
TT"
•3
Hl
IT ^
Ii.
l
Ui
lüi
i
Hiä:
•m i .ti .Tu'.
ill
II
vi
' i ^
i H .1
I 'f
\ f
si'
J
356 XVI. Westindien.
und weiter ihren Wohnort ans nnd mögen zuletzt auch das Meer
überschreiten. So kommt es, dass die Inseln eines Archipels aus der
Ferne nur einzelne Arten von den Gattungen des Festlandes
empfangen, während sie selbst Gattungen mit zahlreichen Artende)
nach dem Gesetz der räumlichen Analogie ihrer Centren erzeugt
haben. Man kann daher die endemischen von den eingewanderten
Pflanzen oft schon dadurch unterscheiden, dass die Artenzahl in der
Gattung höher ist 37). Dieser Unterschied wird freilich durch die
endemischen Monotypen und dadurch verdunkelt, dass wegen der
Nähe des Festlandes von zahlreichen kontinentalen Gattungen auch
in Westindien einzelne endemische Arten entstanden sind.
Die auf einem fremden Boden angesiedelten Arten bringen in
gewissen Fällen klimatische Varietäten hervor, und diese von den
wirklich endemischen Arten aus einander zu halten, ist oft eine schwierige
Aufgabe für den Systematiker. Wie die Varietäten sich zu
ihren Stammarten verhalten, so stehen auch oft die endemischen
Arten und selbst die Gattungen zu denen des Kontinents in naher
Verwandtschaft. Diese Steigerung der insularen Eigenthümlichkeiten,
die nur dem Grade nach verschieden scheint, hat den Anhängern de^
Darwinismus zur Stütze ihrer Ansichten gedient, indem sie in dem Endemismus
der Archipele überhaupt nur eine allmälig eingetretene
Umbildung der. Organismen des Festlandes zu erkennen meinten.
Allein neben der nachweisbaren Variation eingewanderter Pflanzen
und neben den Beispielen räumlicher Analogie der endemischen
Arten und Gattungen bieten die Archipele auch Reihen von Organisationen,
die mit dem Nachbarlande in keiner Beziehung stehen ^S).
In Westindien sind die endemischen Gattungen (gegen lüO) überwiegend
monotypisch (mehr als 60), und gerade unter diesen finden
sich die eigenthümlichsten Bildungen. Sie können nicht eingewandert
oder aus eingewanderten hervorgegangen sein, wenn ihre Organisation
den Normen nicht der räumlichen, sondern der klimatischen
Analogie sich unterordnet oder im System überhaupt eine unvermittelte
Stellung einnimmt. Gleich andern Archipelen oder vielleicht
in höherem Grade, als irgend ein anderer , ist Westindien
durch eine Reihe von Monotypen ausgezeiclinet, die unabhängig von
den wechselnden Ansichten der Systematik in jedem Pflanzensystem
unverändert ihren Platz finden müssen, so dass nicht ihre Selbstän-
Systematisclier Charakter der Flora. 357
. i'i
digkeit, sondern ihre Stellung zu andern Gruppen Zweifel und
Schwierigkeiten hervorruft 3«). In einigen Fällen sind sie Verbindungsglieder
zwischen zwei natürlichen Familien, so dass deren
Grenzlinie dadurch verwischt wird (z.B. Caneila zwischen den Bixineen
und Guttiferen, Picrodendron zwischen den Juglandeen nnd Rutaceen,
T/ieophrQsta zwischen den Sapoteen und Myrsineen, Belloma
zwischen den Gesneriaceen und Solaneen).
Die endemischen Gattungen vertheilen sich unter etwa 40 meist
dikotyledonische Familien: beinahe die Hälfte derselben gehört zu
den Leguminosen (11), Synanthereen (10), Euphorbiaceen (9), Rubiaceen
(9) und Melastomaceen (5). Endemische Arten kommen m
118 Familien vor. Die Holzgewächse sind unter ihnen überwiegend
vertreten, selten bemerkt man einjährige Pflanzen, was Hooker 22)
zu den Eigenthümlichkeiten oceanischer Archipele zählt. Beides
aber erklärt sich wohl daraus, dass die ersteren auf fremdem Boden
überhaupt schwerer zur Entwicklung gelangen, die letzteren hingegen
sich am leichtesten ansiedeln, weil sie nur kurze Zeit den
Boden einnehmen und, um zu bestehen, um so reichlicher sich besamen
müssen. Es ist ein Ausnahmsfall, dass manche in grossen
Beständen wachsende Bäume über die nördlichen gemässigten Breiten
sich weithin ausgebreitet haben. In den übrigen Zonen sind auch
auf dem Festlande die Wohngebiete der Holzgewächse am kleinsten,
einjährige Pflanzen hingegen auch hier nur selten in ihrer ursprünglichen
Heimath zurückgehalten.
Zwölf Familien umfassen die grössere Hälfte der westindischen
Phanerogamen 39) : den drei grössten, den Leguminosen, Orchideen
und Rubiaceen stehen die Farne etwa gleich. Der amerikanische
Charakter der Flora zeigt sich zuvörderst in den diesem Kontinent
eigenthümlichen Familien der Cacteen und Bromeliaceen, sodann in
der Zunahme der Melastomaceen, Solaneen nnd Palmen. Mit Venezuela
und Guiana, als den am nächsten verwandten Floren des Festlandes,
verglichen, ergiebt sich für Westindien als charakteristisch,
dass die Synanthereen, Euphorbiaceen und Urticeen in der Richtung
vom Aequator zum nördlichen Wendekreise vermehrt sind.
' .i'
t