
18 VI. Indisches Moiisungebiet. Laiibhölzer. 19
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zu einer Höhe von 40 bis 50 Fuss ausnehmend dünn bleibt [Alsophila
lanuginosa) gerade auf die oberste Waldregiou Javas (7000 bis
9000 Fuss) durchaus beschränkt ist^i). Da die Wärme in diesem
Niveau nur noch etwa 8 o beträgt und über der Wolkenregion
(7500 Fuss) anch die Feuchtigkeit abnimmt, so sehen wir hier einen
klimatischen Grenzwerth der Farnbäume erreicht, der, dem Vorkommen
dieser Pflanzenform in höheren Breiten der Südhemisphäre
entsprechend, bei der Beurtheilung der Naturverhältnisse zur Zeit
der Steinkohlenflora zu beachten ist, als Gebilde von ähnlicher Organisation
auf der ganzen Erde vorherrschten. Wo die Farnbäume
auftreten, lassen sie stets auf intensive Feuchtigkeit, sowohl wässerige
im Boden, als dampfförmige in der Luft schliessen. Sie sind
da zu erwarten, wo Wälder und Gebirge den Wasserdampf anhäufen
und verdichten, den weite Meeresflächen herbeiführen, und wo jene
gleichmässige Wärme herrscht, die eine ununterbrochene Vegetation
möglich macht, während ihre Ansprüche an die Höhe der Temperatur
in weiterem Umfange wechselnd sind.
Die dikotyledonischen Laubhölzer bilden den weit überwiegenden
Bestandtheil aller tropischen Wälder. Ihre Mannigfaltigkeit ist
selbst in den einzelnen Beständen so gross, dass es schwer hält, in
der Fülle des Zusammenlebens so verschiedener Organisationen, die
mit gleichen Kräften im Jungle sich begegnen, leitende Gesichtspunkte
festzuhalten. Es ist die Aufgabe, die Erscheinungen so aufzufassen,
dass sie zum Verständniss der Lebensbedingungen, sowie
zur Charakteristik einer Flora dienen können, und sich lieber mit
wenigen Hauptzügen zu begnügen, als durch das Streben nach Vollständigkeit
die Anschaulichkeit und den Ueberblick über das Ganze
zu verlieren. Die Pracht des Tropenwalds ist oft überschätzt worden,
sie liegt mehr in der Vereinigung ungleicher, aber ausdl-ucksvoller
Vegetationsformen und in der Ueppigkeit ihres Wachsthums,
als in der Schönheit der Individuen. Wenn die Hochwälder unserer
Breiten zuweilen den Eindruck der säulengetragenen Halle eines
gothischen Doms hervorrufen, gleichen sie in jenen feuchtwarmen
Klimaten vielmehr überfüllten Treibhäusern, in welchen das Einzelne
nur unvollkommen zur Anschauung gelangt. Den kühn nach
aufwärts strebenden Nadelhölzern, die in den Forsten der gemässigten
Zone so gewöhnlich sind, kommt die Höhe der Bäume nicht
gleich, deren verzweigte Kronen au einem düsteren Laubdacli sich
verflechten. Von grösserer Bedeutung ist die Dicke ihres Stamms,
wenn es darauf ankommt, ein mächtiges Zweiggerüst zu unterstützen.
Das durchschnittliche Höhenmass der gemischten Bestände in den
tieferen Regionen Javas beträgt nach Junghuhn nur 70—80 Fuss;
einzelne Bäume ragen um ein Drittel oder Viertel, der Easamala
{Ältlngia excelsa) um das Doppelte aus den übrigen hervor und sie
g-ewähren, aus der Ferne betrachtet, den Anblick von terrassenförmig
geordneten Laubkronen, sie bilden hier den »Wald über dem Walde«,
wie Humboldt über ähnliche Erscheinungen in der Physiognomie des
amerikanischen Urwalds sich ausdrückte. Bei starken Individuen
•des Rasamala, der, den Platanen verwandt, unter allen Bäumen der
Monsunflora, an Höhe des Stamms (160 Fuss) seines Gleichen sucht
•und nur von demGurjun, einer Dipterokarpee inChittagong [Diptero-
^arpus turhinatus : über 200 Fuss) übertroffen zu werden scheint, findet
man den säulenförmigen Stamm gegen sechs Fuss dick, ohne dass er
unterhalb der Krone, in einer Länge von fünfzig bis sechzig Fuss
sich erheblich verjüngt. Hier ist die grösste Festigkeit die Bedingung
der Tragkraft, die bei der tief herabreichenden Verzweigung
derBombaceenform durch unförmliche Anschwellung des Holzkörpers
^erreicht wird. Viel allgemeiner sind die dem gleichen Zwecke dienenden
Holztafeln oder in senkrechter Richtung vorspringende Leisten
•am Grunde der tropischen Baumstämme, deren Bildung MohPS)
sinnreich davon ableitet, dass der im Bast herabsteigende Bildungs-
:saft da gestaut wird, wo er in die horizontal ausgebreiteten Wurzeln
übergeht. Diese tafelförmigen Auswüchse des Stamms sind schmal
•wie Bretter, aber nach abwärts in radialem Sinne bis zum Boden
erweitert, von einer Grösse, dass Tischplatten daraus verfertigt werden
können. Ihre stützende Tragkraft, welche in anderen Fällen
durch die frei vom Stamm sich ablösenden Luftwurzeln ersetzt wird,
.tritt erst dann in Thätigkeit, wenn der Baum ein gewisses Alter erreicht
hat, wenn die Last der Krone wächst, nun aber auch das
reichlicher entwickelte Laub so viel mehr Masse von plastischen
Stoffen erzeugt: dann erst beginnen die Holztafeln sich auszubilden.
Die Wirkungen sind demnach durch das in einander greifende Wachsthum
der verschiedenen Organe von selbst gegeben. Hier aber
können wir neben der entwickelungsgeschichtlichen auch die der
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