
If»;,
Iii
• • ; .i.
' ü I
n
504 XXIV. Oceanische Inseln.
zu dem Kontinent, von dem die eingewanderten Pflanzen abstammen,,
zu den Küsten, mit denen sie klimatisch am meisten übereinstimmen,
nicht, wie man geglaubt hat annehmen zu dürfen, zu höheren Breiten,
als unter denen sie selbst liegen. Nur zwei endemische Gattungen
haben sie geliefert, beide Synanthereen und beide europäischen
nahe stehend {Seubertia neben Bellis, Microseris neben
Picris). Die einzigen Fälle, wo der Bau der endemischen Arten auf
andere Vegetationscentren hinweist, beziehen sich auf Nordamerika:
dies sind zwei Orchideen [Habenaria], eine ümbellifere [Sanictda]
und die Vaccinien, von denen nur die eine Art endemisch, die andere
atlantisch ist.
Die endemischen Gewächse vertheilen sich unter 29 Gattungen
und 19 Familien: bei ihrer geringen Zahl hat es kaum ein Interesse,
die Reihenfolge der Familien anzugeben. Die meisten Arten enthalten
die Synanthereen (6) und die Cyperaceen (6 Arten von Carex).
Obgleich die neun Inseln keineswegs nahe zusammenliegen, ist eine
Verschiedenheit ihrer endemischen Erzeugnisse wenig bemerkt worden.
Als merkwürdigstes Beispiel wird angeführt , dass die einen kleinen
Strauch bildende Glockenblume der Azoren [Campamda Vtdaln) nur
auf einem einzigen meerumspülten Felsen unweit der Ostküste von
Flores gefunden ward. In diesem Fall wäre nicht eine Einschränkung
ihres ursprünglichen Wohngebiets, sondern ein unverändertes
Fortbestehen der Pflanzen auf demselben anzunehmen. Sie verharrte
an dem Orte, wo sie entstanden war, ohne sich weiter auszubreiten,
weil sie auch die nächste Küste nicht erreichen konnte: denn wie
sollte eine so kräftige Organisation von den Inseln verdrängt sein,
da sie sich mit einem Felsboden begnügt, auf dem sie vor einwandernden
Pflanzen gesichert war? Erst durch die Kultur in europäischen
Gärten haben die Individuen dieses Gewächses sich vervielfältigt,
welches an seinem einzigen Wohnorte ein Vegetationscentrum
in seinem ursprünglichen Zustande vor Augen führt.
2. Madeira. Der Archipel von Madeira (33 ^ N. B.) umfasst
die Hauptinsel und ihre Satelliten, Porto Santo und die Desertas;
die Entfernung von der afrikanischen Küste beträgt etwa 100 g.
Meilen, von Portugal um die Hälfte mehr. Das Klima ist wärmer
und weniger feucht, als auf den Azoren, aber der Unterschied nicht
so erheblich, dass die Vegetation dadurch wesentlich beeinflusst
Madeira. Klima. — Vegetation. 505
würde. Wurde die Jahrestemperatur von S. Miguel mit der von
Cadix verglichen, so giebt es in Andalusien doch auch Orte, die
ebenso warm sind, wie Funchal auf Madeira. In dieser an der Südseite
der Insel gelegenen Stadt ist die Hälfte des Jahres beinahe
regenfrei (Mai bis Oktober), aber die dem Sommerpassat ausgesetzten
Bergabhänge haben ihre Wolkenbedeckung und ihre Elevationsniederschläge,
wie auf den Azoren, in jeder Jahrszeit: es überwiegt
indessen auch hier der Winterregen.
Madeira wurde bei seiner Entdeckung unbewohnt und in den
wohlbewässerten Thälern bis zum Meeresufer bewaldet gefunden.
Ein Baum, den man die Ceder der Insel nannte, gab ein geschätztes,
wohlriechendes Bauholz 9), aber verschwand nach einem grossen
Waldbrand. Im alten Holzwerk der Häuser von Funchal soll man
noch jetzt die Ueberreste nachweisen können: es ist wahrscheinlich
der Wachholder der Azoren gemeint [Juniperus brevifolia), von dem
man an abgelegenen Orten noch zuweilen grosse Stämme findet
oder vielleicht die kanarische Ceder (/. Cedrus), die einen höhern
Wuchs hat, aber gegenwärtig in Madeira, nicht einheimisch ist.
Durch den Anbau ist die untere Region der Insel (0 — 2000 Fuss)
wenigstens an der Südseite von Wäldern vollends entblösst worden.
Aber die fruchtbare Landschaft, wohlbewässert und kühn zu dem
6000 Fuss hohen Gebirge ansteigend, hat doch den Reiz einer reichen
Vegetation bewahrt, und dieser gewinnt noch dadurch, dass
neben den südeuropäischen auch die meisten tropischen Kulturgewächse
zu erblicken sind. Mit dem Zuckerrohr, das an die Stelle
des Weinbaus trat, als dieser seit dem Jahre 1852 durch die Traubenkrankheit
zu Grunde ging, wird allgemein der Pisang gezogen,
tropische Fruchtbäume sind häufig, aber die Palmen fehlen oder
verbergen sich vereinzelt in Gärten.
Ueberhaupt kommt der Ertrag aller tropischen Kulturen dem in
der heissen Zone nicht gleich, und dies fordert zu einer näheren Vergleichung
ihrer klimatischen Bedingungen auf, wodurch das Verhältniss
der atlantischen Flora selbst zu der südeuropäischen erst in ihr
wahres Licht gestellt werden kann. Wo Solstitialregenzeiten stattfinden,
fällt der kräftigste Trieb des Pflanzenlebens mit der vortheilhaftesten
Erwärmung zusammen: dies ist die natürliche Grundlage
jeder tropischen Vegetation. In Madeira aber, wo, wie am Mittel-
•