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230 XI. Australien.
geblieben. Betrachtet man jedes' derselben als eine Gruppe von
Vegetationscentren, so ist die ungleiche Vertheilung höchst auffallend.
Der Raum, wo die Sammlungen aus den südwestlichen Kolonieen
zusammengebracht wurden, kann nicht wohl grösser als zu
1000 g. Quadratmeilen geschätzt we rde n 25). Zwanzigfach so gross
ist der Umfang des südöstlichen Gebiets, indem der grösste Theil
von Neusüdwales, Victoria und Tasmanien botanisch untersucht
worden ist. Und das tropische Australieu ist mit Einschluss der
wasserlosen und unbekannten Theile des Kontinents beinahe sechsmal
grösser als der Südosten. Nach der Ergiebigkeit ihrer Vegetationscentren
würden sich die drei Gebiete wie 18:15:11, nach ihrer
Grösse wie 1 : 20 :119 verhalten. Wenn man den Ort, wo das erste
Individuum einer bestimmten Pflanze entstanden gedacht wird, als
ihr Centrum bezeichnet, so könnte man die Anordnung dieser Punkte
mit der Vertheilung der Sterne vergleichen, die in gewissen Regionen
des Firmaments dicht gedrängt erscheinen, in anderen weite, dunkle
Räume übrig lassen. An sich hat diese räthselhafte Ungleichheit
indessen nichts den Erfahrungen aus anderen Ländern Widersprechendes:
denn wie wir endemische und nicht endemische Inseln
unterscheiden müssen, so ist auch auf den Kontinenten eine nicht
minder regellose Anordnung der Vegetationscentren zu erwarten.
Allein je weniger sich hiebei klimatische oder andere physische Bedingungen
erkennen lassen, die noch heutzutage wirksam sind, so
findet man sich in jedem solchen Falle um so stärker aufgefordert,
nach geologischen Ursachen zu forschen.
Australien besteht aus einem centralen, nach Süden am Spencer's
Golf geöffneten Tief lande und aus einem breiten Wall älterer
Gesteine, welcher dieses mittlere Gebiet von den übrigen Seiten halbkreisförmig
einschliesst. In dem centralen Depressionsgebiete Südaustraliens
werden allgemein die Ueberrestc lebender oceanischer
xMollusken angetroffen 9). Dieser Theil des Kontinents ist also erst
in der jetzigen Erdperiode gehoben, und ebenso sind auch hier keine
Vegetationscentren nachgewiesen, sondern die Pflanzen erscheinen
als von auswärts eingewandert. Aus dem Charakter der Vegetation
darf man schliessen, dass sich hier aus den Nachbarländern nur einzelne
Gewächse ansiedelten und zwar solche, die sich am leichtesten
verbreiten und nun auf dem neu entstandenen Boden ihr Gedeihen
Ergiebigkeit der Centren. 231
fanden. In der Sammlung, welche von der ersten Stuart sehen Expedition
aus dem Innern von Südaustralien herrührt, bemerkte
F. Müller 2«) kaum irgend eine Art, die den dichten Scrubformationen
eigen ist. Epacrideen fehlten ganz, Proteaceen waren spärlich,
ebenso die Myrtaceen: allein so klein auch die Artenzahl aus dieser
letzteren Familie sich zeigte, so bestand doch der grösste Theil der
Bäume auch hier aus Eukalypten. Dieses centrale Gebiet muss also
ein mächtiges Hinderniss für die Vermischung der östlichen und westlichen
Vegetationscentren in den gemässigten Breiten Australiens
bilden, während an der tropischen Nordküste ein solches nicht besteht.
Und wenn auch Klima und Boden einen bedeutenden Antheil
an der abgesonderten Stellung des centralen Depressionsgebiets haben,
so ist doch die späte Trockenlegung desselben ebenfalls nicht gering
anzuschlagen.
Solche geologische Aufschlüsse aber suchen wir in den reicheren
Gegenden Australiens vergebens. Dieselben bestehen in verhältnissmässig
grosser Einförmigkeit theils aus granitischen oder anderen
krystallinischen Gesteinen , theils aus sedimentären Bildungen, und
von den letzteren glaubte man früher, dass sie fast nur die Periode
von der silurischen Zeit bis zur Steinkohle umfassen. Hierauf gründete
Hochstetter eine Hypothese, um die Organisationsnormen der
australischen Flora zu erklären 27). Indem er die Tertiärablagerungen
für sehr unbedeutend und beschränkt hielt, erklärte er
Australien für den ältesten Kontinent der Erde und meinte, dass
der Charakter der Fauna und Flora mit den fossilen Resten aus. dem
Jura oder überhaupt aus der Sekundärzeit übereinstimme und, in
dieser Periode geschaffen, sich seitdem unverändert fortgepflanzt
habe. Diese Hypothese wird durch die neueren Forschungen über
die Geologie Australiens widerlegt. Die umfassenden Untersuchungen
Selwyn's^S) ergeben, dass zwei Drittel der Oberfläche von Victoria
aus tertiären Bildungen bestehen. Ferner fand Hargraves,
dass die inneren, granitischen Ebenen von Swan Eiver von einem
»weissen, kreideartig aussehenden Sedimentärgestein mit Salzinkrustationen
« bedeckt sind. Wenigstens der südliche Theil der ümwallung
des Kontinents hat sich also viel später , als Hochstetter
annahm, unter dem Spiegel des Meers befunden, und die Vegetationscentren
Victorias begannen erst ihre Thätigkeit, als die Tertiärr
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