
546 XXIV. Oceanische Inseln.
Kerguelens-Land. Armutli der Flora. 547
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auch dann nicht sicher zu rechnen . Nach den gewaltigen Eegengüssen
füllen sich die Giessbäche in den Bergschluchten mit Wasser
und stürzen/bald wieder versiegend, periodisch ihre prächtigen
Kaskaden in's Meer. Das fliessende Wasser, welches auch das
Klima der Höhen und Tiefen ausgleicht, hält 'sich in gleicher Temperatur
[von 8® R. ; das beschattete Theriuoiiietei' steigt im
Sommer selten auf 19 sinkt aber durch nächtliche Abkühlung zuweilen
bis auf 7 0. Da kein Wechsel der Jahrszeiten zu bemerken
ist, so wird die Vegetation in ihrer Entwickelung auch niemals
unterbrochen.
Wie sehr dieses gleichmässige Klima den Farnen gemäss ist,
erkennt man daraus, dass die Zahl der auf der Insel beobachteten
Phanerogamen nicht grösser ist, als die der Gefässkryptogamen (29).
Noch auf dem Plateau, welches den Kraterdom umgiebt (2800 Fuss
hoch) und abwärts in feuchten Gründen wächst ein Farn mit holzigem
Stamm {Lomarta rohusta), der zuweilen 4 bis 5 Fuss vom Boden sich
erhebt, aber gewöhnlich niederliegt und nur mit der Spitze emporstrebt.
Bis zu demselben Niveau sind die Abhänge des Bergs
grossentheils mit einem endemischen Krummholz {Phylica arhorea)
bekleidet, welches, in den Spalten des anstehenden Gesteins befestigt,
wohl 20 Fuss hoch wird. Einen höheren Baumwuchs lässt die stürmische
Atmosphäre nicht aufkommen. Die Zwischenräume des Gesträuchs
sind vielfach von einem in mannshohen Käsen wachsenden
Rohrgrase {Spartina, arimdinacea) eingenommen. Auch die obere
Region, wo das Krummholz aufhört, erzeugt bis zu beträchtlicher
^öhe einen zarten Graswuchs [Agrostis media und ramulosa).
Alle diese herrschenden Gewächse und einige andere sind endemisch
86) : eigenthümliche Gattungen hat man nicht gefunden. Nw
zwei derselben haben ihr Vei-breitungscentrum im Kaplande [Phylica
und Pelargonium), andere stehen in derselben Beziehung zu dem
doch viel ferneren antarktischen Gebiete Amerikas [Acaena, Nertera,
Empetrum, Uncinia). Eine unmittelbare Einwanderung aus Südafrika
ist nur bei dem Pelargonium anzunehmen {P. amtrale var.
acugnaticum), aus dessen Stammärt im Kaplande auch in Neuseeland
und Australien klimatische Varietäten hervorgegangen
sind 67). Mehrere eingewanderte Pflanzen stammen hingegen entschieden
aus Südamerika 87), auch die Farne sind mit denen dieses
Festlands verwandt oder von dort herübergekommen 88). Diese
Wanderungen finden auch abgesehen von den herrschenden Westwinden
ihre einfache Erklärung in dem antarktischen Meeresstrome,
der vom Kap Horn über die südlichen Breiten des atlantischen und
indischen Meers in östlicher, Richtung hinfliesst und die entferntesten
Küsten in Verbindung setzt.
19. Kerguelens-Land. Im Süden des indischen Oceans (unter
50 og. B.) liegt die basaltische Insel Kerguelens-Land, beinahe in
gleich grossem Abstände von Afrika und Australien. Die Hebung
der Insel über das Meer scheint nicht bedeutend zu sein (bis 2400 Fuss),
und sie ist von beträchtlicher Grösse (126 g. Quadratmeilen), aber
sie besitzt dennoch kaum 20 Gefässpflanzen 89), in der Polhöhe von
Mainz nur ein Fünftel so viel, wie Spitzbergen. Das Klima ist zwar
stürmisch, aber nicht so sehr rauh: vom Herbst zum Winter (Mai
bis Juli) fiel das Thermometer nur selten unter den Gefrierpunkt und
der Schnee hielt sich in tiefern Lagen nie länger, als zwei oder drei
Tage'JOj. Die unverhältnissmässige Armuth der Flora ist zunächst
vielmehr eine Folge des unfruchtbaren Bodens, dann auch der Entlegenheit
der Insel, wodurch die Einwanderung erschwert wird, ohne
im Endemismus einen Ersatz zu finden. Die Terrassen, zu denen
das Land sich hebt, sind durch Felsbrüstungen geschieden, welche
zuletzt in steilen oder senkrechten Klippen zum Meere abstürzen,
die Höhen tragen Schnee, von den Abhängen werden durch die heftigen
Regengüsse die Gerölle und das Erdreich beständig abgespült
so dass sich nur spärlich das Alluvium erhalten kann.
Die Vegetation ist ähnlich wie auf den Falklands, sie besteht
aus einem reichen Grasrasen und aus jenen dicht verwachsenen, abgerundeten
Polstern, welche durch antarktische Doldenpflanzen
[Azorella] gebildet werden : im Niveau von etwa 1000 Fuss hört sie
auf91). Holzgewächse finden sich nicht. Unter den endemischen
Gefässpflanzen (6 Stauden und 2 Gräsern) ist die merkwürdigste
eine Crucifere [Pringlea antiscorhitica), deren Laubrosette einem
Kohlkopf gleicht, und die, als Gemüse zu verwerthen, schon von
Cook Kerguelenskohl genannt wurde. Ausserdem giebt es noch eine
zweite endemische und monotypische Gattung (die Caryophyllee Lija.1-
lia). Die übrigen eigenthümlichen Erzeugnisse der Insel gehören
sämmtlich zu Gattungen der antarktischen Flora (z. B. Acaena, Co-
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