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54 VI. Indisches Monsungebiet.
mei-ksam gemaclit und Junghulin bestätigt es, dass die Kegiouen
Javas nicht so bestimmt, wie in anderen Ländern, von einander geschieden
seien . Der Uebergang vom Tieflande bis zu den Berggipfeln
sei so unmerklich, dass die Vegetationsgrenzen sicli der unmittelbaren
Beobachtung des Wanderers entziehen, wenn dieser auch
zuweilen im Verlaufe weniger Stunden die Reihe der uacli dem Niveau
wechselnden Pflanzengestalten vollständig durchschritten hat.
Wenn, wie es sonst gewöhnlich der Fall ist, jede Region durch eine
einzige, physiognomisch hervortretende Pflanzenform bezeichnet
wird, so muss deren Höhengrenze ebenso scharf sein , wie für jede
einzelne Art, deren Wohngebiet einem bestimmten Mass klimatischer
Lebensbedingungen entspricht. Wenn dagegen, wie in Java, in
gleichen Höhen unähnliche Baumformen, dikotyledonische mit Palmen
und Farnbäumen, vermischt zusammenleben, so wird, sofern die
Vertreter jeder einzelnen Form an eigenthümliche, klimatische Phasen
gebunden sind, auch der Wechsel der Regionen ein allmäliger
sein. Aehnlich ist es im indischen Himalaja. In Sikkim steigen die
Farnbäume und der Pisang bis 6600 Fuss, die epiphytischen Orchideen
bis 9400 Fuss, die Bambusen noch höher bis zur Baumgrenze:
wo bleibt da der Begriff einer tropischen Region, der doch an solche
Pflanzenformen geknüpft sein soll? Nur wo ausnahmsweise die Bekleidung
des Bodens einfacher wird, wie in den Wäldern der Berg-
Casuarinen im östlichen Java, sondert sich deren Region schärfer von den
benachbarten, als da, wo die Fülle tropischer Gestaltungen grösser ist.
Ferner wird die Unterscheidung der Regionen dadurch erschwert,
dass einzelne Arten desselben Formenkreises auf tropischen Gebirgen
oft in hohem Grade ungleich sich vergalten und in ihren klimatischen
Lebensbedingungen von einander abweichen. Die Rhododendren,
die in Borneo und Sumatra tief in die tropische Waldregion hinabsteigen
(bis 3000 Fuss), bewohnen im Himalaja von Sikkim die gemässigten
und alpinen Höhen (7000—16000 Fuss), wo die Vegetationszeit
der verschiedenen, hier überaus zahlreichen Arten sich von
acht Monaten (April bis December) bis auf zwei Monate (Juli bis
September) verkürzt. Die Nadelhölzer erreichen im westlichen Himalaja
die Baumgrenze [Pinns excelsa bis 11300 Fuss, P. Pmdroiv bis
10300 Fuss), aberPinus-Arten bewohnen auch die tropischenRegionen,
eine derselben [P. longifolia) steigt bis zur Ebene in die Dhuns oder
Waldregionen. 55
Vorgebirgsthäler hinab (bis 1000 Fuss), andere finden sich auf dem
Khasia (bis 3000 Fuss), inTenasserim (bis 1000 Fuss), in Sumatra (bis
3000 Fuss), inBorneound auf den Philippinen (bis 1700 Fuss). Die
Eichen sind in Java zwischen 3500 und 5500 Fuss am häufigsten, an
der Westküste Sumatras gehen sie bis 500 Fuss herab : am Himalaja
dagegen, in Sikkim, beginnt die Eichenregion erst, wo sie in Java
aufhört. Solche Thatsachen sind bei der.Kultur tropischer Gewächse
wohl zu berücksichtigen, deren Wärmebedürfniss weder nach unbestimmten
Nachrichten über ihre Herkunft noch nach ihrer Verwandtschaft
mit ähnlichen Formen ermessen werden kann. Auch werden
solchen Erfahrungen gegenüber die Schlüsse der Geologie in ein
zweideutiges Licht gestellt, welche man auf die systematische Stellung
von Resten der Vorwelt stützt, ohne den Bau und die Bedeutung
der Vegetationsorgane zu würdigen.
Bei den abweichenden Lebensbedingungen von Arten derselben
Gattung und von den Pflanzenformen, die im Junglewald vereinigt
wachsen, kann doch das Vorwalten bestimmter Organisationen in
jedem Niveau zur Charakteristik der Regionen dienen, wenn auch
scharfe Höhengrenzen nur da möglich sind, wo einzelne Gewächse
die Physiognomie durchaus beherrschen. Die Unterscheidung verschiedener
Waldregionen, wie sie Thomson im Himalaja nnd Junghuhn
in Java versucht haben, behauptet, obgleich sie an den Grenzen
sich verwischen, einen wissenschaftlichen Werth, nicht bloss als einziges
Mittel, die Gestaltungen der Vegetation geordnet darzustellen,
sondern auch, weil jede Region durch einen mittleren Temperaturwerth
charakterisirt werden kann, der da, wo er wirklich eintritt,
auch dem reinsten und vollständigsten Ausdruck ihrer botanischen
Individualität entspricht. Nach aufwärts nimmt die den' Tropen
eigenthümliche Mischung zahlreicher Bestandtheile in den Waldformationen
regelmässig ab. Indem einzelne Baumarten anfangen
durch ihre Geselligkeit zu überwiegen, die tropischen Formen nach
und nach aufhören und durch Gattungen höherer Breiten ersetzt
werden, nähert sich die obere Region in der That der Physiognomie
der gemässigten Zone.
Die Versuche, die Regionen des Monsungebiets nach klimatischen
Werthen zu bestimmen, stelle ich nun zusammen, um daran weitere
Bemerkungen über die einzelnen Gebirge anzureihen.
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