Pflanzenformen kann nur
als eine Wirkung der in demselben Sinne allmälig veränderten Wärme
betrachtet werden, aber mittelbar werden die Regionen durch eine
Wolken- und Nebelhülle herabgedrückt, welche die Erwärmung der
Gebirgspflanzen durch die Sonnenstrahlen schwächt und verhindert.
Es ist Miquel^o) ^icht gelungen, in den meteorologischen Beobachtungen
solche Temperaturunterschiede zu erkennen. Allein nicht in
der gemessenen Wärme schattiger Standorte, sondern in der häufiger
oder seltener vorkommenden Insolation sind die Einwirkungen der
Bewölkung auf die Temperatur des Erdbodens aufzusuchen. Auf
eine stärkere Wolkenbildung in Sumatra lässt sich in der That aus
dem Relief und der Lage dieser Insel schliessen. Hier erheben sich
die Vulkane aus einer höheren Bodenanschwellung, wie Junghuhn
auf seinen Höhenkarten der Battaländer gezeigt hat. Eine Gebirgskette,
etwa 4000 Fuss hoch gehoben, über welche die einzelnen
Kegelberge um das Dreifache emporragen, erstreckt sich hart an der
Südwestküste über die ganze Länge der Insel und dacht sich durch
Seitenketten und Hochlande nach dem Innern zu ab. Die Seewinde
werden leichter ihren Wasserdampf verdichten, wo sie überall auf
geneigten Boden treffen, als in Java, wo ein grosser Theil der Insel
aus Tiefebenen besteht und nicht über das Niveau von 1 000 oder
2000 Fuss hervorragt. Sodann aber scheint auch die verschiedene
Lage beider Inseln den herrschenden Winden gegenüber von Bedeutung
zu sein. Obgleich in gewissen Gegenden von Sumatra der
Monsun wenigstens in den unteren Luftschichten unterdrückt ist, so
wehen doch die Seewinde senkrecht gegen die Gebirgsaxe der Insel.
Indem diese sie mit ihren breiten Flanken vollständig auffängt, so
müssen sich unaufhörliche Nebel und Niederschläge bilden, welche
die Temperatur des Bodens herabdrücken. Java hingegen steht