
34 VI. Inclisclies Monsimgebiet.
Blütheiiäliren hervor. Die indischen Gattungen von Scitamineen
gehören grösstentheils zu der mit feurigen Gewürzstoifen ausgestatteten
Gruppe dieser Familie, den Zingiberaceen, unter denen der
Ingwer [Zingiher) am bekanntesten ist. Dass dieselben in anderen
Tropenländern weit seltener vorkommen, ist eine Erscheinung des
Endemismus, die aus klimatischen Ursachen nicht erklärt werden
kann. Denn die nicht aromatische Gruppe, die Cannaceen, die im
tropischen Amerika tiberwiegen, bewohnen ähnliche Standorte im
Schatten des feuchten Jungle. Wo die Luft feucht und die Temperatur
hoch und gleichmässig ist, scheint die Anzahl der Arten zuzunehmen.
Die Laubrosette der Aroideenform besteht aus langgestielten,
am Grunde oft pfeil- oder herzförmig ausgeschnittenen Blättern, die
zuweilen eine colossale Grösse erreichen (Caladieen). Ein belebtes
physiognomisches Bild bietet ihr gedrängtes Wachsthum am waldigen
Ufer der Flüsse, wo sie gesellig aus dem Schlammboden sich erheben.
Dieser Eindruck üppigen Gedeihens wird erhöht durch die Grösse
der bleichen oder farbigen Blumenscheide, wie man das unten eingerollte
Blatt nennt, welches an der Spitze des nackten Stengels die
Blüthenaxe (den Kolben) einhüllt. Reichlichen Wasserzuflusses bedürfen
auch die angebauten Arten, von denen der Taro [Colocasia
esculenta) eine der wichtigsten Nahrungspflanzen auf den Südseeinseln
ist. Aber auch im Dickicht des Jungle und unter den Epiphyten
der Bäume ist die Aroideenform eine bedeutende Erscheinung.
Nach der Laubgestalt gehört auch die Gattung Tacca in diesen
Formenkreis, ohne indessen systematisch mit den Aroideen verwandt
zu sein.
Bei den Farnkräutern, die unter den geselligen Schattenpflanzen
der feuchten Wälder durch die Mannigfaltigkeit ihrer Bildungen und
ihre den Boden dicht bekleidende oder epiphytische Vegetation die
erste Stelle einnehmen, ist ebenfalls der Wuchs in Blattrosetten vorwaltend.
Uebrigens wechseln diese Blattorgane oder sogenannten
Wedel in der Grösse von Metern bis zu Zollen, in der Gestalt von
einfachen bis zu den auf das zarteste getheilten Formen. Zu den
grössten Formen gehört eine Art mit ungetheilten Wedeln, die epiphytisch
zu gewaltigen Rosetten kranzähnlich sich ausbreitet [Asplenium
nidus). Mit dem Dampfgehalt der Atmosphäre wächst die
Aroideenform. — Farnkräuter. — Standen. Nepenthes. 35
Häufigkeit der Farne und die Anzahl der Arten, in den dürren Klimaten
des hindostanischen Tafellandes treten sie ganz aus der Physiognomie
der Landschaft zurück und. beginnen in Bengalen erst
nordwärts vom Ganges, wo sie den Einfluss des Himalaja auf die
Feuchtigkeit der Atmosphäre andeuten.
Die dikotyledonischen Stauden gehen unter den Tropen durch
die häufige Verholzung der unteren Stengeltheile leicht in Strauchformen
über. Aus dieser Reihe sind die Acanthaceen die artenreichste
Familie der indischen Flora. Einige Gattungen aus anderen
Gruppen sind durch morphologische Eigenthümlichkeiten merkwürdig.
Ein durchscheinend zartes Gewebe ist dem Stengel der schiefblätterigen
Begonien und den Balsamineen [Imjmtiens) eigen, von denen
die ersteren feuchte Wälder bewohnen, die letzteren in Vorderindien
eine grosse Reihe von Arten enthalten. Die sonderbarste Bildung
ist die der am Boden des Waldes oder am Gestein kriechenden Nepentheen,
bei denen die Blätter sich zu grossen, mit einem Deckel
verschliessbaren Wasserschläuclien umbilden, deren Bedeutung noch
unerklärt geblieben ist. In der unteren Waldregion aequatorialer
Gebirge sind sie am häufigsten, am Kina-Balu auf Borneo entdeckte
Low eine Art {Nepenthes Rajah'^'")], deren farbige Blattschläuche,
flaschenartig gestaltet und aufrecht auf dem Boden ruhend, ein bis
zwei Fuss lang sind: einer derselben enthielt vier englische Finten
Wasser (etwa 140 Cubikzoll). Dieses Wasser ist trinkbar und beinahe
frei von fremden Bestandtheilen. Da die Schläuche von dem
Gewebe aus gefüllt werden, so muss ein so grosser Wasserverlust
die Saftcirculation in weit höherem Grade beschleunigen, als blosse
Verdunstung von Blattflächen. Dieser Vorstellung entspricht das
häufige Vorkommen von Spiralzellen im Gewebe der Pflanze, die hier
vielleicht, wie bei den Orchideen, zufälliger oder periodischer Saftentleerung
Widerstand zu leisten haben. Die geographische Verbreitung
der Nepentheen von Madagaskar bis Nen-Kaledonien wirft
kaum ein weiteres Licht auf ihre Organisation, als dass sie insulare
Kliinate bewohnen, wo der Dampfreichthum der Atmosphäre die
Verdunstung erschwert, die hier durch Ausscheidung tropfbar flüssigen
Wassers ersetzt wird. Indessen möchte ich doch über die Bedeutung
der Nepenthesschläuche eine weitergehende Vermuthung
aussprechen, wodurch wünschenswerthe Untersuchungen in anderer
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