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368 XVII. Südamerikanisches Gebiet diesseits des Aequators.
unter den Lianen die Leguminosen, Sapindaceen, Malpighiaceen,
Apocyneen, Smilaceen, Convolvulaceen und Passifioreen; unter den
Epipiiyten die Orchideen, Bromeliaceen, Piperaceen und Farne.
Einige durch ihre Organisation merkwürdige Gewächse dieses Florengebiets
sind: die der Form der Zwergpalmen sich anreihende
Pandanee des Isthmus, aus welcher die Panama-Hüte verfertigt
werden [Carhidovica palmota)] die an der Küste von Darien einheimische,
nach ihrem Wachsthum mit dem Krummholz vergleichbare
Palmei^), welche das vegetabilische Elfenbein liefert {PhyteUphas),
ein erhärtendes Nahrungsgewebe im Samen, dessen Coliäsion von
keinem Erzeugniss des Pflanzenreichs übertroffen wird; die oben erwähnte
riutpalme [Manicaria], in deren die Blüthenrispe umhüllenden
Scheiden die Natur eine konische Kopfbekleidung fertig darbietet;
endlich auf den Gebirgen von Venezuela der Kuhbaum [Galactodendron),
eine Urticee der Lorbeerform, die einen Milchsaft enthält,
dessen chemische Bestandtheile mit denen animalischer Milch nahe
übereinstimmen.
Die Vegetation der Savanen von Venezuela ist einförmiger gebildet,
als in Guiana, sie unterscheidet sich dadurch, dass sie von
Baumwuchs oft ganz entblösst ist. Der berühmten Schilderung Humboldt's
>4) von diesen ebenen Flächen der Llanos sind folgende Hauptzüge
zu entnehmen. Unter die herrschenden Gramineen und Cyperaceen
[Kyllingia] mischen sich nur hier und da die Stauden, die den
Rasen mit Blüthen schmücken, vor Allem, wie auf dem Isthmus, die
Sensitiven [Mimosa), die man daselbst Dormideras nennt. Bäume
felilen auf weiten Strecken ganz : nur vereinzelt erheben sich aus der
dürren Grasflur eine Proteacee [Rhopala), eine Malpighiacee [Byrsonima)
und Gruppen von Fächerpalmen, von einer 24 Fuss hohen
Copernicia [C. tectorum) , die vor den glühenden Sonnenstrahlen
keinen Schutz gewährt. In der trockenen Jahreszeit, wo die Temperatur
der sandigen Erdkrume bis auf 40 Oß. steigt, herrscht Ruhe
in der ganzen Natur; der jeder Feuchtigkeit beraubte Boden beginnt
sich zu spalten, das Pflanzenleben scheint erstorben, wie in einer
Wüste; nur an den Flüssen erhält sich das frische Laub der Mauritia
Palme. Mit dem eintretenden Regen aber erwacht die Kraft
der Organismen aufs Neue, plötzlich steht die Ebene im lebhaften
Frülilingsgrün ihres Grasrasens. Dem Anbau des Bodens und der
Savanen.
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Bewaldung steht hier die Seltenheit der Flüsse und die ebene, von
ihnen eingefurchte Oberfläche entgegen, wodurch die künstliche Bewässerung
oder die natürliche Ueberstauung der Fläche gehindert
wird, sodann die geringe Dicke der Humusschicht, die durch den
Laubfall von HolzgeAvächsen sich nicht erneuern kann. Gesteigert
wird die Dürre durch das sandige Erdreich, durch die Sonnenstrahlen,
die den schattenlosen Boden erhitzen. Die Gräser erschöpfen
ihn an Nahrungsstoff. Endlich richtet Humboldt den Blick
auf die Entstehung solcher Steppen, die durch ihre unermessliche
Ausdehnung und die geselligen Pflanzen, die sie bedecken, dem
Wechsel der Vegetation aMch im Laufe der Zeit einen unbezwinglichen
Widerstand leisten müssen.
Da diesen Llanos die Niederschläge in der trockenen Jahreszeit
durch die vorliegenden Bergketten entzogen werden, so kann der
Wald in ihre Grasfluren niemals eindriugen. Ein säkularer Wechsel
zwischen Baumwuchs und Gräsern ist hingegen im Tieflande von
Guiana möglich, wo die Wälder selbst auch dann Niederschläge erzeugen
können, wenn die Sonne fern vom Zenith steht. Westlich
von Paramaribo sieht man in Surinam Savanen gleich grossen Waldwiesen
vom Urwalde umsäumt . Im Inneren vom britischen Guiana,
wo zusammenhängende Savanen zwischen dem oberen Essequebo
und den Verzweigungen des Parime-Gebirgs sich weithin ausdehnen,
verdanken sie indessen diesen Höhenzügen ihre trockene Jahreszeit.
Von den einförmig ebenen Llanos unterscheiden sich dieselben durch
ein hügeliges Relief und werden häufiger von grösseren und kleineren
Waldinseln unterbrochen. Sie haben eine einfache Zenithregenzeit,
die von Ende April bis Juli oder Anfang August dauert,
aber auch in anderen Jahrszeiten durch reichliche Thaubildungen
einigermassen ersetzt werden kann. Auch sind hier die meisten
Bäume der Waldung immergrün, die Arten wenig von denen des
Urwalds verschieden, nur nicht so hoch und üppig in ihrem Wüchse.
Der Wald begleitet die Savanenflüsse oder entsteht da, wo der Boden
die Feuchtigkeit zurückhält, und ertheilt demselben einen stärkeren
Humusgehalt. In den sumpfigen Niederungen herrscht auch hier die
Mauritia-Palme.
Anders verhalten sich die Holzgewächse, die mit der dürren
Grasflur selbst sich mischen und ihren Winterschlaf theilen. Kleine
G r i s e b a c l i , Vegetation der Erde, II. 24
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