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442 XX. Flora dor tropischen Andón Siidíinierikas.
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ganzen Pnna Boliviens die häufigsten und am weitesten verbreiteten
Gewächse: der Tola-Strauch bewolint auf den Anden Südamerikas
einen uuermesslichen Raum bis zu den Gebirgen der Plata-Staaten
und die sogenannte Sumpfbalsam-Staude, eine in Halbkiigeln ihren
Rasen gestaltende und dicht in winzige Blattschuppen eingehüllte
Umbellifere {Azorella s. Bolax glebaria) erstreckt ihren Wohnbezirk
bis zum Feuerlande und zu den Falklands-Inseln. Fast alle geselligen
Pflanzen dieser Region sind ohne Nahrungswerth, das Ichu-
Gras so wenig, wie die Thyrsa der russischen Steppe, mit welcher
es zur gleichen Gramineen-Gattung gehört und das Wachsthum in
abgesonderten Rasenbüscheln gemein hat. Nur durch die Bäche,
die an ihrem Ufern einige bessere Grasplätze hervorrufen, aber nach
kurzem Lanfe im Sande zu vei^siegen pflegen, wird die breite Gebirgssteppe
mit Lastthieren überschreitbar. Auch kommen kleinere
Oasen vor, wozu auch die mit dem geselligen Tola-Strauch bewachsenen
zu zählen sind, aber nach Tschndi's Schätzung nehmen dieselben
in der Wüste Atacama nur etwa den fünfundzwanzigsten
Theil der Oberfläche ein.
In die öde Puna-Region schneidet, von Osten her die Kordillere
durchbrechend, die östliche Sierra (Sierra oriehtal, 7 500 bis
10200 Fuss) ein, die, ausweiten, offenen Flussthälern, den bevölkcrtsten
Perus, bestehend, durch felsige Abhänge von der Hochebene
abgesondert wird. Sie gleicht der westlichen Sierra in ihren Erzeugnissen
und hat ein ähnliches Klima, aber eine regelmässigere Regenzeit
im Sommer, die vom Oktober bis Februar anhält. Die Abhänge
sind jedoch auch hier waldentblösst, nur ist der Banmwnchs weniger
selten, die Flussufer werden gewöhnlich von 20 Fuss hohen
Gehölzen der Uferweide umsäumt. Auch diese Region erzeugt an
Cacteen einen Ueberfluss, und ebenso von Dornsträuchern, die zum
Theil ganz blattlos sind [Colletia). Mais wird gebaut neben den Pflanzungen
europäischer Obstbäume, aber in heissen, windgeschützten
Thalschluchten gedeihen auch die Früchte Südeuropas, der Pfirsich
zuweilen noch im Niveau von 10000 Fuss. Nach abwärts geht in
den Thälern die Sierra unmittelbar in die Waldregionen über, von
denen sie übrigens durch den alpinen Kamm der östlichen Kordillel'e
getrennt ist.
Die Cinchonen-Region Perus [Ceja de la montana, 4 700 bis
Oestliche Sierra. — Ciiichoiren rcgU)!!. 413
7500 Fuss) ist als einziger Waldgürtel des gemässigten Höhenklimas
von den juit Ericeensträuchern bewachsenen, alpinen Abhängen der
östlichen Kordillere zwar bestimmt abgesondert, aber doch wird auch
hier die Baumgrenze durch den allmäligen Weclisel der Formen und
dui^ch verminderte Höhe der Stämme verwischt. Niedrige, moosbedeckte
Bäume beginnen im Gesträuch schon bei 9000 Fuss sich zu
zeigen, sie nehmen, je weiter man hinabsteigt, an Grösse und Stärke
zu; zugleich treten am obern Saume des Waldes die Thibaudien an
die Stelle der kleineren Vaccinien und anderer Ericeen der alpinen
Region. Die Ceja besteht aus schroffen Thälern zwischen schmalen,
bewaldeten Bergrücken : diese Gliederung der Oberfläche befördert
den Austausch der Arten und bedingt nebst dem Wechsel von Fels
und Humus das höhere oder niedrigere Wachsthum der Holzgewächse.
Aber auch das Klima kommt hierbei in Betracht, sofern es
zwar den Baumwuchs nicht hindert, aber doch die Höhe der Stämme
zu beeinträchtigen seheint, -die in einer wärmeren Luft sich energischer
in die Länge zu strecken pflegen, in kälteren Klimaten hingegen
die besser geschützten Seitenknospen reichlicher entwickeln
und zu schattenden Zweigen ausbilden. In beiden Regionen, der des
Cinchonenwalds'und der Ericeensträucher, ist die Wirkung der Sonnenstrahlen
gehindert, es ist der Schauplatz der stärksten Verdichtung
der Passatdämpfe. So wird das Klima nasskalt und rauh, weil
der Himmel stets umwölkt ist und die Mittagssonne nicht eindringt.
Ohne Unterschied der Jahrszeit bilden sich des Abends dichte Nebel,
die während der Nacht über dem Walde ruhen und die der Wind
den Tag über vor sich hertreibt. Diese Nebel steigen abwärts bis
6000 Fuss und lösen sich oft in gewaltigen Regengüssen. Cerealien
können in einer Region, der die direkte Sonnenwärme abgeht, nicht
gebaut werden: nur die Kartoffel gedeiht, wie im ähnlichen Klima
von Chiloe.
Der Cinchonenwald trägt, entsprechend seiner intensiven Befeuchtung,
noch den tropischen Charakter dichten Wachsthums und
gemischter Baumarten. Die niedrigen Stämme^ oft wie Krummholz
gebogen oder durch Luftwurzeln gestützt, verwirren sich zu undurchdringlichen
Massen ; sie sind von Lianen umwunden, ihre Aeste
mit epiphytischen Orchideen und Bromeliaceen geschmückt, wie in
der heissen Region, aber von Palmen wird doch nur die eine Art er-
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