
14 VI. Indisches Monsungebiet, Kotangpalmen. — Bambusen. 15
Nipa-Palme {N. fruticans), die ihre unterirdischen Organe in den
Schlammboden der Küste streckt und ihren Stamm nur selten einige
Fuss hoch über denselben erhebt, bildet durch ihr geselliges Vorkommen
und vermöge ihrer gewaltigenLaubrosette von 15—30 Fuss
langen Fiederblättern eine der ausgezeichnetsten Formationen des
indischen Archipels, ein üfergebüsch an der Binnenseite des Mangrovewalds.
In diesen von den Wogen des Meers erreichten Sumpfen
würde sie die Last so grosser Blätter nicht sicher zu tragen im Stande
sein, wenn sie nicht ihren Stamm, gleichsam wie einen Anker, so
tief in den Schlamm versenkte. Auch die der Zwergpalmenform
verwandte, ^^an der grösseren Starrheit des zu schmalen Fiedersegmenten
gespaltenen Laubes leicht erkennbaren Cycadeen (z. B.
Cycas circinalis) wachsen vorzugsweise an den Aequatorialküsten, in
langsamem Wachsthum erheben sie sich indessen nicht selten zu beträchtlicher
Stammhöhe.
Die Palmlianen werden nach einer hindostanischen Art [Cahmus
Rotang) unter der Bezeichnung Rotangpalmen zusammengefasst. Sie
unterscheiden sich von den hochstämmigen Palmen nicht bloss dadurch,
dass sie als holzige Schlinggewächse auf die Bäume des
Jungle sich stützen und an denselben hoch emporsteigen, sondern
auch durch die Entwickelung der Glieder des Stamms zwischen den
Fiederblättern, so dass diese ihn in gewissen Abständen der Länge
nach belauben. Eine länger da^uernde Erhaltung der Blätter, die
nun vom Gipfel auf die Seitenfläche des Stamms hinabrücken, kommt
auch bei der Zuckerpalme [Arenga saccharifera) vor, aber ihre Ver- '
einzelung durch überwiegendes Längenwachsthum des oft nur fingerdicken
Holzkörpers ist den Rotangpalmen eigen. So erreichen sie,
von Baum zu Baum fortkletternd, eine ausserordentliche Ausdehnung,
und man hat die biegsamen Stämme zuweilen mehrere hiindert Fuss
300 Fuss 12)] weit verfolgen können, ohne ihr Ende zu erreichen.
Oft befestigen sie sich mit dornigen Ranken, in welche ihre Blattstiele
auslaufen, und mit noch viel stärkeren Dornen pflegen die
Scheiden des Laubes besetzt zu sein. Durch diese überall in den
Wäldern des Monsungebiets verbreiteten Rotangpalmen werden im
höherem Masse, als durch die übrigen Lianengeflechte, die indischen
Jungles so unzugänglich; um einzudringen, müssen sie Schritt für
Schritt mit der Axt beseitigt werden. Sie erschweren die Jagd auf
die stärkeren Thierformen, die sie in ihren Schlupfwinkeln sicher
beschützen, in solchem Grade, dass ungeachtet der dichten Bevölkerung
eine Abnahme des Tigers kaum bemerkt wird.
Neben den Palmen zeichnen sich nnter den monokotyledonischen
Holzgewächsen die indischen Bambusen durch eine hohe Mannigfaltigkeit
der Gestaltung und durch ihr noch allgemeineres Vorkommen
aus. Zollinger's Darstellung der javanischen Arten gewährt
einen Ueberblick über ihren verschiedenartigen und doch in den
Hauptzügen übereinstimmenden Wuchs. Es giebt Arten, deren
Stamm über hundert Fuss erreicht (130' hohe wurden gemessen),
die gewöhnliche Grösse beträgt zehn bis fünfzig Fuss. Niedriger
und dichter verflochten sind besonders die dornigen Bambusen, die
fast undurchdringliche Gebüsche bilden. Die Dicke des Stamms
schwankt zwischen einem Fuss und wenigen Millimetern , Die
Farben des Laubes wechseln zwischen reinem Grün nnd matt gelblichen
Tönen. Am längsten werden die als Lianen vegetirenden
Arten (z. B. Binochloa), die demnach in diesem Formenkreise den
Rotangpalmen entsprechen, und deren Aeste mit ihren zarten Blattbüscheln
aus den Baumkronen zierlich herabhängen. Die schlankeren
Formen verjüngen nach oben den durch Kieselgehalt erhärteten
Stamm, der an seinen Knoten mit den kurzen Zweigen und deren
Blattbüscheln der Länge nach besetzt ist. Wie ein gigantisches
Rohr streben sie vom Boden, wo sie rasenartig verbunden sind, nach
aufwärts und neigen sich zuletzt nach allen Seiten in sanftem Bogen,
ihr Laub gegenseitig verschränl^end. Ihr geselliges Zusammenleben,
die dichte Anordnung der Stämme, die im Winde sich berührend ein
leises Geräusch erzeugen, der mit ihren abgestorbenen Blättern bedeckte
Boden schliessen innerhalb des Bambusenjungles jede fremdartige
Vegetation aus. So ausnehmend rasch auch das Wachsthum
der Bambusen bei reichem Wasserzufluss vor sich geht, so dass in
wenig Tagen der Stamm um ganze Fusse gleichsam sichtbar sich verlängern
kann, so ertragen, sie doch den Stillstand trockener Jahrszeiten
und sind daher sowohl im feuchten Walde als in den dürren
Savanen heimisch. In dem trockeneren Klima herrschen indessen
die niedrigeren Gebüschformen, einige Arten werfen sogar ihr Laub
periodisch ab . Die grösste der in Siam einheimischen Bambusen
entwickelt ihre Garbe von 80 bis 100 Fuss hohen Stämmen in dem