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;i7 1 XVII. Südamerikanisches Gebiet diesseits des Aequators.
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sphärische Strömungen oder durch Vögel^ die sich von ihren Früchten
ernähren, unterhalten werden. Zu den häufigsten, von Mexiko
und Cuba bis Brasilien reichenden Bäumen der Savanengehölze gehört
eine Verbenacee mit Steinfrüchten [Duranta) , deren Samen
durch Tauben sich verbreiten, indem sie keimen, nachdem sie
unbeschädigt durch ihren Darmkanal gegangen sind und also durch
ihre Exkremente gleichsam gedüngt werden Bei solchen Beschränkungen
ist es b^egreiflich, dass in den brasilianischen Savanen
jenseits des Amazonas, wo die äusseren Lebensbedingungen dieselben
sind, wie in Guiana, so viele Gewächse des diesseitigen Gebiets sich
nicht wiederfinden. Das grösste unter allen diesen mechanischen
Hindernissen der Wanderung ist eben der breite ürwaldsgürtel, der
die Aequatoriallandschaften Brasiliens erfüllt und den Stromlauf des
Amazonas in ganz anderem Umfange als seine Nebenflüsse umspannt.
Nicht allein für die Savanenpflanzen, sondern auch für die
Erzeugnisse der feuchten Wälder selbst bietet derselbe eine Schranke.
Denn dieser Urwald enthält eine grosse Anzahl endemischer Bestandtheile,
welche, durch Niederschläge in allen Monaten des Jahrs und
durch die Ueberschwemmungen des Stroms befeuchtet, eine vegetative
Kraft besitzen, die nirgends in Amerika ihres Gleichen hat, so
dass das weithin zusammenhängende Dickicht den meisten Gewächsen
der seitlich anliegenden Gebiete undurchdringlich und unüberschreitbar
gegenübersteht 2 5 ) . '
Die Flora der Anden von Neu-Granada ist von Venezuela nur
durch die Hebung des Bodens abgesondert, aber auch die mit tropischen
Wäldern erfüllten Thäler des Magdalenenstroms und seiner
Nebenflüsse werden durch die östliche Kordillere von dem Gebiete
des Orinoko getrennt. Die Verkettung der Gebirgslinien lässt hier
eine Erscheinung unerklärt, die auf der Silla von Caracas Humboldt's
Aufmerksamkeit auf sich zog^''). Die alpine Vegetation fand er
hier mit der auf den hohen Kordilleren von Bogota nicht bloss aus
analogen, sondern zum Theil aus gleichen Arten zusammengesetzt.
Es blieb ihm dunkel, wie dieselben Ericeen [Gauitheria oclorata u.
Gaylussacia buxifolia) zwei Hochgebirge zugleich bewohnen, die
70 Stunden weit durch-niedrige Bergzüge getrennt sind, auf denen
sie nirgends eine so kühle Temperatur finden, dass sie daselbst gedeihen
könnten. So wurde von ihm unter den Tropen Amerikas
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Charakter.der Vegetationscentren. 375
jenes Problem zum ersten Mal anerkannt, welches uns in Europa so
vielfach begegnete und das, so lange man bei der Einheit der Vegetationscentren
stehen bleibt und in der Gegenwart fortwirkende
Kräfte, es zu erklären, aufsucht, nur in den atmosphärischen Verbindungsbahnen
seine Lösung findet.
Das Verzeichniss der aus dem britischen Guiana bis zum
J. 1848 bekannt gewordenen Pflanzen, welches Richard Schomburgk
entworfen hat und worin beinahe 3500 Gefässpflanzen aufgezählt
werden, ist die einzige zu Vergleichungen über die Systematik der
Flora brauchbare Zusammenstellung, Der Raum, auf welchen
sie sich bezieht, ist nur auf etwa den siebenten Theil des ganzen
Florengebiets zu schätzen 29) ^ aber die übrigen Länder sind weit
weniger genau, als Guiana, erforscht worden. Dass indessen
auch hier der Reichthum an endemischen Pflanzen des Kontinents
bei Weitem grösser sei, als in Westindien, geht aus den bereits vorliegenden
Thatsachen hervor. Die Zahl endemischer Gattungen ist
indessen weit geringer, als in Mexiko, und wird selbst von den den
Antillen eigenthümlichen übertroflfen, worin ein Ausdruck der kontinentalen
Verbindungen mit Brasilien und den Anden zu erkennen ist.
Die eigenthümlichen Gattungen, von denen ich 70 zähle, vertheilen
sich unter 28 Familien: darunter sind am stärksten die Orchideen,
Rubiaceen, Malpighiaceen, Leguminosen und Urticeen vertreten ^^^.
Die Reihe der in Guiana nach ihrer Artenzahl vorherrschenden Familien
ist der von Westindien ähnlich ; sie unterscheidet sich durch
die vermehrte Anzahl der Leguminosen, Malpighiaceen und Apocyneen,
sowie durch die erhebliche Abnahme der Synanthereen^^).
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