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36 VIII. Sudan.
Stämme werden oft als ärmlicli, knorrig und zwergartig bezeichnet.
In den Nilländern sind es zum Theil dieselben Baumarten, wie im
W a l d e ^ und so wird man leicht auf den Gedanken geführt, dass
vielleicht in gewissen Gegenden ein säkularer Wechsel zwischen
Wäldern und Savanen bestehen möge, wodurch dann auch die häufigen
Uebergänge zwischen beiden Formationen ihre Erklärung fänden,
indem die eine durch die andere allmälig verdrängt werden
könnte. Allein wo die dichten Hochwälder des Westens, wie auf
der Bergterrasse von Angola, an die lichten Savanenwaldungen des
Tafellandes grenzen, sind die Bestandtheile beider Formationen völlig
geschieden. Und ebenso nehmen die Wälder in der Richtung gegen
die Wendekreiswüsten so allmälig ab, dass man dies Verhältniss nur
auf die kürzere Dauer der Regenzeiten beziehen kann.
An den Grenzen von Natal und Kaffrarien erkennt man den
durchgreifenden physiognomischen Gegensatz zwischen Sudan und
dem südlichsten Vegetationsgebiete Afrikas darin, dass die Gesträuchformationen,
welche den grössten Theil des Kaplandes bedecken, und
die noch am grossen Fischflusse ein undurchdringliches Dickicht
bilden, an der Grenze der Sommerregen aufhören und nun die Küste
einem nicht minder dichten Tropenwalde, die Hügelterrassen den
oflPenen Savanen überlassen. Es ist überhaupt eine häufig wiederkehrende
Erscheinung, dass die Bildung des Gesträuchs auf grossen
Landstrecken von dem schwächeren Winterregen begleitet wird, und
dass dagegen die intensiveren tropischen Niederschläge der wärmeren
Jahrszeit den Wald und die Savane hervorrufen, weil der Baumwuchs
mehr Feuchtigkeit als die Sträucher bedarf und die Gramineen eben-
• falls wegen ihres grösseren Bedürfnisses mineralischer Nahrung zur
Auslaugung des Erdbodens mehr Wasser in Anspruch nehmen.
Zwischen der nördlichen Zone, deren Wälder und Wiesen das ganze
Jahr hindurch befeuchtet werden, und den tropischen Klimaten sehen
wir daher auch am Mittelmeer die Maquis eingeschaltet und durch
die Sahara von Gegenden getrennt, wo die Sträucher nur wenig zur
Physiognomie der Landschaft beitragen. In Sudan sind die Gesträuchformationen
entweder nur untergeordnete Bestandtheile der
Savane oder, wo sie häufiger werden, von der Neigung des Bodens
abhängig. Die dornige Sodadaform und gewisse Acacien sind es,
die in den nubischen Savanen hauptsächlich die Gebüsche zusammen-
Gesträuchformationen. — Hochland von Abessioien. 137
setzen, und, zu einer Höhe von 5 bis 20 Fuss heranwachsend,
bei einigen ihrer Arten leicht im Hochgrase einen ungetheilten
Stamm bilden und dadurch in die Gestalt der Zwergbäume übergehen.
Einen grösseren An theil nehmen die oft mit Schlingpflanzen
durchwachsenen Sträucher an der Vegetation der Küstensavane von
Nubien^^) und Guinea^). Auf dem geneigten Boden Abessiniens
begegnen wir sodann dichter zusammenhängenden Strauchformationen
20) mit eingemischten Bäumen, und ebenso sind die Gipfel und
Schluchten des Hügellandes am östlichen Nilsee von dichten Gesträuchen
bedeckt 4). Da auch in diesen Gebirgslandschaften die
Holzgewächse meist dornig sind, so darf man annehmen, dass an
den Gehängen und auf steiniger Erdkrume der Abfluss des Wassers
an der Oberfläche und in die Tiefe zu sehr gefördert wird, um höhere
Bewaldung zuzulassen.
Regionen. Die Vegetation der Gebirge ist in Sudan, namentlich
im Inneren, noch wenig bekannt. Einiges, was in dem Abschnitt
über Indien ausgeführt wurde, ist auch für Abessinien massgebend.
Die tropischen Gebirge unterscheiden sich dadurch von denen der
nördlichen Zonen, dass die ausgedehnten Regionen fehlen, wo der
Schnee nur in der kälteren Jahrszeit den Boden bedeckt. Periodische
Schneeanhäufungen können nur dadurch entstehen, dass der Schnee
in der nassen Jahrszeit sich sammelt, in der trockenen verdunstet,
also innerhalb enger Höhengrenzen durch den Wechsel der Temperatur.
Die Verkürzung der Vegetationsperiode, die auf den Gebirgen
der gemässigten nnd kalten Zonen an die Entfernung des
Schnees gebunden ist, fällt unter den Tropen grösstentheils weg und
damit auch eine der wichtigsten Bedingungen für die scharfe Abstufung
der Pflanzenregionen, die den höheren Breiten eigen ist. Wie
in Java, ist der Uebergang einer Region in die andere ein allmäliger
und wird je nach der Temperatursphäre der einzelnen Gewächse erst
nach und nach bemerklich. Nur wenn diese durch abweichende Gestalt
oder geselliges Wachsthum, wie die Bambusen, sich auszeichnen, ist
der Wechsel der Regionen ebenso scharf bezeichnet, wie in den Gebirgen
der gemässigten Zone. In der tropischen Zone lassen sich
Bäume in grossen Höhen denken, die wenig Wärme bedürfen und
doch eine lange Dauer ununterbrochener Vegetation beanspruchen.
Hiedurch erklärt sich die eigenthümliche Erscheinung in Abessinien,