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XII. Wiildgebiot des westlichen Kontinents.
selbst tlbertrotten'. I<:ine riclitigero Krkläning' wurde von Blodget
angedeutet, jedoch nicht näher juisgeführt, indem er in den nnregelraässigen
und nicht periodischen Schwankungen doi- Temperatur sowohl
:ils der Feuclitigkeit die Ursaclio der Fäulni s s der Beeren
erkannte. Gewiss bedarf ihre Keife und Ausbildung einer warmen
und trockenen l^eriode von bestimmter Dauer, auch der .Blüthc ist
der Regen nachtheilig. Ein durph unregelniässige Entwickelung g e -
schwächter Organismus ist aber auch überhaupt gegen äussere Störungen
weniger widerstandsfähig. .Der Fros t zerstörte die unterirdischen
Organe in Illinois nur bis zur Tiefe yon einigen Zollen, und
dadurch gingen die Stöcke schon zu Grunde. In Europa leidet de]-
Weinstock in der Nähe seiner Polargreuze auch leichter vom Frost,
als im kontinentalen Kl ima As i ens , aber meist überwindet er doch
den zugefügten Schaden, durch die Energie seiner Organe, durch
die '.riefe, bis zu welcher jlie Wurzeln in den Boden eindringen, g e -
schützt ist er fähig, sich zu erholen. In seiner lieimath, am schwar -
zen und kaspischen Me e re , wo die harmonische Ausbildung der
Organe als die vollkommenste vorausgesetzt werden darf, widersteht
er der Kä l t e auch am kräftigsten. In Kalifornien findet er den
trockenen Sommer wieder, der in den südlicheren Breiten Europa s
und der Steppenlandschaften seinem Gedcilien zusagt . Nichts aber
widerspricht seiner Entwickelung mehr, als der stete Wechsel von
übermässigem Wasserzuiiuss und von beschleunigter Verdunstung,
wenn ein stetig fortschreitender chemischer .Process, die Verwandelung
des Stärkemehls in Zucke r , i]i den Früchten eintreten soll, in
denen die Menge des gebildeten Zuckers von einer höheren Wärme
abhängig ist, die durch j ede gewaltsame Aendernng der Säf tci rculation
gestört wird. Besonders wichtig aber sind die Er fahrungen
über die Weinknltur Nordamer ikas dadurch geworden, dass wir hier
an einem lehrreichen Beispiele vor Augen haben, wie wenig aus der
systematischen Stellung einer Pflanze auf ilire Lebensbedingungen
zu schliessen ist, da die dort einlieimischcn Reben, so nahe sie auch
dem europäischen Weinstock in ihrem Bau verwandt sind, doch nach
ihrer klimatischen Sphäre so abweichend sich verhalten,
Ve g e t i i t i o i i s t o n n e i l . Die Physiognomie des nordamerikanischen
Waldgebiets ist dem der östlichen Hemisphäre so ähnlich, das s
es nicht unsere Auf g a be sein kann, die Formen und Formationen
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der Vegetation im liinzelnen auf's Neue durchzugehen, sondei'n nur
von Interesse ist, die unterscheidenden Züge beider Kontinente anf -
zufassen. Die enropäischen Nadelhölzer werden in Nordamerika
durch verwandte, selbst in den Bedingungen ihres Vorkommens zum
Theil entsprechende Arten vertreten, ebenso die Laubhölzer der
Buchen-, Linden- , Eschen- und Weidenformen. In einigen Ga t -
tungen ist die Anzahl der Arten erhöht, in anderen ist dieses nicht
der F a l l : von Buclien und Kas tanien sind, wie in Europa , nur einzelne
vorhanden, ebenso von den Platanen und Storaxbäumen {Li -
(/uidambar) des Orients, von Eichen- und Pinus -Ar ten finden sich
allein in der östliclien Laubholzzone j e v i e r z e h n . In keinem
Fal le ist von grösseren Bäumen die Identität der Ar t an beiden
atlantischen Küs ten nachgewiesen'"'), wohl aber kennt man einige
Beispiele des über das Meer hinübergreifenden Vorkommens an den
näher gerückten beiden pacifischen Küs ten (z. B. Pinns Menzie.w).
Unter den Conif^ren besteht der grös sere Theil aus eigentliclien
Nadelhölzern, tiberwiegend sind wohl die Tannen, aber auch die
Cypressenform ist durch mehrere Arten vertreten [Thija, Chmnaacypark).
Ucberhaupt sind etwa 50 Arten von Coniferenbänmen aus
dem westlichen Waldgebiete bekannt geworden, ^Europa gegenüber
erscheint daher die Mannigfaltigkeit beträchtlich erhöht. Von manchen
Arten Kaliforniens indessen, wo mehr verschiedene Coniferen
wachsen, als in irgend einem anderen Theile Nordamer ikas , werden
die Gebirge am Oregon nur eben berührt. Berücksichtigt man f e r -
ner, das s die östliclien Staaten, welclie ihrer L a g e nach China entsprechen,
von dem übrigen Waldgebiete nicht abgesondert sind, so
wird die Anzahl der Ar ten in der gemässigten Zone beider Hemi -
sphären wenig abweichen, und wahrscheinlich besitzt Cliina mit dem
Himalaja mehr Coniferen, als irgend ein Theil Nordamer ikas von
gleichem Umfange. Auch wird die Mannigfaltigkeit der Nadelhölzer
dadurch verringert, da s s die meisteii, wie in Europa, an bestimmte
klimatische Jiedingungen gebunden, nur einer und der anderen der
fünf Waldzonen angehören, oder , weun sie mehreren gemeinsam
sind, dann vorzugsweise die Uebergangs landschaf ten an ihren Grenzen,
in anderen Fällen weniger von einander geschiedene Gebi rgs -
regionen bewohnen. Die schwarze Tanne {F. nigra) verhält sicli
ähnlich, wie die Fichte und Edeltanne, indem sie aus den Tiefebenen
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