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192 X. Kapflora.
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vermindert wird, zeigen die Steppengräser. Wenn es auch nicht an
endemischen Gramineen fehlt, so hat doch hier die überwiegende
Bedeutung dieser Familie, die sie im tropischen Afrika hatte, aufgehört
13). Grassavanen erstrecken sich von Natal und von der
Kalahari über Kaffrarien, wo sie noch in den Grenzdistrikten der
Kolonie der Viehzucht Vorschub leisten, aber sie enden westwärts in
der Nähe des grossen Fischflusses . Weder auf den Karrooflächen
noch auf den Terrassen des Westens und Südens ist der
Graswuchs für den Unterhalt der Heerden irgendwo genügend. Hier
werden die Steppengräser durch Restiaceen verdrängt, die wegen
der Härte ihres Halms als Futter ohne Werth sind. Bei ihnen ist
ein eigenthümlicher Bau der Oberhailt nachgewiesen is), wodurch
der Saftverlust in der trockenen Luft erschwert wird. Die Athemhöhlen,
von denen die Verdunstung des Safts ausgeht, sind nämlich
von einer Lage inkrustirter Zellen umschlossen, welche der Abgabe
des Wasserdampfs aus dem grünen Gewebe wie eine hemmende
Wand entgegenwirkt. Die Familie der Restiaceen ist grösstentheils
den Vegetationscentren des Kaplandes und Australiens eigenthümlich,
also zwei Ländern, wo die Entwicklung der Pflanzen durch
mcht periodische Dürre leicht gefährdet wird. Merkwürdig aber
ist, dass Pfitzer an einigen australischen Restiaceen jenen Mechanismus
nicht wiederfand, sondern eine andere Organisation der Oberhaut
bemerkte, die jedoch eine ähnliche Bedeutung hat. Hier sind
die Spaltöffnungen tief in die Oberhaut eingesenkt und der dadurch
abgesonderte Vorhof ist nach auswärts verengt, in einem Falle durch
Erweiterung der Cuticula bis auf eine sich verschränkende Furche
geschlossen. Wenn nun dieser Vorhof bei trockener Luft durch
Zusammenziehung der Epidermisschicht nach aussen abgesperrt wird
muss die Verdunstung aufhören. In Austraüen ist der Niederschlag
noch viel unregelmässiger, als im Kaplande : dort haben die Halme
im Wechsel der Dürre und Feuchtigkeit sich lebensfähig zu erhalten,
hier sollen sie geschickt sein, durch verlangsamte Verdunstung ihr^
Vegetationsperiode zu verlängern. Auch bei den immergrünen Blättern
von Kapsü-äuchern, bei Proteaceen, Eriken und bei Synanthereen
[Elytropappus] ist anzunehmen, dass, wenn ihre Spaltöffnungen
eingesenkt und die Vorhöfe mit Haaren ausgekleidet sind, dadurch
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Palmietschilf. — Buschland. 193
derselbe Zweck erfüllt wird, worauf bei Australien noch einmal
zurückzukommen ist.
Zu den bemerkenswerthen Erzeugnissen der Kapflora gehört
endlich auch das Palmietschilf [Prionmm], durch welches die Flüsse
längere Zeit vor dem Versiegen bewahrt werden. Diese Juncee,
nach der Anordnung und Gestalt ihrer Blätter der amerikanischen
Bromelienform ähnlich, bildet über dem Wasserspiegel durch ihr geselliges
Wachsthum eine dichte Vegetationsdecke. Die untergetauchten,
an einander gedrängten, schwammigen Stengel, welche, mit einer
starken Wurzel am Grunde befestigt, die Laubrosette tragen, wirken
wie eine Schleuse auf das hindurchfliessende Wasser, welches sie
aufsaugen und zurückhalten. Sie verlangsamen das Gefälle des Stroms,
dessen Fläche zugleich durch ihr Laub beschattet und gegen die austrocknende
Gluth der Sonne geschützt wird. Lichtenstein , der diese
wohlthätige Wirksamkeit einer Wasserpflanze anschaulich beschreibt,
beobachtete einmal, als das trockene Bett eines Bergstroms nach dem
ersten reichlichen Regen sich wieder füllte, dass vier Tage erforderlich
waren, bis das Wasser durch das Palmietschilf eine Strecke von
sieben Stunden zurücklegen konnte.
Vegetationsformationen und Regionen. Aus Gesträuchen
bestehen die allgemein herrschenden Formationen der Kapflora, sie
werden von den Kolonisten das Buschland (Bosjes) genannt, dessen
Urbewohner Messen Buschmänner. Von der Küste bis zu den
Karroofeldern sich ausbreitend, bestimmt die Gebüschvegetation
die Physiognomie der Landschaft. In den meisten Gegenden wachsen
diese niedrigen Sträucher nicht so gedrängt, dass nicht der Erdboden
kahl zwischen ihnen sichtbar wäre oder den Stauden, den
Zwiebelgewächsen und Succulenten Raum liesse. Auf der südwestlichen
Küstenfläche und an den Bergen, zu denen sie sich erhebt,
ist die Mischung der Straucharten am grössten. Ein geselliges Zusammenwachsen
derselben Art gehört zu den seltenen Erscheinungen.
Doch giebt es bei der Kapstadt einzelne Strecken, die mit gewissen
Eriken oder Proteaceen gleichmässig bekleidet sind. Von der Bewässerung
der Standorte ist die Dichtigkeit und Höhe des Wachsthums abhängig.
In den Wasserrissen der Berge gleichen die Gebüsche den
südeuropäischen Maquis, sie werden zuweilen 15 bis 20 Fuss lioch
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G - r i s e b a c h , Vegetation der Erde. II. 13
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