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446 XX. Flora der tropisclien Anden Sjidíimerikas.
noch bei Weitem allgemeiner ausgeprägt ist und bei den identischen
durch den vom Isthmus bis zur Magellanstrasse nnunterbrodienen
Zusammenliang der Andenkette gefördert wird.
Diesen docli immer nur seltenen Wanderungen, durch welche
die fernsten Gegenden verknüpft werden, steht der weit überwiegende
Endemismus der . tropischen Anden Südamerikas gegenüber,
der wegen der Dürftigkeit der Flora an der pacifischen Abdachung
weniger bemerkbar ist, als auf der östlichen, in der alpinen Region
aber am stärksten hervortritt- Die Zahl der alpinen Gattungen ist
verhältnissmässig klein, aber um so charakteristischer in manchen
derselben und in einzelnen Familien die grosse Anzahl der Arten
also die enge Verwandtschaft der Erzeugnisse. Aus den beiden
grössten Gattungen von alpinen Dikotyledonen sind bereits melir als
je 50 Arten beschrieben worden (von Sefwcio 83, von Gentiana 57).
Die meisten Stauden scheinen auf bestimmte Gegenden beschränkt zu
sein, viele Arten sind nur auf einzelnen Gebirgsgruppen und Gipfeln
bemerkt wurden. Je gleichartiger die Anden in ihrem Bau erscheinen
und viele Breitengrade hindurch unzählige Schneeberge, Hochflächen
und Thaleinstürze immer wieder aufs Neue einander folgen, desto
ähnlicher sind auch die endemischen Erzeugnisse ihrer Vegetation,
ohne dass der Austausch unter den .Centren besonders erleichtert
wäre. Es giebt wohl kein an Einzelnheiten ergiebigeres Beispiel,
wie die Wiederholungen gleicher oder durch unmerkliche Abstufung
verbundener Lebensbedingungen von einer entsprechenden Reihenfolge
verwandter, aber doch bestimmt geschiedener Organisationen
begleitet werden, die unter diesem Einfluss entstanden sind. Vergleicht
man ferner die alpine Flora der tropischen Anden mit der von
Chile, so findet man aufs Neue eine beträchtliche Anzahl von identischen
Gattungen deren abgesonderte Arten sich diesseits und
jenseits des Wendekreises vertreten und durch welche die räumliche
Verwandtschaft der Vegetationscentren vom Aequator bis zum Feuerlande
vermittelt wird. Seltener sind solche systematische Analogieen
alpiner Gattungen (z. B. Espeletia) zwischen den Kordilleren und
den Gebirgen von Venezuela, die, durch niedrigere Höhenzüge getrennt,
in einem grösseren Abstände von ihnen entfernt liegen, wodurch
freilich die Uebertragung durch Wanderungen nicht vollständig
verhindert wnitle. Durch das Meer und den Isthmus abgeschlössen,
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Charakter der Vegetationscentren. 447
ist nach den übrigen Richtungen der Endemismus der Andenflora im
Allgemeinen dem Verhältniss ihrer klimatischen und geographischen
Selbständigkeit entsprechend bewahrt geblieben, daher aber auch in
den gegen das östliche Tiefland geöffneten Thäleru vielfältig verwischt
worden.
Den ältern, jedoch sehr unvollständigen Arbeiten über die Andenflora
folgte die leider noch unvollendete, aber aus allen bisherigen
Sammlungen geschöpfte Darstellung Weddell'sSS), welche sich indessen
nur auf die alpine Region bezieht. Ungeachtet des grossen
ümfangs einzelner Gattungen scheint die Flora im Verhältniss zu
andern Gegenden Südamerikas nicht reich zu sein. Auf einem Areal,
welches nach Massgabe der vier gegenwärtig zu den tropischen Anden
jenseits des Isthmus gehörenden Sfaaten auf mehr als 60000 g. Quadratmeilen
geschätzt werden kann, beträgt die Zahl der aus der alpinen
Region bekannt gewordenen Arten schwerlich über 1200, von
denen wohl 1000 endemisch sein mögen. In den übrigen Regionen
wird man nach Ausschluss der auch in den Nachbarländern vorkommenden
Pflanzen wohl nicht mehr als die doppelte Anzahl, also
im Ganzen nur etwa 3000 beschriebene, endemische Arten der Andenflora
annehmen dürfen. Einen hohen Grad der Selbständigkeit dieser
Vegetationscentren aber beweist der- Endemismus der Gattungen : ein
Verzeichniss der denselben eigenthümlichen enthält über 90, die
sich unter etwa 36 Familien vertheilen . Wie in Mexiko, stehen
darunter die Synanthereen voran: eine Mehrzahl enthalten ferner
die Orchideen, Solaneen und Melastornaceen. Mehrere weichen durch
ihren Bau von den Familien ab, denen sie zunächst stehen [Malesherbia
von den Passifloreen, die Calycereen von den Synanthereen,
Columellia von den Scrophularineen, Bougueria von den Plantagineen);
einige zeichnen sich durch abweichenden Habitus aus (z. B.
durch grosse Blumen und durch ihren Holzstamm die Polemoniacee
Cantua, durch schuppenförmige, gedrängte Belaubung die Scrophularinee
Aragoa).
Ueber die Reihe der vorherrschenden Familien, die nach den
Regionen abzusondern sein würde, sind bis jetzt nur wenige Andeutungen
möglich: bei Weitem die grösste Familie der alpinen Region
ist, wie im Hochlande Mexikos, die der Synanthereen, die aber dort
grösstentheils aus Corymbiferen, liier beinalie zur liälfte aus Labiati- •1 •' ;