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396 XIX. Brasilien.
Kontinents wenig verschieden. Ein älinliclier Küsteminiriss, dieselbe
Lage gegen das Meer und den von diesem ausgehenden Passatwind,
die den unbewaldeten Savanen eigene Erhitzung des Bodens, ein
Kelief, welches nur durch die geringere Bedeutung der äusseren
Umwallung Sudans abzuweichen scheint, und eine der geographischen
Stellung entsprechende Vertheilung der Regenzeiten, alles dies
begründet eine Üebereinstimmung in den physischen Bedingungen
der Vegetation, die doch in dem Charakter der Flora keinen Ausdruck
findet. Denn auch abgesehen von den ewig grünenden Urwäldern
der Küste entwickelt Brasilien eine selbst unter den Tropen
beispiellose Mannigfaltigkeit der vegetabilischen Erzeugnisse, die zu
der Einförmigkeit Sudans den grössten Gegensatz bildet, die sich zu
dieser ähnlich verhält, wie das pflanzenreiche Kapland, und unverhältnissmässig
viel thätigere Bildungskräfte bei ihrer Entstehung
voraussetzen lässt. Einigen Aufschluss, der aber doch nicht genügt,
den beständigen Wechsel und die gehäufte Menge der Pflanzenarten
in einzelnen Bezirken der Campos zu erklären, gewährt allerdings
die grössere Unregelmässigkeit ihres Niveaus und die von einer verwickelten
geognostischen Unterlage bedingte Ungleichheit der Bewässerung
und Fruchtbarkeit des Bodens. Von den Tertiärformationen
und Alluvionen der tiefen Stromeinschnitte eingeschlossen,
finden wir Brasilien von granitischen und von theils älteren, theils
jüngeren Sandsteinen und Schiefern e r f ü l l t d i e zuweilen auch von
Kalkgebilden unterbrochen werden, und deren verschiedene Erdkrumen
die Feuchtigkeit bald mehr, bald weniger zurückhalten.
Allein, wie im Kaplande, lässt sich auch hier unter übereinstimmenden
äusseren Verhältnissen eine ungemein vermehrte Dichtigkeit in
der Anordnung der Vegetationscentren nicht verkennnen, deren Erzeugnisse,
durch die Aehnlichkeit der Organisation im Gleichgewicht,
gehalten, sich gegenseitig nicht verdrängen können.
Die granitische, mit Urwäldern bedeckte Küstenlandschaft Brasiliens
wird durch die Wasserscheiden zum Rio Francisko und Parana
(die Serra de Espinhago) von den Campos getrennt , deren Thonschiefer
hier beginnen. Man würde indessen sehr irren, wenn man
aus diesen geognostischen, mit der Absonderung zweier Vegetationsgebiete
zusammentreffenden Gegensätzen, wiewohl sie nothwendig
mit Unterschieden in der Beschaffenheit der Erdkrumen verknüpft
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Küstenzono. 397
sind, auf einen unmittelbaren Zusammenhang beider Klassen von
Erscheinungen schliessen wollte. Vielmehr ist die plastische Gestaltung
des Bodens und die dadurch bedingte klimatische Gliederung
Brasiliens die einzige Ursache der Campo- und ürwaldbildungen,
und nur in sofern kann die geognostische Unterlage in Betracht gezogen
werden, als deren Hebung auf die Niveauverhältnisse bei der
Entstehung des Kontinents von Einfluss sein musste. Mitten in der
granitischen Serra do Mar erzeugen die steilen und daher weniger
feuchten Hochgipfel die Vellosien und andere Vegetationsformen der
Campos 'Jj. Freilich liegt auch hier an den dem Passatwinde ausgesetzten
Abhängen die Quelle der dauernden Niederschläge nicht
bloss in der Erhebung des Bodens, sondern auch in den Wäldern
selbst. Durch die Entwaldungen in der Umgegend von Kio haben
sich die Niederschläge in den Monaten, in denen die Sonne fern vom
Zenith steht, sehr vermindert. Früher regnete es daselbst fast das
ganze Jahr hindurch, jetzt kann man auch hier eine trockenere und
kühlere Jahrszeit (Mai bis September) unterscheiden. Gardner«),
dem wir diese Nachrichten verdanken, fügt doch ausdrücklich hinzu,
dass es auch jetzt noch in der trockenen Jahrszeit nicht an Niederschlägen
fehle. Wenn diese feuchte Zone sich hier sogar weithin
über den Wendekreis hinaus erstreckt, so dienen zwei Umstände zur
Erklärung, einmal die reiche Gliederung der Landschaft durch
schmale und schroff ansteigende Gebirgsketten, welche dem Seewinde
die Feuchtigkeit entziehen, und sodann die südöstliche Exposition der
Küste, wodurch die Axe der Erhebungen dem Passat sich mehr
oder weniger senkrecht entgegenstreckt. Obgleich die eigentliche
Regenzeit hier, wie auf den Campos, eine Wirkung der
Solstitialbewegung ist und deshalb in den südhemisphärischen Sommer
fällt, so hat die Küstenlandschaft doch voraus, dass auch in den
übrigen Jahrszeiten, in denen der regelmässige Südostpassat weht,
eine Wald erzeugende Quelle der Feuchtigkeit gegeben ist. Das
ungleiche Mass der Niederschläge in beiden Abschnitten des Jahrs
hat übrigens in den Urwäldern der Küstenlandschaft, ebenso wie
in dem äquatorialen Klima des Amazonas', die Wirkung, eine
Periodicität in das Pflanzenleben einzuführen, die in der für tropische
Gewächse so hohen Breite über Rio hinaus durch die vom
Stande der Sonne abhängigen Wärmeunterschiede noch schärfer
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