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200 X. Kapflora.
wandte cliaft mit Pflanzen älmlicher Klimate in dei' nördlichen Hemisphäre
ist nur in solchen Familien von Bedeutung, die den grössten
Theil der Erde bewohnen, oder wird durch einzelne vikariirende
Arten anschaulicli gemacht, wie durch die Eriken und einige andere
Erzeugnisse des Mittelraeergebiets. In der südlichen gemässigten
Zone zeigt Australien, wo das Klima ähnlich und doch in gewissen
Zügen auch wieder abweicliend ist, die bemerkenswerthesten Analogieen,
aber auch nicht minder grosse Gegensätze im Charakter der
Flora. Die Verwandtschaft beruht namentlich auf den Proteaceen
und Restiaceen. zwei grossen Familien, die für diese beiden Länder
charakteristisch sind. Man kann auch die Ericeen des Kaplandes
als eine Familie anführen, welche den grösstentheils auf Australien
beschränkten Epacrideen nahe verwandt ist. Dagegen unterscheidet
sich die Kapflora durch das Vorherrschen der Geraniaceen, Irideen
und Liliaceen, Australien von dieser durch seine Myrtaceen und
Goodeniaceen, von denen dort nur einzelne Arten vorkommen ,
unter den erstem nur eine einzige Art von australischem Typus
{Metrosideros angustifoUa], Ferner sind am Kap die Verhältnisszahlen
der Synanthereen vermehrt, der Leguminosen vermindert,
auch die Proteaceen und Orchideen weniger zahlreich 27). Beide
Floren enthalten Gattungen von ungewöhnlich grossem Umfange,
aber keine derselben ist in beiden dieselbe, und auch in den übereinstimmenden
Familien kommen nur wenig Beispiele von identischen
Gattungen vor. Am Kap fehlt der grosse Formenkreis australischer
Bäume, der die Eukalypten und die Acacien mit ungetheilten Blättern
begreift: von der letzteren Gattung finden sich nur einzelne
Arten, die dem australischen Typus fern stehen. Unter den Proteaceen
sind die Gattungen beider Länder vollständig geschieden.
In Südamerika hat Buenos Ayres, ein Weideland gleich der
Kapkolonie und Australien, einen ähnlichen klimatischen Charakter.
Hier aber ist diese Analogie für die Flora bedeutungslos geblieben :
weder in dem Bau der Pflanzen, noch in den Formen der Vegetation
ist irgend eine Verwandtschaft zu erkennen .
Unter den vorherrschenden Familien der Kapflora sind mehrere
enthalten, die in keinem andern Lande an Arten reich sind :
die Irideen, Ficoideen, Geraniaceen und Crassulaceen. Die Synanthereen
nehmen zwar die erste, die Leguminosen die zweite Stelle
Systematischer Charakter der Kapflora. 201
ein, dann aber folgen auf die Liliaceen und Ericeen gleich jene vier
Familien nebst den Proteaceen. Man erkennt daraus, wie hier die
systematische Mannigfaltigkeit der Arten mit den herrschenden Vegetationsformen
der immergrünen Sträucher, der Zwiebelgewächse
und Succulenten zusammenstimmt.
An Menge der endemischen Gattungen kann sich ausser der ^
australischen keine Flora mit der des Kaplandes messen: ich zähle
gegen 4 30, die sich unter 60 Familien je nach dem Umfange derselben
ziemlich gleichmässig vertheilen. Nicht viel Monotypen bemerkt
man darunter: auch hier überwiegen die räumlichen Analogieen,
wodurch die Anzahl der Arten vervielfältigt wird^^^). Das
allgemeine Durchschnittsverhältniss der Arten zu den Gattungen
fand E. Meyer wie 6 : P ) .
Auch einige kleinere endemische Familien besitzt die Kapflora,
von denen die Bruniaceen im System sich keiner anderen unmittelbar
anschliessen; auch die Selagineen^i) und Stilbineen haben einen
eigenthümlichen Bau, der sich jedoch dem der Verbenaceen nähert;
die Penaeaceen sind den Thymelaeen verwandt und eine anomale
Gattung [Gruhhia), deren Stellung noch ungewiss ist, scheint mit
den Bruniaceen in Beziehung zu stehen.
Je entschiedener der Endemismus in den Vegetationscentren
der Kapflora ausgeprägt und durch Wanderungen ungestört sich
erhalten hat, desto merkwürdiger ist die Thatsache, dass, ähnlich,
aber in umgekehrtem Sinne, wie im indischen Archipel, die Fauna
an diesen Erscheinungen keinen Antheil hat und jedes selbständigen
Charakters entbehrt. Zwischen den Thieren des tropischen Afrikas
und denen des Kaplandes besteht keine scharfe Grenze, und Beziehungen
zwischen ihnen und denen Australiens, wie die Flora sie
erkennen lässt, lassen sich kaum nachweisen Die grossen
Säugethiere, die auf den tropischen Savanen einer einförmigen
Vegetation gegenüber ein so reiches Bild animalischen Lebens gewähren,
dehnten ihr. Wohngebiet auch über das Kapland aus, dessen
magere Weidegründe ihnen doch nur wenig zusagen konnten. Als
die Kolonisation noch wenig fortgeschritten war, sah man das Buschland
von Antilopenheeren und Raubthieren ebenso sehr belebt, wie
die Savanen von Sudan, und traf auf die tropischen Pachydermen
in den Wäldern der Südküste. Erst durch die Jagd vertrieben,
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