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464 XXI. Pampasgebiet.
traf. In grossen, fast wagerechten Ebenen, die mit ihrem gleichartigen
Sediment langsam aus dem Meere hervorgestiegen sind, fehlt
jeder örtliche Unterschied in den Standorten, in der Mischung und
Feuchtigkeit der Erdkrume, wodurch eben sonst die einzelnen Pflanzen
sich von einander unabhängig erhalten, indem jede sich da behauptet,
wo sie den angemessensten Boden findet. . Wie nach einer früher
mitgetheilten Beobachtung bei der künstlichen Berieselung einer
Wiese, wo Alles geebnet und gleichmässig befeuchtet wird, der Graswuchs
sich so vereinfachen kann, dass der Rasen zuletzt nur noch
aus einer einzigen Art besteht, so wurde durch die natürliche Bildungsgeschichte
der Pampas die Geselligkeit einiger wenigen Gewächse
und besonders der Gräser in solchem Grade befördert, dass
für die Erhaltung oder Ansiedelung anderer Arten kein Raum mehr
übrig blieb. Allein hierdurch wird kein Aufschluss darüber gegeben,
dass dieselben Formationen, welche, weil sie besser zum Klima und
Boden, ihrer Heimath passten, die Vegetation der Nachbarländer zurückwiesen,
vor der Einwanderung aus ähnlichen Klimaten ferner
Erdtheile sich nicht zu schützen vermochten und von dieser immer
mehr verdrängt werden. Denn nicht bloss ist dies mit jenen Disteln
der Fall, vor denen die einheimische Flora in so weitem Umfange
zurückgewichen ist, sondern auch da, wo die Physiognomie der
Landschaft unverändert scheint, erblickt man Gräser und Kräuter
europäischen Ursprungs^), durch welche der Bestand der Vegetation
unter dem Einflüsse der Kolonisation ein anderer geworden ist. Die
Armuth der Vegetationscentren scheint mit der Schwäche ihrer Widerstandskraft
im Verhältniss zu stehen, and, wenn man sieht, wie
"so manche Erzeugnisse der Chanarsteppe auch in Chile, einige in
Brasilien vorkommen, möchte man geneigt sein zu zweifeln, ob den
Pampas überhaupt ein endemischer Charakter zukomme und, was
ihnen eigenthümlich scheint, nicht in früherer Zeit ebenfalls von auswärts
auf sie übergegangen sei. Noch ist die Systematik der argentinischen
Flora und das Wohngebiet ihrer anscheinend doch endemischen
Arten und Gattungen zu ungenügend erforscht worden, um
diese Frage mit völliger Sicherheit beantworten zu können. Aber
so viel kann man wenigstens als festgestellt ansehen, dass die weiten
Tertiärgebilde und ihre Alluvionen nur eine geringe Zahl eigenthümliclier
Gewächse hervorgebracht haben, dass ihre Flora in dieser
Charakter der Vegetationscentren. 465
Hinsicht mit der schöpferischen Kraft des Kaplandes und Australiens
nicht enfernt verglichen werden kann, wo das Klima wenig oder gar
nicht bevorzugt ist, der Boden aber mannigfaltigere Standorte bietet
und seit einer viel älteren geologischen Zeit als Festland bestanden
zu haben scheint.
Nur wenige Pflanzensammlungen sind aus dem Pampasgebiet
bis jetzt nach Europa gelangt, und auch diese wurden nur sehr lückenhaft
bearbeitetes). Wenn man auch den nur hier beobachteten Arten
die nicht endemischen und angesiedelten hinzufügt, wird ihre Anzahl
schwerlich auf mehr als 1000 zu schätzen sein. St. Hilaire sammelte
während der besten Jahrszeit in Uruguay und brachte nur ungefähr
500 Arten zusammen7). Er bemerkt, dass von diesen nur 15 zu
nicht europäischen Familien gehören, die aber grösstentheils auch in
Nordamerika anzutreffen sind. Gegen die Meinung, dass die Flora
näher mit der europäischen, als mit den übrigen der Südhemisphäre
verwandt sei, trat Bunbury aufii), der das Land selbst besucht und
eine der vollständigsten Sammlungen (die von Fox) benutzt hat. Er
führte an, dass einige Familien (die Solaneen, Verbenaceen, Amarantaceen,
vielleicht auch die Malvaceen) hier stark, in Europa
schwach vertreten sind, dass einige der bei uns vorherrschenden ganz
fehlen, und dass unter den nicht europäischen Gattungen (über 100)
einige durch die Anzahl ihrer Arten oder durch die Geselligkeit ihrer
Individuen einen bedeutenden Bestandtheil der Vegetation ausmachen.
Wenn man indessen die argentinische Flora nicht mit Europa, sondern
mit Nordamerika vergleicht, so verlieren diese Einwürfe ihr
Gewicht, und es gilt für die Pampas, wie für Chile, dass unter entsprechenden
Breiten eine weit grössere Analogie mit der nördlichen,
als mit den nicht amerikanischen Gebieten der südlichen Hemisphäre
besteht. Die systematische Uebereinstimmung ist sogar noch grösser
als in Chile, wo einige Fälle räumlicher Verwandtschaft mit den
gegenüberliegenden pacifischen Küsten vorkommen, während die
Pampas mit der Kapflora nichts gemein haben. Bunbury zählt 12
nicht europäische Familien auf 29) ^ von denen die meisten in den
Platastaaten doch nur einzelne Arten enthalten, und unter diesen ist
die kleine Gruppe der Calycereen die einzige, die der nordamerikanischen
Flora abgeht. In der grössten Familie, den Synanthereen,
ist die argentinische Flora sogar den Prairieen ähnlicher, als der
Gr i s e b ach, Vegetation der Erde. II.
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