
280 XIII. Prairieengebiet.
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liehen Staaten des Waldgebiets entsprechen, in einigen Fällen aber
auch an mexikanische Formen sich anschliessen. Mit diesen texanischen
Prairieen und ihren Chaparals wechseln zuweilen die in den
Gegenden des unteren Rio del Norte als Post-oak-Land bezeichneten
Eichenwälder 12), deren herrschende Arten von denen der Golf-
Staaten nicht verschieden sind (Q. u. siella(a). Diese doch
immer nur waldarmen Terrassen des texanischen Tieflandes bilden
daher bis zum Wendekreise ejn Uebergangsgebiet zwischen den drei
Nachbarfloren mit einem gewissen Grade der Selbständigkeit wo der
Baumwuchs, als eine Wirkung zweimaliger Regenperioden, in die
Ebene der Prairieen eintritt. Mit dem Februar nämlich beginnt hier
die EntWickelung der Pflanzen, ein Frühling, dessen Niederschläge
bis zum Mai oder Juni den Boden befeuchten ; dann folgt die trockene
Jahrszeit, der mit dem September die Herbstregen folgen, welche
die Vegetation aufs Neue in Trieb setzen und manchen einjährigen
Gewächsen eine holzige Beschaffenheit des Stengels verleihen. Das
Khma von Texas erinnert demnach an Südeuropa, ohne dass jedoch
die atmosphärischen Bedingungen der beiden Vegetationsepochen dieselben
wären.
Die bis jetzt weniger bekannte Flora des Tieflands vonSonora^)
welche ostwärts durch die Sierra Madre begrenzt wird, ist ebenfall^
durch ein feuchteres Klima bevorzugt, durch welches hier sogar die
Chaparals verdrängt werden. Statt dieser Gesträuche ist die Abdachung
des inneren Landes mit einer dichten Decke reinen Graswuchses
bekleidet, während auf den Höhen Nadelwälder, an ihren
Abhängen Gebüsche und Baumgruppen von immergrünen Eichen
auftreten. Auffallender ist, dass in der Nähe des Meers die nackte
Steppe mit ihren dornigen Sträuchern wieder erscheint, hier also das
Khma wieder trockener wird, wie auf der gegenüber liegenden kalifornischen
Halbinsel, unstreitig, weil die Seewinde erst, indem sie
zu den Höhen der Sierra Madre hinaufwehen, ihre Feuchtigkeit abgeben.
Haben wir bisher aus der Vertheilung und dem Masse der
Niederschläge die Gliederung der Prairieflora fast ausschliesslich
ableiten und hiernach ihre klimatische Vergleichung mit den asiatischen
Steppen begründen können, so ist nun noch die Frage aufzuwerfen,
in wiefern auch in der Temperaturkurve eigenthümliche
Temperatur. 281
Cliarakterztige gegeben sind. Man kann im Allgemeinen in Nordamerika
wohl ein weniger kontinentales Klima erwarten ^ als in
Asien , theils wegen der geringeren Grösse des Festlandes, theils
weil die westlichen Luftströmungen in höherem Grade tiberwiegen.
Es fehlt hier der grosse Aspirationsraum, welcher in der alten Welt
von der Sahara und Arabien aus auf die nordöstlich gelegenen Gegenden
einwirkt und in der wärmeren Jahrszeit den Schauplatz der
Polarwinde zu höheren Breiten erweitert. Zwar ist es nicht die
Richtung der herrschenden Luftströmungen an sich, sondern die
Heiterkeit des Himmels, wodurch die Temperaturgegensätze des
kontinentalen Klimas bedingt werden, aber es liegt doch ein grosser
Unterschied darin, dass die Prairieen dem stillen Meere so viel näher
gerückt sind, als die asiatischen Steppen dem atlantischen, und eben
von dorther häufiger ihre. Luftschichten erneuern. Diesen Voraussetzungen
entsprechen nun auch die Beobachtungen. Das Seeklima,
dessen Charakter in der Östlichen Hemisphäre durch das Festland
Europas bis zum Ural bemerklich war, umfasst in Nordamerika das
ganze Prairieengebiet: kontinentale Gegensätze der Jahrszeiten, wie
sie in den asiatischen Steppen und in Sibirien vorkommen, finden
sich hier erst im Waldgebiete, in der Nähe des Polarkreises, und so
grosse Extreme der Temperatur, wie dort, werden auch hier nicht
erreicht. Dem Winter und Sommer der nördlichsten Prairieen am
Missouri entsprechen im Steppengebiet die Hochebenen von Armenien,
nach dem Verhältniss der Jahrszeiten ist die Hochebene von
Neu-Mexiko mit Ungarn, das Tiefland von Texas mit Syrien zu vergleichen.
Allein diese Vorzüge des Prairieenklimas werden durch
die das ganze Jahr hindurch anhaltenden Schwankungen der Temperaturkurve
gemindert, die im Norden, wie im Süden, auf den
Hochebenen, wie an der Abdachung zum kalifornischen Meerbusen
auch in der warmen Jahrszeit häufig mehr als 10 Grad betragen,
und denen die Organisation der einheimischen Gewächse daher beständig
ausgesetzt ist. Dieser plötzliche Wechsel von Frost und
Hitze erreicht hier einen noch höheren Grad, als im Waldgebiet,
weil zu den Bedingungen, die aus der engeren klimatischen Gliederung
des Festlandes entspringen, hier noch die Heiterkeit des Himmels
hinzutritt, wodurch der Gegensatz der Insolation des Tages und
der nächtlichen Ausstrahlung erhöht wird.
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