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Tönen seiner Färbung, mit zierlichen Schlinggewächsen behangen,
zu den Füssen der bunteste Blumenflor von Zwiebelgewächsen und
Kräutern bald überschattet, bald zu freien Matten ausgebreitet; zarte
Farne sogar entspriessen hier dem harten Thonboden. Die mit Dorngebtisch
bewachsenen Flächen werden Espinales g^enannt: hier sind
die unter einander verflochtenen Colletien mit ihrem harten Holze
nebst Cacteen und Bromelien zu einem unzugänglichen Dickicht verwoben
; dann folgen grasbewachsene Felsen mit Orchideen [Chloraea),
oder Strecken von hartem Thonboden mit Zwiebelgewächsen, dánn
wieder ein malerisches Gemisch blühender Stauden und auf der
letzten Hügelstufe ein staubiges, dürres Erdreich, wo die holzigen
Synanthereensträucher in zerstreuten Gruppen auftreten. Ueberall
aber sind die Formationen, wie die Regionen, durch allmälige Uebergänge
unter einander verbunden, bis der Sommer sie alle in gleicher
Weise verödet. Je nachdem Feuchtigkeit und angesammelte Erdkrume
es zuliessen, hat die Natur diesen Garten von Blumen bis zu
den kahlen Felsgeröllen über die Anhöhen Chiles ausgespannt.
So wird auch nordwärts in demselben Verhältniss, wie der
Winterregen schwächer wird, bis er zuletzt ganz aufhört, der Eintritt
in die Wüste von Atacama durch allmälige Uebergänge vermittelt.
Als Darwin in dieser letztern ganz pflanzenlose Strecken
antraf, wo er einmal auf einem Ritt von 14 Stunden ausser einer
kleinen Lichene, die selten genug war, kein einziges Gewächs zu erblicken
vermochte, fand er den Eindruck nicht so sehr auffallend,
weil er auf der Reise von Coquimbo nach Copiapo sich bereits an
ähnliche Landschaften gewöhnt hatte. Mochten dieselben aber auch
aus der Ferne ebenso wüst erscheinen, so gab es hier doch selten
einen Raum von 400 Schritten, wo man nicht »bei sorgfältiger Untersuchung
einen kleinen Strauch, einen Cactus oder eine Lichene hätte
auffinden können«, und dann liegen hier im Boden die keimfähigen
Samen, die bei dem ersten, gelegentlichen Regenschauer aufgehen.
Anders wie im Norden verhält sich die chilenische Küstenflora
an ihrer Südgrenze; hier endet der Garten von Valparaiso an einer
scharf bezeichneten Vegetationslinie, wo die dichten Wälder plötzlich
beginnen. Dies erfolgt in einer etwas höheren Breite, als an der
Kordillere der Anden: nach Darwin's Beobachtung berühren sich
beide Floren fast unmittelbar an der Küste von Concepción (36^
Schneelinie. — Absonderung der Vegetationscentren. 477
S. B.), er sagt, »sie vermischen sich fast plötzlich«. Poeppig^)
rückt die Polargrenze der Wälder etwas weiter nach Norden, an
den Fluss Maule (35 ^S. B.). Die Waldregionen der inneren Kordillere
hören eben da (etwa 34 ^S. B.) auf, wo die Schneelinie so
steil herabsinkt, üeber das Niveau der chilenischen Schneegrenze
haben wir genauere Auskunft aus der Breite von-Valparaiso [33 ^
S. B. : sie liegt hier, wie schon angeführt wurde, 13800 Fuss
hoch, also ebenso hoch wie im tropischen Mexiko. Eine trockene
Atmosphäre, die den Schneefall mindert und den Sonnenstrahlen
freien Zutritt gewährt, ist die Ursache ihrer hohen Lage. Da die
Puna-Region in Chile fehlt und also der Einfluss des Hochlands auf
das Höhenklima wegfällt, so ist die Trockenheit der Luft wohl nur
davon abzuleiten, dass die Anden hier weder auf der West- noch
Ostseite von Seewinden getroffen werden. Vergleichen wir sie mit
andern Gebirgen unter entsprechender Polhöhe, so finden wir gleich
hohe Schneelinien in Asien nur da, wo dieselben durch anschliessendes
Hochland elevirt sind. Die chilenischen Anden sind in dieser Beziehung
ohne ihres Gleichen und bieten daher der alpinen Flora unverhältnissmässig
weite Niveauabstände, während das Gegentheil in
wenig höherer Breite auf demselben Gebirgszuge eintritt. Aber dieselbe
Dürre, welche die Schneegrenze erhöht, beschränkt auch den
alpinen Pflanzenwuchs und, so weit in vertikalem Sinne die Grenzen
der alpinen Region auseinanderliegen, so eng ist, mit Peru verglichen,
ihre horizontale Ausbreitung, weil der Kamm der Anden
hier zu einer einfachen oder doch schmalen Kordillere zusammenrückt.
Denn die südliche Gebirgskette, welche vom Meere sich erhebt,
kann zwar als eine Wiederholung der Küstenkordillere betrachtet
werden, aber die alpine Region wird durch sie nicht erwei--
tert, indem sie viel zu niedrig ist und vom Hauptzuge der Anden
durch eine tiefe Einsenkung abgesondert wird, eben durch jenes
grosse Längenthal, durch welches die natürlichen Hülfsquellen des
Landes vor denen Perus so sehr bevorzugt sind.
Vegetationscentren. Obgleich eine Vermischung der chilenischen
mit den Nachbarfloren stattfindet, so ist die Menge der endemischen
Pflanzen doch bei Weitem überwiegend. Verhältnissmässig
die meisten Arten haben die mittleren mit den südlichen Provinzen.
Chiles gemein, und doch beträgt deren Zahl, so weit ich die