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364 X^'rr. Südamerikauiselies Gebiet diesseits des Aeqiuitors.
Laiidschaftsbildern aus dem brasiliaiiisclien ürwalde von Martins
in diesem Sinne dargestellt.
Hiebei ist zu erklären, weshalb der Schatten in den Laubwäldern
der gemässigten Zone vorzugsweise von durchscheinendem,
unter den Tropen von gebrochenem Lichte gemildert werde und weshalb
die Nadelwälder an diesen beiden Lichtquellen ärmer und daher
so oft von Schattenpflanzen entblösst seien. Wenn man überlegt,
auf welchen Bahnen das Licht durch die Laubkronen frei eindringen
kann, so denkt man zunächst an die Palmen und an die Mimoseenform,
an die zusammengesetzte und daher unvollständig schattende
Blattbildung, welche hiedurch mächtig zum lichten Ton des tropischen
Waldes beiträgt: aber die Bäume dieses Charakters bilden
nur einen Bestandtheil, nicht das Ganze, worin vielmehr an Reichthum
und Grösse des Laubes Formen mit einfachen Blättern, wie die
des Lorbeers, überwiegen. Und eben die Form des immergrünen
Laurineenblatts, welche sich in so vielen tropischen Familien wiederholt,
entbehrt jener durchscheinenden Textur, welcher die Halbschatten
nordischer Laubwälder ihr Licht verdanken. Aber einen
anderen, allgemeineren Charakter tropischer Waldbäume hat Kittlitz
in der Vertheilung des Laubes angedeutet, der den ersteren zu ergänzen
bestimmt scheint. In Klimaten, wo Kälte oder Trockenheit
den Holzgewächsen die Ruhe des Winterschlafs verstattet, entwickeln
dieselben eine viel grössere Anzahl kleiner Zweige, welche ein zusammenhängenderes,
wenn auch im Ganzen weniger dichtes Laubdach
als unter den Tropen zu bilden pflegen. Dasselbe beschattet
daher auch gleichmässiger den Boden, obgleich es durchscheinender
ist, aJjer nicht so tief, wie im Nadelwalde, dessen gedrängte Nadeln
völlig undurchsichtig sind. Auf der anderen Seite ist es offenbar,
dass die ununterbrochene Wärme und Feuchtigkeit des äquatorialen
Klimas gleich den zuerst gebildeten Aesten eine längere Dauer sichert,
von denen in jedem Winter der gemässigten Zone viele zu Grunde
gehen oder unentwickelt bleiben und daher in neuen Verzweigungen
sich verjüngen müssen, damit die erforderliche Anzahl von Blättern
entstehen könne. Jene ersten Aeste wachsen im Tropenwalde,- dem
Lichte entgegenstrebend und die Saftströmungen an sich ziehend,
im excentrischen Sinne beständig fort und lassen daher zwischen
ihren gipfelständigen, den an ihrem jüngsten und weichsten Theil
Beleuchtung des Urwalds. — UferwakUing. 365
entwickelten Laubkronen mehr oder minder weite Zwischenräume
übrig. Unter dieser doppelten Bedingung der Gestaltung und
Vertheilung des Laubes wird man in jenem Klima überall »eine
gewisse, ganz eigenthümliche Durchbrochenheit« wahrnehmen,
welche bei den Palmen nur am einfachsten nnd bei den Mimosen
am meisten ausgebildet erscheint, selbst an Holzgewächsen, die
sonst mit diesen Formen am wenigsten zu vergleichen sind und
bei denen die freiere Entwickelung der Stammverzweigungen diesen
herrschenden Charakter hervorbringt, indem sie das natürliche
Gipfelwachsthum der Palme nachahmen und ersetzen. »Grosse
Massen« an sich dunklen und undurchsichtigen »Laubes erhalten
dadurch ein so leichtes Ansehen, dass sie gleichsam in der Luft zu
schwimmen scheinen«: aber auch alle übrigen Gewächse, die Lianen,
die Epiphyten, bis auf das kleinste Farnkraut am Boden zeigen ein
Streben nach excentrischer Ausbreitung, welches den einzelnen Organen
nicht gestattet, auf einander zu lasten, sondern in beständig
sich kreuzenden Linien überall Zwischenräume bildet für den Durchgang
der Luft und des Lichts«. Hier spricht die Natur den Menschen
an, wie in den edelsten Werken mittelalterlicher Baukunst,
deren Spitzbögen arabischer Herkunft jene Durchbrochenheit bei
riesigen Massen und höchstem Reichthum an Ornamenten von den
mit ihren Fiederblättern sich berührendeu Palmen entlehnt zu haben
scheinen. Eben durch dieses Streben aller Gewächse zu den nach
aufwärts reichlicher gespendeten Lichtquellen wird die Unterscheidung
der einzelnen Bestandtheile des Tropenwaldes in noch höherem
Grade erschwert, als durch die Unzugängiichkeit des Bodens: von
den Lianen sind oft nur die blattlosen Axen zu erblicken, die bei
ihrem unbegrenzten Längenwachsthum die übrigen Organe in den
Laubkronen verbergen, und die Epiphyten sind nur aus der Ferne
sichtbar, wenn sie die lichteren Stellen zu ihrem Stützpunkt aufsuchen.
Als zweite Haupt-Formation in dem Waldgebiete Guianas unterscheidet
Richard Schomburgk die Vegetation der Stromufer am Rande
des Urwalds, wie sie aus dem nördlichen Brasilien durch Martius und
Pöppig allgemein bekannt geworden. Hier überwindet im freieren
Räume und auf dem feuchteren Grunde das Unterholz die zurücktretenden
Dickstämme, ein Gürtel von Bambusen und breitlaubigen
Urticeen der Bombaceenform [Cecropia) stellt sich in den Vorderr
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