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270 XII. Waldgebiet des westlichen Kontinents.
Unter den Familien zählt Asa Gray 26 Gruppen oder isolirte
Gattungen, die nicht in Europa vorkommen, aber grösstentheils den
wärmeren Gegenden angehören und in der nördlichen Laubholzzone
kaum 3 Procent der Phanerogamen ausmachen. Die meisten dieser
Familien finden sich auch im östlichen Asien (18), unter den übrigen
sind nur die Hydrophylleen als rein amerikanischer Typus bemerkenswerth.
Von diesen sind nämlich jetzt bereits 13 Arten aus den
nördlichen atlantischen Staaten bekannt geworden. Andere ebenfalls
auf Amerika beschränkte Familien, die Cacteen, die Loaseen und
Bromeliaceen berühren das Waldgebiet kaum oder sind daselbst nur
durch einzelne Arten vertreten.
Der Reichthum der Flora möchte wohl dem des europäischsibirischen
Tieflandes gleichkommen, ist aber auch in den südlichen
Staaten nirgends mit dem des Mediterrangebiets zu vergleichen.
Meine Schätzungen über die Flora des ganzen Waldgebiets, welche
durch die bisherigen Forschungen ziemlich ebenso sehr, wie Europa,
erschöpft ist, erreichen kaum 5000 Arten. Durch die Abwesenheit
reicher Gebirgsfloren, durch die Gleichförmigkeit der physischen
Einflüsse und die erschwerte Einwanderung aus den Nachbarfloren
erscheint Nordamerika ungeachtet seiner hohen Produktionsfähigkeit
ärmlicher ausgestattet, als Europa. Dazu kommt aber auch, dass
das nordamerikanische Waldgebiet, durch die Prairieen und durch
das Zurücktreten der arktischen Waldgrenze an der Hudsonsbai eingeengt,
wohl nur halb so gross ist, als das europäisch-sibirische^^).
Die Aehnlichkeit der Lebensbedingungen ist ferner dadurch
angedeutet, dass, obgleich in den einzelnen Waldzonen die Arten so
oft und auch die Gattungen mitunter verschieden sind, doch die vorherrschenden
Familien in höherem Grade unter einander übereinstimmen,
als man erwarten möchte. Die durch einen weiten Kaum
getrennten Vegetationscentren haben hier doch ähnliche Organisationen
erzeugt, die gewissen gemeinsamen Faktoren,des Klimas, der
Bewässerung, des Waldschattens anzupassen waren. In der Reihenfolge
der vorherrschenden FamiHen treten bei der Vergleichung
mit Europa diese Aehnlichkeiten hervor, wenn wir auch ihren Bedingungen
nicht überall zu folgen vermögen. Die Cruciferen, die
ümbelliferen und Caryophylleen sind vermindert, die dem feuchten
Humusboden entsprechenden Cyperaceen und Ericeen sind vermehrt.
Vergleichung mit Europa. — Ansiedelungen. 271
Unter den Synanthereen, der grössten Familie in beiden Kontinenten,
überwiegen hier die üppiger vegetirenden Asteroideen und Heliantheen,
die Anthemideen und Cichoraceen Europas sind nur durch
eine kleine Anzahl von Gattungen schwach vertreten.
Auf der anderen Seite konnte zwar im Allgemeinen die Ungleichheit
der Waldzonen als ein Ausdruck der Verschiedenheiten
ihres Klimas gelten, aber von gewissen Eigenthümlichkeiten ilirer
Vegetation ist doch keine klimatische Beziehung nachzuweisen. Das
üppigere Wachsthum des Unterholzes und der Schattengewäclise des
Waldes kann als eine Wirkung des stärkeren Regenfalls aufgefasst
werden^ aber die Mischung der Laubholzbestände, die Höhe der
Bäume im Oregongebxet und im Gegensatz dazu ihre durchschnittlich
geringere Grösse in den atlantischen Staaten bleiben unerklärt. Es
sind dies Erscheinungen aus dem Lebenskreise der einzelnen Arten
oder sie entsprechen dem Bildungstypus bestimmter Vegetationscentren,
gleichsam als ein Zeugniss von dem Streben der Natur nach
Mannigfaltigkeit der Landschaftsbilder. Durch die Feuchtigkeit des
Klimas kann die Höhe des Baumstamms befördert werden, wenn dadurch
das Wachsthum der Gipfelknospe beschleunigt wird. Aber
auch das Gegentheil kann eintreten, wenn es darauf ankommt, durch
frühzeitige Unterdrückung dieses Wachsthums den Gefahren der
Sturmwinde sicherer auszuweichen. Die Mischung der Bestände
wird sich da erhalten, wo demselben Centrum verschiedene Bäume
entsprossen sind, deren Lebensbedingungen übereinstimmen und
deren Kräfte, auf ihrem Standorte sich zu behaupten, im Gleichgewichte
stehen. Im Bereich anderer Centren können ebenso viele
Arten vorhanden sein, aber die einzelnen unterscheiden sich durch
ihre Nahrungsbedürfnisse und trennen sich nach den Bodenarten,
die ihnen zusagen und ihre Lebensenergie erhöhen.
Durch die Kolonisation ist eine umfassende Ansiedelung europäischer
Gewächse erfolgt, die neben der Bodenkultur in die Physiognomie
der nordamerikanischen Wälder umgestaltend eingreift.
Diese Pflanzen hat Asa Gray in seinen Untersuchungen über die
Statistik der Flora von den einheimischen oder "durch natürliche
Wanderungen einheimisch gewordenen Arten sorgfältig ausgeschieden,
ihre Anzahl beläuft sich nach ihm in der nördlichen Laubholzzone
auf 260 Arten. Durch ihre Vertheilung in den atlantischen
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