
490 XXTII. Autarktisches Waldgebiet.
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walde einen eigenthüinlichen Reiz, wenn auf dem morastigen Bodeu
oder unmittelbar am Gletschereise das Auge durch die Blumen tler
Fuchsia {F. voccmea) und des antarktischen Veronicastrauchs [V. el-
Uptivü) erfreut wird. Auch unter diesen Holzgewachsen finden wir
ähnliche geographische Beziehungen, wie bei den Bäumen, zu Neuseeland
durch jene Veronika und durch eine valdivische Cornee (Tmselinia)
, zu dem hohen Norden durch das antarktische Empetrum
[E. rubrum). Die Verwandtschaft mit der alpinen Region-der tropischen
Anden ist besonders durch die Ericeen und Escallonien ausgedrückt,
sowie durch die Desfontainea. In den kältern Lagen erkennt
man an den kleinen Ericeensträuchern [Perneitya), namentlich aber
an dem rasenförmigen Wachsthum und den gedrängten Blattorganen
auf das Deutlichste die klimatische Analogie, welche die arktiscke
mit der antarktischen Flora verbindet und die nicht selten den Schein
der Identität von Pflanzen beider Zonen hervorruft • .
V e g e t a t i o i i s f o r m a t i o n e i l . Der allgemeinste Charakter des
Waldes von Concepción bis Chiloe ist die durch die Masse der Vegetation
bedingte Undurchdringlichkeit. In Chiloe, wo erst wenig Land
urbar gemacht ist, führen nur einzelne Pfade von Küste zu Küste,
und selbst diese sind wegen des weichen Morastbodens lästig zu betreten
. Alles Uebrige ist unzugänglicher Wald. Selbst durch das
Feuer lassen sich die feuchten Bestände nur schwer vertilgen, und
ihr Werth würde für die Holzausfuhr beträchtlicher sein, wenn es
leichter wäre, ihnen beizukommen. Darwin erklärt diese Wälder für
unvergleichlich schöner, als die einförmigen Buchengehölze von Fuegia,
aber, als er auf einer Insel an xler Südseite von Chiloe einen
Hügel besteigen wollte, gelang es ihm nicht, den Gipfel zu erreichen.
Der Wald, duftend von Laurineen und Drimys, war durch das Gemisch
lebender und abgestorbener Bäume so undurchdringlich, dass
der Fuss oft den Boden nicht berühren konnte. Erst höher aufwärts
folgten hier, mit Nadelhölzern gemischt, die antarktischen Buchen,
nur von zwerghaftem Wuchs, und doch war hier noch weniger
durchzukommen. In Valdivia ist der Wald ebenso unzugänglich,
aber nicht wegen des dichten Wachsthums der Bäume, sondern weil
die Bambusen den Raum zwischen ihnen einnehmen und die Schlingpflanzen
sie verweben . Die Laubkronen prangen hier in einem
helleren, freudigen Grün , weil die immergrünen Bäume nicht so
Wälder. 49 Í
häufig sind und die Roble-Buche vorherrscht. Aehnlich, wie in Valdivia
und auf Chiloe, werden von Poeppig*') auch die Wälder bei
Concepción gescliildert, wie sie die Höhenzüge, die in gefälligen
Formen an der Küste sich lang dahinstrecken, mit dem freundlichsten
Grün bekleiden, und wie aus den hohen Beständen, die sie krönen,
, a n einem gelegentlich abstürzenden Felsen oder am Rande der Saatfelder
und Weingärten die Schlingpflanzen überhängen und das Gebüsch
sich hervordrängt. Die Lianen verschwinden in den höher
gelegenen Wäldern von Antuco (37 S. B.), die nun zuweilen mit
blumenreichen Wiesen gemischt sind; auch die Bambusen fehlen
nicht, die, allmälig zu Gestrüpp verkümmernd, im Gebirge bis zur
Baumgrenze hinaufsteigen.
Dem auch hier also dicht verwachsenen immergrünen Laubwalde
stehen in diesem Theile der Anden auf felsigem Boden die Pinares
gegenüber, Waldungen, die ausschliesslich aus Araucarien
bestehen, deren essbare Samen den araucanischen Indianer ernähren.
Dies sind reine Coniferenbestände, deren Boden wegen mangelnder
Erdkrume unfruchtbar und nackt ist, wie in einem Kieferwalde.
Unmittelbar der Insel Chiloe gegenüber beginnt schon auf dem
Chonos-Archipel ') der Waldcharakter von Fuegia. Von hieraus ist
die ganze Westküste Ms zum Kap Horn, wie sie, zu Archipelen und
Fjorden zerrissen, an ihren umstürmten Felsgestaden.nirgends eine
Stätte fruchtbaren Vorlands übrig lässt, so auch in ihrer Vegetation
übereinstimmend gebildet. Hier sind die einzigen Waldbäume die
Buchen und die immergrüne Drimys, das dichte Unterholz besteht
aus Berberis und andern antarktischen Sträuchern. Aber nur in
feuchten Schluchten und Binnenlagen gedeiht der Hochwald, er bedarf
des Schutzes gegen die Sturmwinde des Kap Horn. An der
Wetterseite verwandeln sich die Buchen in Krumniliolz oder lassen
dem Gesträuch freien Spielraum, weil sie dem Winde nicht Stand
halten und auch die Erdkrume verweht oder durch die (jiessbäche
fortgespült wird. An der gewundenen Magellanstrasse besitzen daher
die inneren, durch das Bergland geschützten Gegenden, wie zu Port
Famine, die anselinlichste Hochwaldung, an den westlichen Eingängen
ist ihr Wachsthum unterdrückt, und auf dem Flachlande der
Ostseite fehlen die Bäume ganz, weil hier die antarktische Flora aufhört.
Dass aber nicht bloss jene berufenen Stürme dem Aufkommen