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151) IX. Kalahari.
stärker entwickelt sind, hier im Winter ^ wenn sie den äquatorialen
Wasserdampf in geringerer Höhe erreichen und daher leichter in
Wechselwirkung ziehen können.
Es ist aber für die Sommergewitter der Kalahari noch ein anderes
Verhältniss von Bedeutung, welches auf den wechselnden
Winden von*Natal beruht. In dieser Breite hat die afrikanische Ostküste
keinen dauernden Passat, sondern, wie schon in dem Abschnitt
über Sudan erwähnt wurde, weht hier der Wind nur im Sommer,
vom November bis zum März', aus dem indischen Meere, in den
übrigen Monaten herrschen Landwinde. Jenseits der Küstenterrasse
scheinen zwar die östlichen Luftströmungen das ganze Jahr hindurch
wenigstens im nördlichen Theil der Kalahari vorzuwalten, aber eine
Aspiration, die in der Wüste selbst und nicht im Meere ihren Ursprung
nimmt, führt auch keinen Wasserdampf, und daher beschränken
sich die Gewitterbildungen auf den Zeitraum, wo der
Passatwind feuchter ist. Die Einwirkung des indischen Oceans auf
das Klima und die Vegetation der Grenzgebiete zwischen der Ostküste
und der Wüste Kalahari hat Livingstonemi t sicherem Verständniss
erläutert. Er behauptet, dass den grössten Theil des
Jahrs hindurch ein Ost- oder Ostsüdostwind in der Kalahari herrsche,
der auf dem Küstengebirge seine Feuchtigkeit verloren habe: wo
aber dieses unterbrochen oder niedrig sei, oder wo die Berggipfel im
Inneren über dasselbe hervorragen, finde man auch hier ein feuchteres
Klima und eine diesem entsprechende Vegetation. So könne
man noch dicht an den Grenzen der Wüste Kalahari einzelne Berge
antreffen, auf deren Höhen Farne und Piperaceen gedeihen, die in
den unteren Regionen derselben niemals vorkommen. Hieraus erklärt
sich die Vermischung der Pfianzenformen zweier Gebiete in der
Transvaalschen Republik , wo in einigen Gegenden nur europäische
Cerealien, in anderen Kaffee und sonstige tropische Kulturpflanzen
gebaut werden, und wo ungeachtet des hohen Niveaus die Formationen
Sudans noch einmal auftreten.
Die tropischen fElevationsregenzeiten der Ostküste sind also
wohl von den unsicheren Niederschlägen der Kalahari zu unterscheiden
, wiewohl beide dem Zenithstande der Sonne entsprechen
und an dieselben Monate gebunden sind. Der Zeitraum, in welchem
die Gewitterregen auf dem inneren Tafellande erwartet werden.
(xewitterbildimgen im Sommer. 157
beginnt unmittelbar, nachdem die Sonne die höchste südliche Deklination
erreicht hat, gegen Ende December und dauert bis zum M a i .
Zuweilen erfolgen schon einzelne Ptegengüsse im September und
Oktober und wecken di(! Vegetation aus ihrem Winterschlaf: das
sind Ausnahmen, wie sie auch in der Sahara zur Zeit des Sommers
vorkommen, und wie sie überhaupt bei der Gewitterbildung in allen
Breiten möglich sind, sobald das örtliche Gleichgewicht der allgemeinen
atmosphärischen Strömungen bedeutend gestört wird. Im
Ganzen dauert demnach die Periode der Niederschläge in derKalahari
sogar länger als in Natal, aber um so grösser muss der Unterschied
ihrer Ergiebigkeit für das Pflanzenleben sein, dessen Fülle von der
Stetigkeit des Wasserzuflusses abhängt.
Die häufigen Unterbrechungen, welche die Benetzung der Wüste
erleidet, die Jahre völliger Regenlosigkeit, die in neuester Zeit besonders
fühlbar auf den Heerdenbestand zurückwirkten, haben die
Vorstellung von einer fortschreitenden Abnahme der Niederschläge
und der Fruchtbarkeit hervorgerufen. Man hat auf die Breite der
trockenen Flussbetten hingewiesen, die jetzt auch der stärkste Regen
nicht zu füllen vermag, aber in solchen Fällen giebt es keinen Anhaltspunkt
zur Entscheidung, ob die Einschnitte des Bodens aus
früheren geologischen Perioden stammen oder neuen Ursprungs sind.
Moffats) spricht von Traditionen, dass sonst hochstämmige Wälder
bestanden und damals die Heerden in hohem Grase weideten; er
beobachtete selbst die Ueberreste von gewaltigen Giraffen-Acacien
an Orten, wo jetzt über die Gesträuche sich kaum ein einzelner Baum
erhebt. Die Ursache dieser Waldverwüstungen liegt in der Gewohnheit
der Eingebornen, das Weideland durch Steppenbrände zu
verjüngen, wie es bei Wandervölkern so gewöhnlich ist. Allein auch
da, wo im üamaralande noch jetzt ausgedehnte Wälder vorhanden
sind, ist das Klima nicht minder arm an atmosphärischen Niederschlägen,
wie in der offenen Wüste, und auf dem dürrsten Boden ist
das Wachsthum der diesem Klima entsprechenden Bäume unbeschränkt.
Wichtiger sind die von Wilson gesammelten Erfahrungen,
dass das Grundwasser in den Brunnen der Wüste jetzt tiefer steht
als ehemals dass an den Grenzen derKalahari Quellen und Flüsse,
die zu Menschengedenken Wasser führten, jetzt versiegt sind, die
Wälder, einmal zerstört, sich daselbst nicht erneuern, sondern durcli
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