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176 IX. Kalahari.
beide Landschaften kliraatiscli gesondert sind. Denn nach den Berichten
der rheinischen Missionsgesellschaft 45) fallen in Klein-
Namaqna die Niederschläge, wie in der Kapstadt, im Winter, also
in der entgegengesetzten Jahrszeit; wie in der Wüste Kalahari, iind
Gross-Namaqua ist fast ganz regenlos. Im Innern dagegen, auf dem
Schanplatz von Bnrchell's Beobachtungen, ist in der That keine klimatische
Verschiedenheit an beiden Seiten des Gariep nachzuweisen.
Denn auf der ganzen oberen Karroofläche, zum Beispiel auf dem
öd en Roggefeld, wo nur selten Quellwasser gefunden wird beschranken
sich die Niederschliige auf vereinzelte Sommergewitter ,
gerade wie in der Kalahari. Die Gebirge des Kafferlandes verhalten
sich in klimatischer Beziehung zu der höchsten Terrasse des Kaplandes
ähnlich, wie die Drakenberge zur Kalaliari. Auch liegen die
Hochebenen zu beiden Seiten des Gariep in demselben Niveau !ind
werden nur durch die flache Thalmnlde des Stroms gescliieden, den
ein schmaler Uferwald von Acacien, Weiden und einigen anderen
Bäumen bis zu dessen Mündung begleitet.
Burchell«] aber sagt nicht bloss im Allgemeinen, dass der
Gariep »in vielfacher Beziehung« eine botanische Naturgrenze bilde,
sondern es lässt sich aus seinen Darstellungen auch ein bestimmter
Unterschied beider Flussseiten sowohl in den Pflanzenformen als in
deren Anordnung entnehmen. Das Roggefeld ist bis zum Gariep
völlig baumlos ^ es besitzt keine Gruppen von hohen Acacien und
nicht einmal den Graswuchs der Wüste; wiew^ohl auch hier die spärlichen
Gewässer nur periodisch fliessen, ist doch die ganze Hochebene
mit niedrigem Gestrüpp bewachsen, welches fast ausschliesslich
aus holzigen Sjnanthereen besieht, deren dürre, oft nadeiförmige
Blätter trotz ihrer Kleinheit doch ausreichen, Heerden von grossen
Thieren ZU ernährGii. Dgi' GisGiiscliüssigc Siindstcin, der nur Giiic
geringe, rotligefärbte Erdknime erzeugt, ist gewiss die vorzüglichste
Ursache, weshalb weder die Banmgruppen der Kalahari noch ihre
Grassteppen und Savanen den Gariep überschreiten, da alle diese
Formationen eines tiefen, wenn auch ebenfalls sandigen Bodens bedürfen.
Aber der Strom selbst, der in diesen Gegenden etwa die
Breite desKheins hat, und seine Uferwaldungen stehen doch aucli der
Vermischung der Vegetationscentren beider Gebiete entgegen. Dass
indessen solche Hindernisse, wie sie ja sonst auch der Anordnung
Absonderung von den Nachbarfloren. 177
und Absonderung von Formationen zu Grunde liegen, nicht für alle
Bestandtheile der Flora von gleicher Bedeutung sind, lehrt die Verbreitung
des Haakedorns [Acacia detinens)^ der vereinzelt auch auf
dem Roggefeld vorkommt, aber freilich erst jenseits des Gariep
häufig und zuletzt zu einer herrschenden Charakterpflanze der Vegetation
wird.
Hinlängliche Gründe aber scheinen vorhanden zu sein, den
Gariep nicht bloss als Formationsgrenze, sondern mit Burchell als
natürliche Schranke von zwei Florengebieten zu betrachten. Denn
das Roggefeld besitzt in dem Vorwalten der Synanthereen und in
ihren einförmigen, schmalen Blattgestalten noch zwei der wesentlichsten
Eigenthümlichkeiten der Kapflora. Die Blattnadel ist hier das
bei unzähligen Gesträuchorganisationen allgemein angewendete Hülfsmittel,
die Verdunstung zu beschränken und sich dadurch dem
trockenen Klima der Karrooebenen anzuschmiegen, wogegen der
Kalahariflora zu gleichem Zweck die Dornen neben dem ganz verschieden
gebauten, wiewohl ebenfalls in seiner Ausbildung gehemmten
Mimosenlaube zukommen. Der reiche Graswuchs der Kalahari
ist ferner eine dem grössten Theile des Kaplandes nicht minder
fremdartige Erscheinung. So zeigt sich in der Kalahari das Gesetz
bestätigt, dass, je mehr die Vegetationscentren einander geograpidsch
genähert sind, desto ähnlicher auch die Organisation ihrer Erzeugnisse
wird. Denn nur hieraus, nicht aus dem Boden oder Klima ist
es zu erklären, dass sowohl durch die Gramineen, wie durch die
Acacien die Vegetationscentren der Kalahari weit inniger mit der
Flora Sudans verknüpft sind^ als die von dem tropischen Afrika
durchaus abweichende Vegetation des Kaplandes. Auf der anderen
Seite scheint eine ähnliche Verbindung zwischen dieser und der Kalahari
in den Zwiebelgewächsen angedeutet zu sein, die Burchell
daselbst einen so lebhaften Eindruck zurückliessen.
Unter diesen Zwiebelgewächsen werden namentlich auch Irideen
und zwar solche Gattungen von ihm erwähnt, die für die Kapflora
charakteristisch sind [BaUana, Gladiolus^'^)], Aber es wäre unzulässig,
solche Beziehungen zu verallgemeinern. Denn die Vegetationscentren
des Kaplandes sind unter sich bereits so auffallend geschieden,
dass in dieser grösseren Entfernung zwar einzelne Fälle
der Verwandtschaft, aber keine durchgreifende Aehnlichkeit der
0-118 613ach, Vegetation der Erde. II. |2
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