
26B XII. WaWgebiet des westlichen Kontinents.
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Flüssen nicht fehlt, hat doch auch hier die alpine Flora bisher nur
eine geringe Ausbeute geliefert. Die Ursache liegt im Bau dieser
Gebirge, nicht aber, wie weiter südwärts im Gebiete der Prairieen
im beschränkten Umfange der alpinen Region. Bourgeau, einer der
geschicktesten lebenden Pflanzensammler, der im Bereiche der Quellen
des Saskatchawan die Ostseite der Rocky Mountains untersuchte,
konnte hier bei längerem Aufenthalte nicht mehr als 460 Pflanzenarten
auffinden, die Tannenwälder waren einförmig und wenig zugänglich
, die alpine Flora bis zur Schneegrenze dürftig. Da der
Reisende in dieser Breite sich schon in der nordischen Zone der
weissen Tanne befand, so entbehrten die Wälder des Wechsels der
Regionen. Sie bestanden nur aus drei Nadelhölzern, denen Birken
und Pappeln beigemischt sind, zwei Tannen, von denen die weisse
am .höchsten ansteigt, und aus einer Kiefer von niedrigem Wuchs
(P. Banksiana). Die Baumgrenze fand Bourgeau in demselben Niveau
(von 6100 Fuss), avo sie fast unter gleicher Breite auch am
Altai liegt. Indem er der alpinen Region einen Niveauumfang von
2000 Fuss zuschreibt, bemerkt er zugleich, dass keine Alpenmatten
vorkommen, weil die Gebirgsbäche zu tief in steile Felsthäler eingesenkt
wären und deshalb der für eine alpine Vegetation geeignete
Boden zu wenig geräumig sei. Aehnlich scheint sich die Cascadenkette
am stillen Meere zu verhalten, deren vulkanische Hochgipfel
durch niedrige Pässe und Thaldurchschnitte von einander abgesondert
sind.
Die merkwürdigste Erscheinung auf diesen Hochgebirgen Nordamerikas
besteht darin, dass unter demselben Meridian die Baumgrenze
und in etwas geringem Grade auch die Schneelinie der Rocky
Mountains sich in südlicher Richtung ungewöhnlich heben. Es wird
in dem Abschnitt über die Prairieen gezeigt werden, dass die Baumgrenze
in der Gegend der Parks (40 ON. B.) um mehr als 4000 Fuss
höher liegt, als im Quellgebiet des Saskatchawan (510), und dass
dort wegen der Ausdehnung der Wälder bis zu den oberen Gebirgsabhängen
für die alpine Flora wenig Raum übrig bleibt. Diese Elevation
der Waldregionen steht mit der hohen Lage der Prairieen am
oberen Lauf des Missouri und Nebraska in Beziehung, wodurch die
Wälder ebenfalls in ein höheres Niveau rücken. Am Saskatchawan
hören die Prairieen auf, hier beginnt das Tiefland Hudsdniensso).
Absonderung und Vermischung der Centren. 267
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Ebenso nimmt an der Westseite der südlichen Rocky Mountains ein
hohes Plateau den Raum bis zur Sierra Nevada ein, welches sich
nordwärts in die tief gelegene Ebene des Oregon abdacht, dessen
Hauptquellen gerade denen des Saskatchawan gegenüberliegen. Von
Westen, vom stillen Meere kommen die Regen winde, deren Feuchtigkeit
sich zuerst an der Cascadenkette, dann an den Rocky Mountains
niederschlägt. Die Zeit, in welcher Schnee fällt, dauert hier viel
länger und verkürzt die Vegetationsperiode der Gebirgsregionen.
Unter solchen Einflüssen senkt sich die Baumgrenze und je näher
dem stillen Meere, um so tiefer, auf der Cascadenkette (bis
5600 Fuss) nach demselben Gesetz, wie in Portugal und Norwegen.
Die Rocky Mountains haben in diesen Breiten eine ähnliche Lage,
wie der Altai, der auch mit seinem Fasse das sibirische Tiefland
berührt und ebenfalls grossen Strömen den Ursprung giebt.
Tegetationscentren. Durch die geringe Ausbildung eigenthümlicher
Gebirgsfloren, die in der östlichen Hemisphäre zwar in
einigen Fällen entfernte Gegenden verknüpfen, in einem viel grösseren
Massstabe aber die Wanderungen der Pflanzen hemmen und zurückhalten
, fehlt in dem westlichen Waldgebiete eine Hauptbedingung
sowohl des Endemismus als der Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse.
Auf diesen weiten Ebenen sind die Wohngebiete der Pflanzen gross
und, wie in Nordeuropa und Sibirien, weniger durch die Konfiguration
des Kontinents als durch den allmäligen Wechsel des Klimas
bestimmt. Jede der fünf Waldzonen hat ihre besondere Vegetation,
aber ihre Centren sind von ungleicher Ergiebigkeit. Aus Newfoundland
sind nur wenige endemische Gewächse bekannt geworden, auch
die nördliche Zone Hudsoniens ist einförmiger, als das Oregongebiet,
und dieses steht in dem Reichthum und der Eigenthümlichkeit seiner.
Flora gegen die östlichen Staaten wiederum zurück ^i). Zum Theil
erklärt sich dies daraus, dass mit zunehmender Wärme und verlän^
gerter Dauer der Vegetationsperiode die Organisationen mannigfaltiger
werden, aber hier lässt es sich zugleich auch deutlich nachweisen,
dass der erleichterte oder erschwerte Austausch zwischen
den Vegetationscentren zu der ungleichen Ausstattung der einzelnen
Waldzonen mitwirkt.
Durch die verschiedene geographische Lage nämlich wird es
erst erklärlich, dass der Endemismus in den beiden östlichen
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