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188 X. Kapflora. Baumformen. — Succulenten. 189
Es ist eine Erscheinung, wie sie kaum irgendwo sonst in so sonderbaren
Gebilden auftritt, dass der Holzkörper, in den Boden eingesenkt
oder daraus hervorragend, zuweilen zu nnförmlichen Gestalten
bauchig anschwillt. In solchen Holzmassen, deren Grösse in einigen
Fällen beträchtlich ist, schlummert ein zäher Bildungstrieb, wodurch
die Unregelmässigkeit der Bewässerung leichter ertragen wird, indem,
wenn alle weichen Organe periodisch oder auch wohl mehrere
Jahre hindurch abgestorben sind, bei eintretender Befeuchtung plötzlich
wieder neue Knospen her vortreiben. Zu den ausgezeichneteren
Bildungen dieser Art gehört die unter dem Namen Elephantenfuss
bekannte, den Dioscoreen verwandte Liane, deren zarter Stengel aus
einem kugelförmig polyedrischenHolzstamm entspringt [Testudinaria).
Bei einer Gattung von Araliaceenbäumen [Cussonia) , deren ungetheilter
Stamm hier die Clavijaform der Tropen darstellt, bildet die
unterirdische Holzmasse ellipsoidisch-kegelförmige Körper von beträchtlicher
Grösse; in kleineren Verhältnissen finden sich holzige
Knollen bei einer Reihe von Pelargonien (P. sect, Hoarea), deren
übrige Organe in der Dürre verloren gehen. Bei einem Strauch aus
derselben Familie der Geraniaceen [Sarcocauhn) bleiben nur die mit
langen Dornen bewehrten, dicken, graugefärbten Holzstämme s), als
wären sie abgestorben, zurück, nachdem die übrigen Organe vollständig
verschwunden sind.
Von den Eigenschaften der Steppengewächse bemerkt man auch
hier in manchen Fällen die Absonderung ätherischen Oels (z. B. bei
Rhus, Tarchonanthus, bei den Diosmeen) , und noch häufiger die Bildung
der Dornen im Gesträuch, aber die letztern doch nicht so allgemein,
wie in der Kalahari oder in Klimaten von strengerer Periodicität
der Niederschläge. An den Flüssen im Innern besteht das
üfergebüsch gewöhnlich aus dem an seinen langen, elfenbeinweissen
Dornen kenntlichen Karroodorn {Acacia hórrida) und ist fast der einzige
Vertreter der Mimoseenform, die erst jenseits des Gariep sich
zu mannigfaltigen Bildungen vervielfältigt.
Die Bäume der Kapflora sind sämmtlich von geringer Grösse, selten
höher als 20 bis 30 Fuss; auch ihr Holz ist ungewöhnlich hart, dauerhaft
und von langsamem Wachsthum. Von den dürren Ebenen ausgeschlossen,
verbirgt sich der Baumwuchs vor »der Sonne in engeBergschluchten
«^) oder zieht sich an das Ufer der Flüsse zurück. Doch giebt
es an der Südküste gegen die Algoa-Bai hin, vom feuchten Seewinde
begünstigt, auch grössere und liöhere Bestände, die zwar licht und
wegen der schwachen Ausbildung der Blätter wenig beschattet, aber
mit ihrem dichten Unterholze doch unzugänglich sind. Nach ihrer
Belaubung gehören die Bäume meist zur Oliven- und Lorbeerform,
und einige, tragen das gefiederte Blatt der Tamarinde: die wenigen
Coniferen haben keine Blattnadeln, sondern gleichen theils der Cypresse
[Widdringtonia], theils der Olive {Podocarpus), Ueberhaupt
ist die Anzahl von Baumarten nicht gross, aber diese gehören zu den
verschiedensten dikotyledonischen Familien 9). In dem Dickicht
dieser Waldungen sind aiich diejenigen Formen der Kapflora aufzusuchen,
die als Erzeugnisse eines feuchten Bodens dem Klima dieses
Landes übrigens so fremdartig scheinen: üppige Farne [Todea), sogar
ein Farnbaum [Hemitelia], Lianen, eine Scitaminee [Strelitzia)
und eine Aroidee [Richardia), von denen die beiden letzteren als eine
alte Zierde unserer Treibhäuser und Wohnzimmer allgemein bekannt
sind.
Es fehlt jedoch auch diesen wohlbewässerten Waldgründen, wo
neben dem Bett der Küstenflüsse, gleich wieder felsig die Terrasse
sich hebt, nicht an der Mischung mit Succulenten, auf die in den
trockenen Jahrszeiten die vegetative Bildungskraft sich einschränkt,
oder auch mit Dorngebüschen, welche der Dürre ebenfalls besser zu
widerstehen im Stande sind. Die Succulenten werden in den östlichen
Landschaften der Kolonie bei Weitem häufiger und sind hier ebenso
formenreich, wie die übrigen Gewächse ^o). In den verschiedensten
Grössen erheben sich auf dem öden Felsboden der Karroosteppe die
der Cactusform entsprechenden Euphorbien, im Kleinen wiederholt
sich die gleiche Bildung bei den zahlreichen Arten einer Asclepiadeengattung
[Stapelia). Die eckigen, mit Dornen besetzten und von
Milchsaft strotzenden Gliederstämme der Euphorbien streben oft
rasenförmig verbunden nach aufwärts: die grösste Art [E, grandidens)
hat einen 40 bis 50 Fuss hoheji Stammt), dessen Zweige eine
schirmförmige Krone bilden. Nach ihrer fleischigen Belaubung entsprechen
die hier besonders mannigfaltigen Aloe-Arten der Agavenform,
aber in einigen Fällen wird die Rosette ihrer steifen, zugespitzten
Blätter von einem einfachen Holzstamm gestützt (z. B. Aloe
arlorescens] und dadurch ihre Gestalt im Landschaftsbilde den
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