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I6(: IX. Kiilalüiri.
die aucli im Süden des Gariep, in den feuchteren Fiusstliälern der
östliclieu Kapkolonie, allgemein verbreitet ist. Sie tragen sämmtlich
Dornen, die bei der letztgenannten Art 2 bis 3 Zoll lang sind:
mit der Ausbildung der stechenden Organe uiid mit der Trockenheit
des Erdreichs steht es in Verhältniss, dass die Gliederungen des
Laubs beschränkt und die Blattflächen klein bleiben. Obgleicli nun
die Wälde]- der Kalahari in fortschreitender Abnahme begriffen
sein sollen, so mnss man doch fragen, wie es möglich ist, dass
ein so zartes und empfindliches Gebilde, wie das Acacienblatt, in
einem so trockenen Klima überliaupt bestehen, ja sogar die langen
Zeiträume der Kegenlosigkeit hindurch sich erhalten kann. Denn
weder die Gesträuche noch die Bäume sind mit wenigen Ausnahmen
in irgend einer Jahrszeit völlig laublos 2«). Von grossem Einfluss ist
gewiss die geringe Zahl und Grösse der Blätter, die daher nur wenig
Wasser bedürfen, und damit stimmt das langsame Wachsthum überein,
worauf nach der Härte und Schwere des Holzes bei der Giraifen-
Acacie^i) „„d anderen Bäumen zu schliessen ist. Im Damara-Lande
wo die Baumgruppen häufiger sind, als im Osten, ist doch kaum
irgendwo ein schattiger Platz 22] finden. So wenig leisten die
Laubkronen der Acacien, die Sonnenstrahlen zurückzuhalten die
zwischen ihren feinen Blättchen und Aesten den Erdboden fast ungehindert
erreichen können. Bei trockener Luft sollen sich die
Blätter der Acacien in der Mittagshitze schliessen 23), wie des Nachts
aber sie verschrumpfen nicht und müssen also eine Kraft besitzen'
die ungeachtet ihrer Zartheit den Saftverlust durch Verdunstung verhindert.
Und diese Kraft muss bei verschiedenen Arten ungleich
sein, weil eine derselben .sich nur da findet, wo das Grundwasser
von den Wurzeln erreicht werden kann, was bei den übrigen nicht
der Fall ist, denen daher nur in langen Zwischenräumen die Feuchtigkeit
erneuert wird. Gewöhnlich erkennt man die Fähigkeit der
Pflanzen, den Saft zurückzuhalten, an der Beschaffenheit der Oberhaut.
Aber nothwendig ist dieses nicht, da auch die Bewegungen
von Flüssigkeiten im Innern der Gewächse oft an bestimmte und
zarte Gewebe gebunden sind, ohne in die benachbarten überzugehen
So ist auch das Ausströmen des Wasserdampfs aus den Blättern
nicht bloss als ein physischer Process, wie die Verdunstung freier
Wasserflächen, aufzufassen, sondern auch hier darf man die Mit-
Andere Laubhölzer. — Pflaxizenformen der offenen Landstrecken. 167
Wirkung der Membranen nicht bezweifeln. Die Verschiedenheiten der
Membranen sind nicht immer sinnlich wahrnehmbar , oder die Zurückhaltung
des Safts mag auch in solchen Fällen von der Mischung des
Safts selbst abhängig sein. Haben wir doch ein ähnliches Beispiel an
den HalophyteUj wo der Salzgehalt die Verdunstung des Safts beschränkt.
Aelmliche Wirkungen wird das Gummi der Acacien haben,
ohne dass darum^ wie dort, das Gewebe succulent zu werden brauchte.
Bei den wenigen übrigen Baumformen der Kalahari findet sich
dagegen meist die. verdickte Oberhaut des immergrünen Laubes wieder,
die in trockenen Klimaten so gewöhnlich ist. Durch einzelne
Arten, aber in weiter Verbreitung, Avird hier vom Kaplande aus die
Oliven- und die Lorbeerformvertreten. Eigenthümlicher aber
ist der Mopane-Baum, eine Bauhinia, deren dunkelgrünes Zwillingsblatt
die Ränder nach aufwärts gegen die Sonne wendet , wodurch
sie an die schattenlosen Wälder Australiens erinnert. Diese so einfache
und im Wachsthum so leicht zu bewirkende Wendung der
gegen die Hitze empfindlichsten Organe ist augenscheinlich das ausreichende
Mittel, die Sonnengluth von dem Baume abzuhalten und
dadurch die Verdunstung zu mässigen, indem den versengenden
Strahlen eine möglichst kleine Oberfläche dargeboten wird. Und
gerade ein solcher Wald, so licht und heiss er sein mochte, wurde
von Andersson^*^) als ein unverhoffter Ort der Erfrischung unter
den Mühsalen des Wegs mit Entzücken begrüsst, weil er hier zum
ersten Male in diesem traurigen Lande schön belaubte Baumkronen
und schlanke Stämme ohne Dornen erblickte. Selbst der gleichgültige
Gesichtsausdruck seiner eingebornen Begleiter schien hier den gewohnten
Stumpfsinn zu verlieren und Freude an der Natur zu verrathen.
Die Dornen, die das Damara-Land verunzieren und dem
Reisenden die grösste Beschwerde verursachen, sind eben ein
Zeichen gehemmter Blattbildung, und das schön geformte Bauhinienlaub
bedarf dieses Schutzmittels gegen die Sonnenstrahlen nicht, weil
ihm ein anderes, nicht minder wirksames zu Theil ward.
Li der ofi'enen Wüste verschwinden die Holzgewächse, aber,
wiewohl hier das Grundwasser nur an weit entlegenen Punkten zu
erreichen ist^ fehlt es doch an Futter für weidende Thiere keineswegs.
Die Menge von Gras, sagt Livings tone, ist überraschend,
und indem es nach der Weise der Steppengräser in einzelnen Büscheln
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