
28 VI. Indisches Monsunfirebiet. Epipliyten. — Loranthusform. 29
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tungen enthalten. Noch grösser ist die Reihe der Familien, die,
ohne in gleichem Grade zu verholzen, doch in ähnlicher Weise, jedoch
oft weniger hoch sich emporschlingen. Einige bestehen fast
nur aus solchen Formen, wie die Convolvulaceen, Cucurbitaceen,
Asclepiadeen und Dioscoreen; auch bei den Apocyneen sind sie
häufig. In anderen Gruppen finden wir einzelne Gattungen von
diesem Wuchs, z.B. bei den Aroideen [Scindapsus], Laurineen
{Cassijta], Gentianeen [Craiofurdia] ^ bei Cardiopteris'^^), bei den
Farnen [Lijgodium, Mertensia).
Epiphyten werden alle diejenigen Pflanzen genannt, die nicht
im Erdboden, sondern auf anderen Gewächsen, jedoch ohne sie zu
umranken, befestigt sind. Auch ihnen dienen die Stämme und
Kronen der Bäume zur Stütze, die, je mehr deren Axen von der
senkrechten Richtung abweichen, und je häufiger durch Auswüchse,
durch die Ueberreste abgestorbener Zweige und Blätter oder durch
Unebenheit der Rinde geeignete Standpunkte sich darbieten, um so
reicher mit dem Teppich fremdartiger Organisationen geschmückt
sind, deren Mannigfaltigkeit die der Lianen noch weit übertrifft.
Unter der grünen Decke von wuchernden Epiphyten ist die Rinde,
die sie bekleiden, oft völlig verborgen 28), die Zwischenräume zwischen
den grösseren Formen werden durch kleine Farne und Moose
dann völlig ausgefüllt. Man kann vielleicht behaupten, dass fast
alle Schattengewächse des Jungle, um dem Waldesdunkel zu entfliehen
, auf diesen organischen Stützen ebenso wohl, als auf dem
unorganischen Erdboden sich entwickeln können. Nur gewisse
Formen von Epiphyten sind wirkliche Parasiten, die den Saft aus
der Mutterpflanze aufsaugen. Die meisten sind zu ihrer Ernährung
ebenso, wie die selbständig im Boden wurzelnden Pflanzen, auf ein
unorganisches Substrat, welches die Niederschläge des Waldes auffängt,
oder auf diese selbst unmittelbar angewiesen, sie können daher
ihren Befestigungsort nach Massgabe der äusseren Umgebungen
wechseln. Das Mittel, auch dann, wenn sie, vom Boden entfernt
epiphytisch wachsen, die Feuchtigkeit aus demselben an sich zu
ziehen, gewähren in vielen Fällen ihre Luftwurzeln. Andere Epiphyten
finden genügende Zufuhr in den unbedeutenden Mengen von
unorganischen Stoffen, welche der Wind auf denAbsätzen der Stämme
sammelt, und welche die verwesende Rinde, das Moos, sowie abfallende
Blätter mit Humus befruchten, während sie der Regen feucht erhält.
Wie eine Fichte auf felsigem Grunde mit wenig lockerem Erdreich
sich begnügen kann, so sieht man im Jungle gewaltige Farnwedel,
grossblättrige Stauden, Sträucher mit dichter Belaubung auf den
stützenden Bäumen thronen, die zu ihrer Befestigung und Ernährung
nur wenig leisten können. Dass aber dies Wenige doch genügend
sei, dass Beleuchtung und Luft ihnen mehr zu Statten komme, als
der Boden, in dem sie wurzeln, erkennt man daran, dass die säulenförmigen
Stämme der Rasamalabäume mit ihrer glatten Rinde und
dichten Krone von Epiphyten frei bleiben und wegen der Grösse
ihres Umfangs selbst die Lianen meist zurückweisen.
Von einer bestimmten Vegetationsform der Epiphyten kann insofern
nicht die Rede sein, als der Ort, wo die Schattengewächse
befestigt sind, dem gesetzlosen Zufall überlassen ist. Die Keimung
der verschiedensten Pflanzen findet eben da statt, wo die Feuchtigkeit
sich sammelt, und wo die Wurzeln haften können. Unter den
Epiphyten, die am bedeutendsten in der Physiognomie des Waldes
hervortreten, sieht man im indischen Archipel Sträucher der Oleanderform,
Ericeen [Rhododendron], Melastomaceen, Solaneen [Solanum),
Urticeen [Ficus] mit zarteren Stauden gemischt (z. B. der Cyrtandracee
Aeschjnanthiis) , neben den grossblätterigen Rosetten der
Aroideen [Pathos], der Scitamineen, und alle diese Formen treten an
Häufigkeit der Individuen wiederum zurück gegen die Massen von
Farnkräutern und lassen einer unerschöpflichen Blüthenverzierung
durch atmosphärische Orchideen freien Spielraum. Aber die Knollen
dieser Orchideen haften ebenso wohl auf dem Fels, wie auf den
Bäumen, und dieselben Rhododendren [Rh. javanicum], die in dem
Waldesdunkel auf Bäumen wachsen, wurzeln ebenso häufig im Boden
als Unterholzes). Zwischen den weitesten Niveaugrenzen in Java
gedeihend (2000—10000 Fuss ^2)] verlassen die Rhododendren im
höheren Gebirge, wo der Jungle niedriger wird und sich lichtet, den
Stützpunkt der Baumstämme und rufen mit anderen Ericeensträuchern
die Gebüsche der Alpenrosen in die Erinnerung [Rh. retusum,
Agapetes).
Nur zwei Vegetationsformen müssen von den übrigen Epiphyten,
die für die Physiognomie der Tropenwälder von Bedeutung sind,
wegen ihrer besonderen Lebensbedingungen ausgeschieden werden,
V.