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des Klimas aber lässt uns tiefer liegende Verschiedenheiten erkennen,
und giebt auch einigen, jedoch nicht völlig genügenden Anfschluss
darüber, dass den Pampas-Ebenen am atlantischen Meere nirgends
jene fruchtbaren Wälder zu Theil geworden sind, die den pacifischen
Abhang der Anden in den höheren Breiten, gerade wie am Oregon,
bedecken, ohne doch nur den östlichen Ausgang der Magellanstrasse
zu erreichen.
Was zuerst die Temperatur betrifft, so unterscheidet sich das
Pampasgebiet von den Prairieen durch die Kurve des Seeklimas
nirgends wird die Vegetationsperiode durch die Kälte und Schneedecke
des Winters, wie am Missouri, unterbrochen. Wenn »auch im
Innern des Kontinents, am Fusse der Anden beiMendoza, der Unterschied
der Jahrszeiten grösser ist, als an der Küste, so bleibt doch
auch hier der Schnee nicht liegen. Nach Süden verschmälert sich
der Kontinent, wie eine Landzunge, während derselbe in unserer
Hemisphäre sich nach dem Polarkreise zu erweitert. So muss, wie
in der ganzen südlichen gemässigten Zone, auch hier allgemein ein
Seeklima herrschen. Von Norden nach Süden hat das Pampasgebiet
ungefähr eine gleiche Ausdehnung, wie die Prairieen, aber in beiden
Fällen ist die mit der wachsenden Breite verringerte Mittelwärme auf
die Physiognomie der Landschaft von geringem Einfluss.
Nicht aus der Dauer der Vegetationszeit, wie in den Prairieen,
kann die Waldlosigkeit in dem Seeklima der Pampas erklärt werden.
Näher zu prüfen ist nun in dieser Beziehung, welche Bedeutung dem
Mangel an jenen regelmässig eintretenden Regen winden zukomme, die
den Frühling in den Steppen der nördlichen Hemisphäre beleben. Die
Masse des Niederschlags ist in Uruguay und überhaupt in den Küstengegenden
sehr beträchthch 2) ^ zu Montevideo beträgt sie 40 Zoll,
also ebenso viel, wie in dem Waldgebiete Nordamerikas ; mit dem
Abstände vom Meere nimmt sie allmälig ab, bis sie am Fusse der
Anden, zu Mendoza, etwa auf 8 Zoll herabsinkt. Hier ist die Luft
an der Ostseite der Kordillere ebenso trocken, wie im nördlichen Chile,
ihre Abhänge sind kahl^ während die dem Meere näher gelegenen
Gebirgsketten von Tucuman und Cordova wenigstens im untern Theil
von einem Waldgürtel umsäumt werden. Und hiebei ist merkwürdig,
dass die Ebenen selbst sich gerade entgegengesetzt verhalten, dass
die dürreren Landschaften im Inneren grossentheils mit Sträuchern
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Temperatur. — Feuchtigkeit. 451
und lichten Gehölzen bekleidet sind, hingegen da, wo der Ertrag
der Niederschläge sich mehrt, die Pampas nur Graswuchs erzeugen
und alle Holzgewächse fehlen. Aber nicht die Masse des Regens,
sondern die Vertheilung desselben und die Art und Weise der Bewässerung
ist hier das Entscheidende. Es wird übereinstimmend
bezeugt, dass die meisten Niederschläge in der Form von plötzlichen
Gewittergüssen erfolgen und zu anderen Zeiten die Luft ungemein
trocken ist. Auf diesen weiten, mit Gras bewachsenen Ebenen entzieht
die nächtliche Abkühlung eines unbewölkten Himmels der
Atmosphäre die Feuchtigkeit, reichliche Thaubildungen werden stets
beobachtet4). Je weiter der Seewind, der den Wasserdampf des
atlantischen Meers mit sich führt, in das Innere fortschreitet,
desto weniger Feuchtigkeit ist übrig geblieben, weil sie durch den
Thau und durch die Entladung von Gewitterwolken beständig vermindert
wird. Dazu kommt die Unregelmässigkeit in dem Wechsel
der beiden herrschenden Luftströmungen, und dass diejenigen,
welche aus der Wüste Atacama und von den Anden kommen, die
häufigsten sind, wie aus der nach Norden schroffer abfallenden Gestalt
der Sanddünen^) in den Pampas hervorgeht. Es kommen daher
auch lange Perioden der Dürre vor, der Gewitterregen kann
ganze Jahre hindurch ausbleiben 2) und die Viehzucht erleidet zuweilen
durch unterdrückten Graswuchs die grössten Verluste. Aber
mit seinen ausdauernden Organen widersteht auch der Grasrasen
dem regellosen Wechsel von Feuchtigkeit und Dürre, er erholt sich
und gedeiht freudig, wenn die Regengüsse wieder eintreten. Die
Holzgewächse bedürfen einer anderen, einer gesicherten Zone der
Bewässerung, sie müssen, so lange ihr Laub in Thätigkeit ist, einen
stetigen Zufluss aus dem Boden erhalten, und dieser kann bei Sträuchern,
im Ganzen betrachtet, geringer sein, als zum Wachsthum der
Gräser dienlich ist, wenn er nur während der Vegetationsperiode
nicht ausbleibt.
Auch das^ Relief der Oberfläche ist für die Bewässerung der
Holzgewächse und Gräser von Bedeutung. Die Pampas bilden von
der Küste bis zu den Anden zwar, wie die östlichen Prairieen eine
schiefe Ebene, aber sie ist schwächer geneigt, als dort, und ihr Bau
weniger regelmässig, wenn sie auch ebenso unbegrenzt dem Auge
sich darstellt. Burmeister bestimmte die Höhe von Mendoza zu
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