
i 'i
L
' I
! ?t
M
i
lift
A
fh* J
Mi 1
Hi
nr" t
502 XXIV. Oceanische Inseln.
einem Abstände von etwa 150 g. Meilen). Fand die Verbreitung
durch den Golfstrom etatt, so ist begreiflich, dass die Mannigfaltigkeit
der Holzgewächse auf den kanarischen Inseln am grössten ist,
und auf Madeira grösser, als auf den Azoren, die nur das ihnen
Eigenthümliche abgeben, aber nichts von dort durch das Meer
empfangen konnten.
Die vertikale Anordnung der Vegetation auf Pico, der am
höchsten gehobenen Insel (7100 Fuss), wurde von Seuhert nach
Hochstetter's Beobachtungen dargestellt 0). Hieraus ergiebt sich,
dass oberhalb der immergrünen Region nur noch Spuren einer mitteleuropäischen
Vegetation unterschieden werden können: in das Bereich
der ersteren fallen alle übrigen Inseln, da sie sich kaum über
3000 Fuss erheben.
Immergrüne Kegion von Pico. 0 '—5200
Kultivirte Eegion — 1500
Lorbeerwald — 2500'.
Jiinipe7^s hrevifoUa — 5200
Maquis. 2500'-5200'.
Mitteleuropäische Region. 5200 '—7100
Der Lorbeerwald scheint die Inseln ursprünglich bis zum Meeresnfer
bedeckt zu haben, wie dies an unbebauten Stellen, z. B. auf Flores,
noch jetzt hier und da der Fall ist. üeber dem Niveau, wo die
Bodenkultur aufhört, hat er sich erhalten (1500 bis 2500 Fuss) :
wo ihn diese verdrängt hat, sind zwar die eingewanderten Pflanzen
am häufigsten, doch werden auch hier weder die Maquis noch die
endemischen Erzeugnisse vermisst. Im Lorbeerwalde selbst sind
unter den beschatteten Gewächsen und unter den Farnen, die den
Boden bedecken, ebenfalls europäische Arten den atlantischen beigemischt
(z. B. Osmunda regalis, Pteris aquilina). Die Bäume sind
sämmtlich von geringer Grösse und gehen zum Theil in Strauchformen
über®). Dies ist eine Folge ihrer unbeschützten Lage in der
Mitte des Oceans, wo die Winde an Heftigkeit zunehmen : auf Madeira
und den kanarischen Inseln zeigen die gleichen Bäume einen ansehnlicheren
Wuchs. Der Wald der Azoren ist daher von den Maquis
weniger deutlich abgesondert. An den Abhängen des Vulkans von
Pico herrscht über der Lorbeerregion der azorische Wachholder, der
sowohl als Strauch, wie als Zwergbaum wachsend, keine bestimmte
Baumgrenze erkennen lässt. Uebrigens bleiben auch auf den
Azoren. Vegetation. — Endemismus. 503
beiden andern atlantischen Archipelen die immergrünen Laubwälder
weit unter dem Niveau der Maquis zurück, und da es nicht an
Feuchtigkeit fehlt, so scheint es, dass der Boden , mit Laven und
vulkanischen Gerollen bedeckt, der Ausbreitung des Waldes nach
aufwärts entgegensteht. Die Gebüsche der Wachholdei^egion (2500
bis 4500 Fuss) enthalten neben dem Fayal, der hier auch vom Boden
aus verzweigt ist, den einzigen Strauch, dessen Heimath afrikanisch
ist [Myrsine africana) und der, vom Kaplande und aus Abessinien
bekannt, wohl nur durch Vögel, die seine Beeren aufsuchen, verbreitet
sein kann. Die übrigen Sträucher der Maquis sind wiederum
ein Gemisch von endemischen, atlantischen und europäischen Arten
(endemisch sind die Ericeen Erica azoriea und Vaccinmm cylindraceum,
atlantisch F, maderense und Eex Perado, europäisch Daphne Laureola).
Unter den wenigen Pflanzen, welche an den höchsten Abhängen des
Kraters von Piko (5200 bis 7100 Fuss) in den Spalten der Lava
übrig bleiben, bemerkt man Anfangs neben einer Ericee von der
Küste des biscayischen Meerbusens {Daboecia) noch dieselbe endemische
Erika^ die fast allen Regionen gemeinsam ist (bis 6000 Fuss),
zuletzt aber als einziges Gestrüpp die europäische Calluna: ausser
dieser werden nur noch zwei Stauden und eine Graminee genannt,
die gleichfalls von Europa eingewandert sind.
So freudig grünend der feuchte Boden der Azoren von geselligen
Pflanzen bekleidet wird, so ist die Flora doch einförmig und
ärmer, als auf den dem Festlande näher gelegenen Inseln. Noch
nicht 500 Arten von Gefässpflanzen [478 7)] wurden durch umfassende
Forschungen bis jetzt aufgefunden, und der Antheil der eigenen
Vegetationscentren an der Flora ist geringer, als dort. Die Zahl der
atlantischen Arten beträgt nur 7 bis 8 Procent (36), und ungefähr
ebenso gross.ist die der endemischen Gewächs« (40). Man sollte
meinen, dass mit dem, wachsenden Abstände vom Festlande die
Eigenthümlichkeit der Vegetation zunehmen werde, aber gerade das
Gegentheil ist der Fall. Madeira weicht von Südeuropa und Nordafrika
in höherem Masse ab, als die Azoren. Und dies gilt nicht
bloss von der Zähl, sondern auch von dem Bau der endemischen
Pflanzen. Während auf den beiden andern atlantischen Archipelen
Gattungen auftreten, die mit den europäischen nicht verwandt sind,
steht der Endemismus der Azoren durchgehends in naher Beziehung
r
i