
XV. Mexikanisches Gebiet.
hinabsteigen. In den Gehölzen der Savanen und in ihren übrigen
Bestandtlieilen ist in der Nähe des Isthmus eine Mischung der beiden
hier zusammentretenden Florengebiete bemerklich.
Tegetationsformen. Die meisten Landschaftsformen der
ganzen Erde sind in der Flora Mexikos' vereinigt. Der Ausspruch
Humboldt's, dass auf den Anden die Physiognomie aller Breitengrade
in der Stufenfolge ihrer Regionen eng zusammentrete, hat indessen
hier eine weniger allgemeine Bedeutung, als in Südamerika, weil
wegen der ausgedehnteren Massenerhebung Mexikos die Vegetationsformen
der gemässigten Zone in einem viel grösseren geographischem
Umfange verbreitet sind. Mit den Tropen der alten Welt verglichen,
ist der amerikanische Charakter der Vegetationscentren
durch die beiden diesem Kontinent eigenthümlichen Familien der
Cacteen und Bromeliaceen, sodann durch die erhöhte Mannigfaltigkeit
der Palmen, der Melastomaceen, Malpighiaceen und Gesneriaceen
ausgedrückt, aber mit Ausnahme der Succulenten sind diese
Gruppen nur in den heissen Landschaften reicher entwickelt und von
dem weiten Hochlande zum Theil ganz ausgeschlossen.
Die succulenten Formen, welche die mexikanische Flora mit
den südlichen Prairieen verbinden, bilden auf der Hochebene nicht
selten das herrschende und zugleich das durch die verschiedenartigste
Stammgestaltung auffallendste Erzeugniss des dürren oder
felsigen Bodens. Von den Cacteen, die in unsere Treibhäuser übergegangen
sind, stammt die grösste Zahl aus Mexiko. Sie finden sich
daselbst fast in allen Regionen-2) : einige Mamillarien steigen bis
zum Niveau von 11000 Fuss. Nur die epiphytischen Phyllocacten,
eine JForm, bei welcher der Stamm die flache Gestalt eines Blatts
annimmt und die auch den Prairieen fremd bleibt, ist auf die schattigen
Wälder der heissen Region eingeschränkt.
Von den übrigen Succulenten haben die meisten Agaven in den
trockenen Klimaten Mexikos ihre Heimath, wo auch eine Gattung
von Crassulaceen {Echeveria) mit schönfarbigen Blüthen sich der
Chenopodeenform anschliesst, deren nächste Verwandte das Kapland
b e w o h n e n 2 3 ) . Reiche Färbung der Blumenblätter und ungewöhnliche
Grösse der Blüthen sind überhaupt im tropischen Amerika
liäufige Erscheinungen: die Pracht der Cacteen in Mexiko (z.B. des
Cereus speciosus) kann man mit der Victoria der südamerikanischen
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Mannigialtigkeitd. Formen. — Succulenten. Bromelienform. Palmen. 325
Flüsse zusammenstellen. Auf dieses Verhältniss kann sich die Meiniing^
i) stützen, dass zur Befruchtung gewisser amerikanischer
Pflanzen nicht bloss kleine Insekten, sondern auch die Kolibris, dieselben
verfolgend, mitwirken, indem diese Vögel, an den Anblick
des eigenen Gefieders gewöhnt, lebhafte Farben auch in der Blumenwelt
aufsuchen sollen und die Grösse der Blüthen ihrer eigenen
Körpergrösse zu entsprechen hätte, um den befruchtenden Staub
abzustreifen und anderswohin übertragen zu können.
Die Bromelienform, von welcher die Ananas das bekannteste
Beispiel ist, unterscheidet sich von den Agaven durch eine Rosette
von nicht succulenten, harten Schilfblättern, von den Liliaceen durch
die fehlenden Zwiebeln oder Stammgebilde. In zahlreichen Arten
von den verschiedensten Dimensionen durch das tropische Amerika
weit verbreitet, bewohnen die Bromeliaceen sowohl die feuchten
Wälder wie die Klimate von kürzerer Regenzeit. Der Berührung
mit dem Erdboden nicht bedürfend, dienen die epiphytischen Formen
mit ihren reichgefärbten, oft gedrängten Blüthenständen zur Verzierung
der Baumstämme. Die unter dem Blumenschaft vereinigten
Blätter sind häufig in ihrem Grunde zu einer flachen Höhlung erweitert
, in welcher sie das Wasser der periodischen Regengüsse aufsparen.
An der Campeche-Bai kommt eine der grössten Arten, die
Pinguin-Bromelie {B. Pinguin) vor, welche den Boden stellenweise
dicht bekleidet und deren steife, fünf bis sechs Fuss lange Blätter,
mit einer Reihe gekrümmter Dornen an ihrem Rande besetzt, dem
trockenen Passatklima angepasst erscheinen. Bei vielen Arten bemerkt
man eine bläuliche Färbung oder eine Schuppenbildung an der
Oberhaut, wodurch ebenfalls Hülfsmittel angedeutet sind, die Verdunstung
zu verlangsamen und in einer trockenen Luft die Spannung
des Gewebes zu beAvahren. Kleinere, epiphytische Formen {TUlamhia)
erheben sich zu den kälteren Regionen Mexikos, aber nur
eine Art, die wegen der fehlenden Laubrosette von der vegetativen
Organisation der Bromeliaceen sich weit entfernt, konnte als Vertreter
dieser dem tropischen Amerika so eigenthümlichen Familie in
den höheren Breiten der atlantischen Südstaaten erwähnt werden.
Die meisten Palmen des tropischen Amerikas sind auf einzelne
Florengebiete oder noch engere Verbreitungsbezirke beschränkt und
bewohnen die heissen Klimate. Die kleineren Arten [Chamaedorea]