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154 IX. Kalahari.
zusammengefasst und miiss von dem Vorlande der Westküste abgesondert
betrachtet werden.
Das Tafelland mit Einschluss der Wüste Kalahari untei'scheidet
sich von der Sahara in klimatischer Beziehimg nicht bloss dadurch^
dass es stärkere Niederschläge empfangt, sondern dass dieselben
auch in die entgegengesetzte Jahrszeit, in den Sommer fallen, wie in
Sudan. Es ist gewiss eine merkwürdige und nicht ganz einfach zu
erklärende Erscheinung / dass die beiden Wüsten Afrikas bei gleichem
Abstand vom Aequator und bei ähnlicher Bildungsweise und
Unsicherheit der Niederschläge sich doch so verschieden verhalten,
dass die Entwickelung der Pflanzen in der Sahara in- den Winter, in
der Kalahari in den Sommer fällt. In beiden Fällen sind es nämlich
Gewitterschauer^^) oder der Gewitterbildung ähnliche Regengüsse,
die eine Masse von Wasser liefern und dann wieder lange Zeit ausbleiben,
in der Kalahari nicht selten ganze Jahre hindurch, in der
Sahara während noch viel längerer Perioden. Die Niederschläge
fallen zwar in Sudan und in der Kalahari unter der gleichen Bedingung
des Zenithstandes der Sonne, aber in Sudan wiederholen sie
sich zu ihrer Jahrszeit so sicher und mit solcher Ergiebigkeit, dass
sie grosse Stromsysteme mit Wasser füllen und überall das Füllhorn
tropischer Natur ausgiessen, während in der Kalahari die Flussbetten
meist trocken da liegen und nur kurze Zeit bald Avieder versiegendes
oder hier und da zu Quellen sich aufstauendes Wasser
führen. Je länger die Sonne in der Nähe des Zeniths verweilt, desto
stetiger Avird der aufsteigende Luftstrom, der die Niederschläge erzeugt.
In den Wendekreisgegenden, wo diese Periode allmälig
immer kürzer wird, ist die Ausbildung aufsteigender Luftströme, Avie
in höheren Breiten, eine vorübergehende Erscheinung. Um eine
Kraft zu gewinnen, die gross genug ist, Gegenströme und dadurch
Gewitterschauer hervorzurufen, kommt nun weniger der Stand der
Sonne selbst, als die örtliche Ungleichheit der Atmosphäre und des
Bodens in Betracht, die Atmosphäre nach ihrer Bewölkung, der
Boden nach seiner verschiedenen Erwärmungsfähigkeit. Solche
Wirkungen sind, sofern es auf örtliche Gegensätze der Temperatur
ankommt, in allen Jahrszeiten möglich, aber die Wintergewitter
sind Ausnahmen, weil der hohe Stand der Sonne die Gegensätze
stärker ausbildet. Die Sahara mit ihren Wintergewittern ist daher
Gewitterbildungen im Sommer. 155
in bedeutendem Nachtheil gegen die Kalahari, wo man im Sommer
eine reichliche Bewässerung erwartet. Selbst in Nordeuropa giebt
es eine Gegend, die Westküste Norwegens, wo fast nur WintergeAvitter
vorkommen, die in unseren Breiten so selten sind. Aehnlich
ist also das Verhältniss der Sahara zur Kalahari, aber in Afrika,
wo die Bewegungen der Atmosphäre so viel einförmiger und einfacher
geregelt sind, ist diese Erscheinung doch verständlicher, als
in Europa.
In der trockenen Wüstenluft ist noch eine besondere Bedingung
für die Bildung von Niederschlägen zu erfüllen, es müssen dampfreichere
Regionen, Avenn nicht in den unteren, so doch in den oberen
Schichten der Atmosphäre vorhanden sein, und dieser Wasserdampf
kann nicht durch Verdunstung an Ort und Stelle entstehen, sondern
nur von auswärts herbeigeführt werden. Man muss annehmen, dass
die Wintergewitter der Sahara aus dem Antipassat ihre Niederschläge
entlehnen, weil dies hier die einzige Quelle der Feuchtigkeit ist, die
der Aequator über die Wüste aussendet, wogegen der Passat, von
dem asiatischen Kontinent herüberwehend, eben deshalb so wenig
Dampf enthält, wie vielleicht nirgends weiter auf der Erdkugel. Die
Kalahari steht ebenfalls unter dem Einfluss des PassatAvindes, aber
liier ist es ein Südostwind, der, wenigstens im Sommer, seinen Ursprung
im indischen Ocean hat und deshalb Wasserdampf mit sich
führt. Zwar verliert der Sommerpassat an der Küstenterrasse A''on
Natal seine Feuchtigkeit, aber dies gilt nicht von den oberen Schichten
dieses Windes, der über dem Gebirge ungebrochen hinüber gleitet
und daher seinen Wasserdampf dem inneren Tafellande zuführt.
Denn die Luftsäule, welche als Passat sich bewegt, reicht weit höher
in die Atmosphäre, als die südafrikanische Küstenterrasse. Es ist
daher zu erwarten, dass, wenn der Boden der Kalahari im Sommer
auf das stärkste erhitzt Avird, aufsteigende Luftströme sich daselbst
ausbilden, die durch den rasch aus der Höhe herabsinkenden Passat
ausgeglichen werden und durch Vermischung kalter und warmer
Schichten zur Gewitterbildung den Anlass geben. Nach dieser Auffassung
stammt der Wässerdampf, der zu Regenwolken sich verdichtet,
in der Kalahari aus dem Passat des indischen Meers, in der
Sahara hingegen aus dem Antipassat, der von Sudan kommt, dort
im Sommer den Regen spendend ^ Avenn aufsteigende Luftströme