
302 XIV. Kalifornisclios Kiistonü'ebiet. Wintorregen 303
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Messungen in der damals russischen Niederlassung Koss'i), wo bei
einer für diese Breite ungemein niedrigen Mittelwärme (9'V2;. der
Sommer (11«, 3) vom Winter (7 ",25) nur um vier Grade abwich,
und sogar nur um fünf Grade der kälteste Tag des Jahrs im Februar
(() 9) dem wärmsten im August ( 1 1 7 ) nachstand, üass nun dieKältc
des Meers diesen Verhältnissen zu Grunde liege, erkennt man daraus,
dass unter derselben Breite im Innern des Sacramento-Thals die
Jahreswärme um drei Grade höher ist (12 0,3) und der Unterschied
von Sommer (17 O) und Winter (6 «,6) schon auf zehn Grade anwächst.
Obgleich die flachen Temperaturkurven Kaliforniens mit
denen auf den tropischen Hochebenen Mexikos gar wohl zu vergleichen
sind, so besteht doch in den Bestandtheilen der Flora kein
Zusammenhang und nur in den Vegetationsformen die Analogie, dass
in beiden Fällen die Wälder aus Nadelhölzern und Eichen gebildet
werden, deren Arten indessen ebenfalls nicht übereinstimmen, weil
durch die dazwischen liegenden Prairieen die Wanderung der Bäume
verhindert wird.
Noch wichtiger, als die Gleichmässigkeit der Temperatur ist
für den Vegetationscharakter und die Kulturentwickelung Kaliforniens
der regelmässige Wechsel einer feucliten und einer regenlosen
Jahrszeit. Da die Niederschläge, wie in Südeuropa, in den Wintermonaten
-i) fallen, so wiederholen sich hier die wichtigsten Vorzüge
des Mediterranklimas, wiewohl dessen Wärme nicht erreicht wird.
Hieraus erklärt sich der hohe Aufschwung, den Kalifornien, nachdem
es sich seit der Entdeckung seiner Mineralschätze stärker bevölkert
hatte, auch der Mannigfaltigkeit und Ergiebigkeit seiner
Bodenerzeugnisse verdankt. Hier hat der europäische Weinbau Wurzel
geschlagen, die Feige, der Pfirsich und andere Früchte reifen hier
zu seltener Vollkommenheit, Cerealien und Futtergewächse liefern
streckenweise ungewöhnliche Erträge. Allein hiebei kommen auch
die geographische Lage und die Bewässerung durch die Küstenflüsse
in Betracht, die erstere dadurch, dass die Dauer der Regenzeit von
Norden nach Süden sich allmälig verkürzt, bis auf der kalifornischen
Halbinsel dieselben Beschränkungen der Vegetationsperiode eintreten,
wie in den südlichen Prairieen. Zwar ist das Mass der Niederschläge
auch im Norden nicht bedeutend und um die Hälfte irerina'er,
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als in dm utlautischen Stauten, aber in S. Francisko befencliten sie
den Boden sechs Monate lang vom Noveuiber bis zum April, in
S. Diego ist schon der März trocken nnd mit dem April beginnt eine
sieben Monate anhaltende, regenfreie Jalirszeit. Die von der Pol-
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höhe abhängigen Vortheile des kalifornischen Ackerbaus bestehen
oben darin, dass, je mehr man sich der Francisko-Bai und dem
Oregon nähert, eine um so viel längere Zeit für die Entwickelung
der Kulturgewächse bis zur Sommerdürre gewonnen wird.
Der Wechsel trockener und nasser Jahrszeiten in Ober-Kalifornien
beruht nicht, wie in Stideuropa, auf den allgemeinen Bewegungen
der Atmosphäre, sondern auf dem Charakter von örtlichen
Kustenwinden und auf dem kalten Meeresstrom, der hier ähnlich,
wie in Peru, einen besondern Einfluss auf die Niederschläge ausübt.
So lange die regenlose Jahrszeit dauert, herrschen an diesen Küsten
ununterbrochen nordwestliche Winde Der Temperaturunterschied
zwischen den warmen Längsthälern am Fuss der Sierra Nevada und
dem gleichzeitig kälter werdenden Meeresstrom 2) ist im Sommer am
grössten. Die Luft erwärmt sich, indem sie diesen Thälern zuströmt,
und kann also keinen Niederschlag erzeugen. Nur über dem
Meere selbst entstehen Nebel, welche die Küste nicht befeuchten^
auch in dieser Jahrszeit. Wie jeder kältere Körper an seiner Oberliäche
den Wasserdampf der ihn umgebenden wärmeren Luft verdichtet,
so wirkt auch eine kühlere Wasserfläche die Feuchtigkeit
anziehend und sammelnd, so können die Nebel des kalifornischen
Meeresstroms sogar zur Trockenheit der nahen Küste beitragen.
Dass die Kälte dieses Stroms zu der Kegenlosigkeit des Sommers in
Beziehung stehe, scheint namentlich auch daraus hervorzugehen,
dass die Nordgrenze der kalifornischen Flora mit demjenigen Parallelkreise
nahezu zusammenfällt, wo das kältere Wasser die Küste zuerst
erreicht [45^' N. B. '-^j]. Weiter im Norden fliesst nämlich jener
Polarstrom in einiger Entfernung vom Lande an der Oregon-Küste
vorüber, und hier regnet es nun aucii im Sommer.
Die kalifornische Regenzeit selbst wird von einer südöstlichen
oder auch südlichen, also äquatorialen, von der Sierra Nevada abgelenkten
Luftströmung begleitet , über welcher jedoch die Wolken
in den oberen Schichten der Atmosphäre nach Osten ziehen. Die
Vermischung dieses auf die tieferen Kegionen beschränkten Gegenwindes
mit den darüber hinwehenden, kälteren, westlichen Luft-
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