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Abnahme bis zum Schlüsse der trockenen Jahrszeit sich imanfhörlich
erneuern.
Im Scrub ist demnach die periodische, nach der Zeit der Niederschläge
geordnete Entfaltung viel weniger scharf ausgesprochen, als
in denWaldsavanen, wo die Stauden und Gräser der Dürre erliegen.
In dem tiefen Dunkel dicht verschlungener Zweige kann das Licht
nicht wirken, welches die Vegetation des Graslandes beleuchtet, und
wodurch das Wachsthum in der wärmeren Jahrszeit beschleunigt wird.
Die P^ntwickehing muss langsamer sein, wenn nur die oberen Blätter
durch die Sonne in regere Thätigkeit versetzt werden, und wenn der
Saftumtrieb vermöge der Kleinheit und Festigkeit der Blätter stockt.
So sind also die Lebensbedingungen des Scrub und der Waldsavanen
gerade entgegengesetzt, und es ist begreiflich, dass beide Formationen
sich räumlich so streng von einander absondern. Die ursprüngliche
Anordnung mag vom Boden und dessen Kraft, die
Feuchtigkeit zurückzuhalten, bedingt sein, aber in der Folge sind es
die Organe der Gewächse selbst, die entweder helles Licht zulassen
oder tiefen Schatten verbreiten.
Bei der verschiedensten topographischen Gliederung, aber oft
über unermessliche Eäume ausgedehnt, ist der Scrub der Fluch, wie
die Waldsavane der Segen des Landes. Eine unbenutzbare und undurchdringliche
Einöde von Sträuchern, die selbst das Feuer nicht zu
vertilgen im Stande ist, stellt sich der menschlichen Kultur oft als unbesiegbare
Schranke entgegen. Der Scrub nicht minder, als die wasserlose
Wüste ist lange Zeit das Hinderniss gewesen, in das Innere des
Kontinents einzudringen, ja nur die an entfernten Küstenpunkten
aufblühenden Ansiedelungen durch üeberlandwege zu verknüpfen.
Auch im tropischen Australien sieht man aus Leichhardfs Bericht
wie dieser energische Reisende, der zum ersten Male von der Ostzur
Nordküste den Kontinent durchwanderte, oft Wochen und Monate
von undurchdringlichen Scrubdickichten aufgehalten wurde und
diese Schwierigkeit nur dadurch besiegte, dass er sie umging und die
Flusslinien aufsuchte, die zuweilen ihm mühsame Wege bahnten,
aber auch nicht selten von der beabsichtigte)! Richtung ablenkten.
Wo die australische Natur in den eigenthümlichsten und mannigfalsten
Bildungen des Pflanzenlebens sich gefällt, scheint sie dem Menschen
den Zutritt zu ihren geheimen Werkstätten abzuschneiden.
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Gemischter Wald. ^21
Den vollen Reichthum systematischer Mannigfaltigkeit erreicht
der Scrub erst jenseits des Wendekreises, aber das Physiognomische
wird nicht sowohl hiedurch, als durch die Aufnahme bestimmter
Baumformen geändert, was dßnn zur Unterscheidung einiger besonderer
Arten von Scrubformationen Veranlassung gegeben hat. Der
Callitris-Scrub {Pmeforest), dem diese Coniferengattung beigemischt
ist, findet sich bis nach Südaustralien verbreitet. Ueber den Brigalow
Scrub bemerkt F. Müller dass derselbe aus den verschiedensten
kleinen Bäumen und Sträuchern bestehe, unter denen indische
Gattungen zahlreich vertreten sind; diese Formation charakterisirt
die aus Sandstein gebildeten Hochflächen, die sich westwärts von
dem Küstengebirge durch ganz Queensland erstrecken und südlich
über den Wendekreis hinausreichen: so soll dieser Brigalow-Scrub,
im Norden am Burdekin beginnend, bis zu den Zuflüssen des Darling
(also etwa —28^ S. B.) und südwestlich bis in die Gegend des
Cooper River, zur centralen Wüste sich ausdehnen, würde also auch
dazu beitragen, die Grenzen der tropischen und ektropischen Vegetation
in Australien zu verwischen. Zu dieser Formation gehört auch
jeneBombacee {BrachycUton'^, 214), die, wo sie auftritt, dem Scrub
den Namen Flaschenbaum-scrub verschafft hat {Bottle-tree-scn/b),
Ein gemischtes Walddickicht [Brus/iwood] , aus schattenden,
gedrängt wachsenden Bäumen gebildet, bezeichnet die feuchten
Standorte der Creek-Thäler. Hier treten mit üppigem Wachsthum
die Pflanzenformen auf, die am weitesten von dem allgemeinen Charakter
der australischen Vegetation abweichen : in Neusüdwales findet
man hier zwar die Eukalyptusform (z.B. vertreten durch die Magnoliacee
Tasmminia), aber hier wachsen auch die Palmen {Corypha und
Seaforthia)^ die Farnbäume und eine baumartige Liliacee [Doryant/
ies). In Südaustralien trifft man am Ufer der Creeks Eukalypten
von gewaltiger Grösse: Stämme von acht Fuss Durchmesser
sind sehr gewöhnlich ^ . Nur an Feuchtigkeit fehlt es dem australischen
Boden, um tropische üeppigkeit des Wachsthums hervorzubringen.
So ist es auch nur diese Formation, welche, durch fliessendes
oder im Sumpfboden zurückgehaltenes Wasser ernährt, die
australische Flora mit den Wäldern Neuseelands, jedoch ohne irgend
eine Uebereinstimmung in den Baumarten, bis zu einem gewissen
Grade zu verknüpfen scheint.
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