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4-26 XX. Flora der tropischen Anden Südamerikas.
meinen dadurch gesteigert, dass mit dem Zenithstande der Sonne die
Regenzeit eintritt, und also in der Periode des Jahrs, in welcher ihre
Strahlen am heissesten sind, deren Wirkung durch die Umwölkung
des Himmels geschwächt wird. Ist dagegen, wie in Peru, der Sommer
heiter und der Himmel im Winter von Nebeln und Wolken bedeckt, so
wächst der Unterschied zwischen der erwärmenden Kraft der Sonne
zur Zeit ihres höchsten und ihres niedrigsten Standes. Unter diesen
Bedingungen wird daher die Periodicität des Pflanzenlebens nicht
bloss, wie in andern Tropenländern, von dem Wechsel der Feuchtigkeit
und der Dürre, sondern auch von der Temperaturkurve der
Jahrszeiten bedingt sein. Sodann trägt aber auch die Abkühlung der
ganzen Küste durch den Humboldt-Strom dazu bei, die Klimate von
Peru und Chile in eine nähere Verbindung zu setzen.
Indessen sind diese Beziehungen doch nur auf die Küstenlandschaften
von Peru und Bolivien beschränkt. Der grösste Theil der
Oberfläche ist in den dortigen Anden so hoch gelegen, dass nur eine
aipine Vegetation bestehen kann, und eben dadurch unterscheidet
sich dieses Hochland vom mexikanischen, dass der zwischen den
Kordilleren eingeschlossene Raum oder wenigstens die am höchsten
gelegene Puna-Region nicht, wie dort, den Vegetationsformen der
gemässigten Zone zugänglich ist, sondern in weitem Umfange oberhalb
der Baumgrenze liegt (10200 bis 13 100 Fuss). Und eben hier
ist die jährliche Temperaturkurve gleichmässiger, weil die Niederschläge
im Sommer stattfinden; oft freilich wird ihr mittleres Mass
erst durch heftige Stürme, die von den Schneebergen in die engen
Thaleinschnitte stürzen, unter gewaltsamen Schwankungen wieder
ausgeglichen. Am See von Titicaca (12700 Fuss), auf den weiten
Hochflächen des Grenzgebiets von Peru und Bolivien werden mir
noch Kulturgewächse von kurzer Vegetationsperiode geerntet: der
schroffe Wechsel der Tag- und N a c h t w ä rme d e r so hoch gelegenen
Ebenen eigen ist und der hier durch die Bewegungen der Atmosphäre
noch gesteigert wird, kann den Mangel einer dauernd warmen Jahrszeit
nicht ersetzen. Ungeachtet des verschiedenen Zeitpunkts der
Niederschläge ist indessen die Verwandtschaft der alpinen Flora von
Peru mit der von Chile wenigstens ebenso gross, wie'in den Küstenregionen.
In beiden Fällen ist die Entwickelungsperiode der Vegetation
von kurzer Dauer: wie sie unter den tropischen Breitengraden
Punaregion. — Oestliche Sierra und Montana. 427
durch die Niederschläge der Sommermonate am meisten belebt wird,
so hat in Chile der schmelzende Schnee der wärmern Jahrszeit für
die alpinen Pflanzen eine ähnliche Bedeutung. Aber weder in Peru,
noch in Chile können diese hohen Regionen ein dichtes Wachsthum
von Kräutern und Gräsern hervorbringen. Hier herrschen ähnliche
oder sogar noch weniger zusagende Verhältnisse, wie in Tibet: die
Trockenheit der Luft drängt die alpinen Matten zurück und erzeugt
eine öde Hochsteppe, Bis zu den Schneeregionen macht sich der
überwiegende Einfluss geltend, den die ostwärts vorliegende Kordillere
auf die Bewässerung des Bodens ausübt. Wo, wie in die
Hochthäler von Quito, die der oberen Sierra und der Puna-Region
entsprechenden Paramos, der dampfreiche Passatwind eindringen
kann, ist die alpine Vegetation der Anden mit blumenreichen Stauden,
wie in den Alpen, ausgestattet ^*^).
Um eine reichere und überhaupt eine tropische Vegetation in
den peruanischen Anden anzutreffen, muss man entweder den Ostabhang
der östlichen Kordilleren hinabsteigen oder die Thäler der
Sierra aufsuchen, welche, die Puna-Region mit tiefen Felswänden
furchend, nach der Tiefebene und zum Meere geöfl'net sind. Diesem
Verhältniss verdankt auch im Norden des Aequators, in Neu-Granada,
das Stromgebiet des Magdalena seinen üppigen Tropenwald.
Bis zu den Höhen der Gebirgskämme ist das Hochthal von Bogota
von einer ohne Stillstand grünenden Vegetation bedeckt i^), weil die
vom karaibischen Meere thalaufwärts geführten Wasserdünste hier
beständig verdichtet werden: in einem Niveau (8300 Fuss), wo die
Luftwärme (15^,2) doch noch ebenso hoch steht, wie in Lima,
regnet es hier in allen Monaten des Jahrs. Jenseits des Aequators
sind es die Zuflüsse des Amazonenstroms, die den feuchten Winden
bis in das Herz der Anden den Zugang eröffnen. In Ecuador, wo
die beiden Kordilleren einander so nahe rücken, ist durch die gedrängten
Seitenthäler der östlichen Abdachung die Bewaldung über
einen grossen Theil des Landes ausgebreitet. In Peru endlich und
Bolivien gestalten sich die Einschnitte des Hochgebirgs zu jenen
grossen und in die Punaregion weithin eingreifenden Längsthälern
der Sierra und Montana, in denen die Erzeugnisse gemässigter und
heisser Klimate stufenweise verbunden sind und wo die Sitze der Ansiedelung
bald gehäuft zusammenliegen, bald vor dem übermächtigen
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