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Umfang der brasilianischen Flora. — Vertheilung der Niederschläge. 395
XIX.
B r a s i l i e n .
Klima. Die Wälder des südliemispliärisclien Amerikas verhalten
sich diesseits und jenseits der Anden entgegengesetzt. Während
innerhalb der Tropenzone der schmale, pacifische Abhang
baumlos ist, sind die weiten Ebenen Brasiliens fast nirgends von jener
bald zerstreiiten, bald gedrängten Bewaldung durchaus entblösst, die
mit den offenen Savanen abwechselt und die südwärts an den Pampas
der Platastaaten endet, wogegen diese den gemässigten Süden des
Kontinents beherrschenden Steppenlandschaften wiederum dnrch die
Anden von der in den höheren Breiten bewaldeten Westküste geschieden
werden. Die Linie, wo die regelmässigen Regenzeiten und
mit ihnen die Wälder des südlichen Brasiliens aufhören, kann, wiewohl
sie den Wendekreis beträchtlich überschreitet, als die Naturgrenze
der Tropenflora gelten. Denn wenn anch der Reichthum
tropischer Erzeugnisse jenseits des Wendekreises allmälig abnimmt,
sa zeigen doch die Sammliuigen von der Ostküste ans der Provinz
Rio Grande do Sul noch bis zum dreissigsten Parallelkreise den
brasilianischen Typns nnd in S. Catherina2) sind die Waldbäume
dicht mit Epiphyten bedeckt, wie am Aequator. Im Inneren aber
verlänft die Berührnngslinie der Pampas und Wälder bogenförmig
nach Norden, bis sie in der Nähe des Wendekreises •') die Anden
erreicht.
Ganz Brasilien steht jenseits des Aequators nnter der Herrschaft
des Südostpassats, der vom atlantischen Meere über den Kontinent
bis zur Hylaea nnd zu den Anden hinweht. Nach dem Relief
des Bodens aber theilt sich die Flora in mehrere Abschnitte von
ungleichem Umfang, die durch die Vertheilnng der Niederschläge
nnd durch die Bewässerung der Vegetation von einander geschieden
sind. Längs der ganzen Südostküste erstreckt sich eine bis zu
7000 Fuss4) gehobene Gebirgskette, die Serra do Mar, die, ihre
Abhänge dem Passat entgegenstreckend, eine Elevationsregenzeit
erzeugt, und, von den üppigsten Wäldern bedeckt, das ganze Jahr
hindurch so viel Feuchtigkeit ansammeln kann, dass noch am Wendekreise
zu Rio die vegetative Entwicklung niemals unterbrochen
wird. Dann folgt im Inneren ein weites Tafelland von mehr als
2000 Fuss 5) Mittelhöhe, welches den grössten Theil Brasiliens einnimmt.
Diese wellenförmig gebauten und unregelmässig zu den
Wasserscheiden ansteigenden Hochebenen, deren höchste Kuppen in
Minas Geraes sich durchschnittlich zu 4000 Fuss und im Itambe zu
fast 5600 Fuss6) erheben, besitzen nur in jener Serra do Mar eine
Randgebirgskette und sind übrigens von Tiefland umgeben. .Sie
senken sich allmälig zu den dürren und flachen Landschaften der
Nordostküste und ebenso im Süden zu dem Stromgebiet des Rio de
la Plata. Sodann werden sie von den tiefen Einschnitten des Amazonas,
des Madeira und des Paraguay umschlossen und dadurch von
den Anden abgesondert, indem die nach Norden und Süden strömenden
Flüsse in der Provinz Mattogrosso, nur durch eine niedrige
Wasserscheide getrennt, sich beinahe unmittelbar berühren. So
würde, wenn der Kontinent tiefer läge, dieses grosse östliche Dreieck
desselben eine selbständige Insel, etwa wie Neuholland, bilden, und
hierin scheint, da die Gewächse des Hochlands die Wälder der Thalwege
nicht übersthreiten können, die vorzüglichste Ursache zu liegen,
dass die Flora Brasiliens in so hohem Grade ihre abgeschlossene
Eigenthümlichkeit bewahrt hat. Diesem weiten Binuenlande nun
wird durch die Serra do Mar der atlantische Wasserdampf entzogen,
und überall, wo nicht fliessendes Wasser oder Sümpfe den Boden
tränken, herrschen daher hier die Savanen, welche in Brasilien
Campos genannt werden und in denen die regelmässige Zenithregenzeit
des südhemisphäri sehen Sommers von den regenlosen Monaten
des Passatwinds scharf getrennt ist.
Vergleicht man diese Hauptzüge des brasilianischen Klimas mit
anderen Tropenländern, so erscheinen sie von dem des grösseren
und unter denselben Breitegraden gelegenen Theils des afrikanischeil
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