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412 XIX. Brasilien
Wendekreises die Lianen, der Waid wird einförmig, eine gTosse
Meng-e von Farnkräutern vegetirt im Schatten der Bäume =»'). So
grosse Waldbestände finden sich in Minas nur auf dem geneigton
P>oden der Gebirgsketten, nicht auf dem Tafellande selbst.
Mit zunehmender Feuchtigkeit verschwinden auf der Küstenterrasse
auch jenseits des Wendekreises die geschlossenen Pinlieiros
und werden in der Provinz Santa Catherina durch gemischte Laubwälder
ersetzt, die sich bis zu den Grenzen von Uruguay erstrecken
und von Unterholz und Rohrgräsern oft undurchdringlich durchwachsen
sind. Wenn auch die Mischung der Bestandtheile des Urwalds
hier allmälig geringer wird und die Stämme, frühzeitig von
Stürmen niedergestreckt, nicht dieselbe Stärke erreiclien, wie unter
den Tropen, so sind ihre Kronen doch ebenso dicht, wie dort, mit
l^]piphyten bedeckt'-^). Der Mato virgem hat seine Ausläufer am
atlantischen Meere so weit nach Süden ausgebreitet, als die waclisenden
Unterschiede der Wärmevertheilung nach den Jahrszeiten es
gestatten.
Wo die Urwälder Brasiliens gelichtet und die freien Stellen der
Natur überlassen werden, entsteht der Capoeira, ein Gehölz, dessen
Bäume, mit Sträuchern gemischt, durchgehends von denen des Mato
virgem verschieden sind 2^). Hier fehlt es an symmetrischer Ausgieicliung
der Formen, und die weniger schöne Gestaltung des Laubs
und der Blüthen gewährt einen unerfreulichen Anblick. Diese regelmässige
Wiederkehr von Ilolzgewächsen, die meisten? eine rauh
behaarte, also wahrscheinlich kieselreiche Blattfläche zeigen und
wodurch das geglättete Laub des ursprünglichen Waldes verdrängt
wurde, führt zu der Ansicht, dass ihre mineralischen Nahrungsstoffe
von denen der früheren Vegetation verschieden sind und
dass ihre Samen für einen solchen säkularen Wechsel seit einer entfernten
Vorzeit im Boden aufgespart wurden, nm nun zur Keimung
zu gelangen, nachdem das Erdreich für das Gedeihen der bishei-igen
Bäume erschcipft war. Die alten Stämme mochten sich bis zu einer
zufällig oder absichtlich eingetretenen Katastrophe ei-halten, und
doch kann der Fall eintreten , d^ss die Erdkrume für den Baumwuchs
überhaupt zu sehr verarmte, so dass auch der Capoeira nic]i4-
zur Ausbildung gelangt. Dann dauert es eine längere Zeit, bis wieder
Bäume aus dem niedrigen Gestrüpp sich erheben. Abea- zuletzt
l^fflirr
Gesträuche. — Grasfluren. 413
werden unter dem Einflüsse der Verwitterung und durch die Gewässer
wieder frische Quellen der Fruchtbarkeit flüssig, und scliliesslich erscheint,
indem auch der Capoeira verdrängt wird, die alte Pracht des
Tropenwalds auf's Neue wiederhergestellt. Weit ungünstiger gestalten
sich diese Verhältnisse auf dem Tafellande der Campos, wo
die tiefen Ansammlungen des Humus selten sind und die schwache
Erdkrume auf dem anstehenden Gestein der Höhenzüge leiclit vollständig
von den Holzgewächsen erschöpft werden kann. Denn je
grösser ein Stamm wird und je fester sein Gewebe ist, desto vollständiger
werden die mineralischen NahrungsstofFe in dem der Verwesung
entzogenen Holzkörper gebunden. Grosse Flächen, die früher vou
Capoes oder Catingas bewaldet waren, findet man jetzt in Minas
Geraes verödet und kaum zum Weidegrunde tauglich, indem sie sich
theils mit einem werthlosen, geselligen Farnkraut [Fteris caudcUa),
theils mit einem klebrigen, uiivertilgbaren Grase [Melinis minutiflora)
bekleidet haben, welches zwar gern vom Vieh gefressen wird, aber
demselben nachtheilig sein soll ,
I Wie die Bäume überhaupt nach Massgabe ihres Umfangs und
der stärkeren Wasseraufnahme dem Boden' mehr mineralische Bestandtheile
dauernd entziehen müssen, als kleinere Gewächse, so ersclieinen
auf den Campos neben den Catingas und den vereinzelten
Stämmen des Taboleiro coberto, wenn die Erdkrume weniger Naljrung
bietet, zusammenhängende Gesträuchformationen, die den feucliteren
Küstenlandschafien fehlen und deren Ziisannuensetzung bereits
erwälmt wurde. Carrascos lieissen sie, wenn die Höhe ihres Wuchses
dem Keiter gestattet über sie hinweg in die Ferne zu scliauen,
oder auch, wenn sie nur ein niedriges Gestrüpp bilden, Carrasceinos
dageg(sn, wenn sie sich zu 20 oder 30 Fuss e r h e b e n S i e scheinen
also in diesem tropischen Klima die Sträucher des Kaplandes doch
an durchsclmittlicher Höhe des Waclisthums zu übertreffen.
Sowie alle diese Formationen der Campos durch üebergänge
verbunden sind, so lösen sich auch die Carrascos zu einzelnen, iiber
die Ebene zerstreuten Sträuchern auf (Campo serrado) oder werden
durch die baumartigen Liliaceen ersetzt (Campo aberto). Erst, wenn
die Holzgewächse fast ganz verseil winden, delnit sich die reine Grasflur
mit ihrem reichen Bhimenschmuck über unermessliche Flächen
aus (Campo vero). Wenn man die Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse
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