
6 VI. Indisches Monsimgebiet. Klimatische Mannigfaltigkeit des Monstingebiets.
von Ava bis Timor gemeinsam, und ebenso sind die Teak-Wälder
[Tectona), welche in der trockenen Jalirszeit ihr Laub verlieren,,
ähnlichen Einflüssen vom centralen Hindostán (Bundelkimd) bis zu
den grossen Sunda-Inseln unterworfen. Die Formen der Eiche und
Fichte [Pinns) hingegen fehlen in ganz Hindostán 4) und verbreiten
sich doch vom Himalaja in ununterbrochenem Znsammenhang über
die hiüterindische Halbinsel, die erstere bis nach Java, die letztere
bis Sumatra und zu den Philippinen. Schroffe Grenzen der Vegetationsgebiete
sind ferner nur da zu finden, wo, wie auf dem westlichen
Kamm der Ghauts, an der Küste von Bombay, das Klima,
plötzlich wechselt 5) , sanfte Uebergänge und Vermischungen der
Flora begegnen uns in der nordindischen Ebene bis zum Fusse des
Himalaja, wo die Regenzeiten in der ßichtung vom Ganges zum
Punjab allmälig an Ergiebigkeit abnehmen 6).
So zeigt uns das Monsungebiet alle Klimate, die innerhalb der
Tropen möglich sind, in einer unregelmässigen Vertheilung, und
nähert sich an seiner Nordgrenze sogar den Verhältnissen der gemässigten
Zone. Denn da die Monsune in Ostindien den Wechsel
der nassen und trockenen Jahrszeiten weit über den nördlichen.
Wendekreis hinaus bis zum Himalaja ausbreiten, so wird zuletzt
auch die Abnahme der Temperatur im Winter allmälig immer bemerklicher.
Hiemit steht die Vermischung der Flora des Punjab
mit Pflanzen des Steppengebiets und die Aufnahme europäischer Gewächse
am indischen Abhang des Himalaja in Zusammenhang.
Im Süden des indischen Archipels, auf der Inselreihe von Java,
bis Timor, finden wir ebenfalls einen allmäligen klimatischen Uebergang
zu der Passatdürre des australischen Kontinents in der Vegetation
ausgesprochen. Auf der Insel Timor sind die gewöhnlichsten
Bäume australische Formen 7) (Eukalypten, Acacien) , und wenn
auch die Arten zum Theil nicht eingewandert sind, sondern endemisch
zu sein scheinen, so entspricht doch ihre Anordnung zu lichten
Gehölzen dem neuholländischen Vegetationscharakter. Diese Erscheinung
wird dadurch um so merkwürdiger, als weiter ostwärts,
die Flora des Monsungebiets von der australischen durch die Torresstrasse
auf das Schroffste geschieden ist §) , obgleich der Abstand
Neu-Guineas von dem gegenüberliegenden Kontinent bei Weitem
geringer ist, als der der Insel Timor, und nur 24 g. Meilen beträgt..
Derselbe Südostmonsum, der, aus dem stillen Meeie wehend, der
Südküste Neu-Guinea die stärksten Niederschläge zuführt, ist im
tropischen Australien ein trockener Landwind, der von den dürren
Landschaften des inneren Kontinents seinen Charakter empfängt und
denselben in Timor noch nicht verloren hat. Da nun der entgegengesetzte
Nordwestmonsun, der Regenmonsnn von Java und Celebes^),
auch noch in Neu-Guinea von Niederschlägen begleitet ist, so gehört
diese Insel zu den feuchtwarmen Tropenländern, wo der Regen von
keiner Jahrszeit völlig ausgeschlossen ist und die ewig grünende
Vegetation kaum einen Stillstand erfährt. Timor wird zwar auch
von dem Regenmonsun Javas getroffen, aber da dieser Nordwestwind
schon auf den vorliegenden Inseln einen Theil seiner Feuchtigkeit
verloren hat, so sind die Niederschläge hier ebenso schwach
und von ebenso kurzer Dauer, wie im tropischen Australien.
Somit ist das Klima von Timor dem australischen ähnlich und
die Bedingungen einer Vermischung beider Florengebiete sind gegeben.
Das Klima der tropischen Südseeinseln hindert auch jenseits
des Bereichs der Monsune die Einwanderung der indischen Gewächse
nicht. Die Marianen gehören noch zum Monsungebiete selbst
Von den Karolinen bis über die Gesellschaftsinseln hinaus bewirken
die Passatwinde an den ihnen ausgesetzten Abhängen durch ihren
Dampfgehalt tropische Waldfülle, oder auch durch ihre Verschiebung
einen Wechsel der Jahrszeiten.
Aus allen Verhältnissen ergiebt sich, dass im Monsungebiet und
über dessen östliche Grenzen hinaus eine geographisch übersichtliche
Darstellung nicht auf das Klima begründet werden kann, sondern
dass wir diesen Theil der Erde als ein Ganzes nur deshalb zusammenfassen,
weil er eine Reihe von asiatischen Vegetationscentren umschliesst,
die ihre ursprünglichen Erzeugnisse theils nach den physischen
Bedingungen, theils nach der Wanderungsfähigkeit der einzelnen
Arten vermischt haben. In Amerika ist die klimatische
Gliederung zugleich eine geographische, welche eine Anzahl von
Vegetationsgebieten von einander absondert: im tropischen Asien
sind Kontinent und Inseln zu sehr durch das Meer zerrissen und in
ihrem Niveau zu unregelmässig gestaltet, um die ursprüngliche
Anordnung der Centren zu bewahren, in Afrika aber ist die