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198 X- Kupflora.
Terrasoenerhebimg das Innern sind, wird hier die Erweiterung der
Wohngebiete beinahe ebenso sehr gehindert^ wie durch das Meer.
In der Nachbarschaft der Kapstadt, wo die Flora hinreichend
genau untersucht worden ist, um ein solches Urtheil zu begründen ,
kennt man eine Anzahl von Pflanzen, die nur auf einem einzigen
Standorte wachsen, als wären sie auf einer oceanischen Insel entstanden.
Schon Lichtenstein kannte einige Beispiele dieser Art
unter den Proteaceen. Der Silberbaum {Leucadendron argenteum)
und einige andere Proteaceen kommen ausschliesslich auf der kleinen
Halbinsel des Tafelbergs und sonst nirgends auf der Erde vor: keine
der auf den nahen Hohentotthollandsbergen wachsenden, .behauptet
jener Naturforscher, werde daselbst angetroffen, und die damit unmittelbar
zusammenhängenden Höhen von Stellenbosch und Brakenstein
besässen wieder ihre eigenen Arten. Wo unter gleichen physischen
Bedingungen jeder Berg seine besondere Ausbeute liefert,
kann doch nicht angenommen werden, dass solche Gewächse auf
ihren gegenwärtigen Standort nur zurückgedrängt wären: das
üeberhandnehmen anderer müsste zu einer gewissen Gleichförmigkeit
der Vegetation führen, die nirgends besteht. Wir können daher
aus solchen Erscheinungen keinen andern Schluss ziehen, als dass
sie an ihrem ursprünglichen Standorte wachsen, der sich nicht erweiterte,
weil sie die neben demselben bestehende Vegetation zu
verdrängen nicht im Stande waren.
Die Anzahl der bis jetzt bekannt gewordenen Gefässpflanzen
der Kapflora wurde von Harvey, der ein so vorzüglicher Kenner
derselben war, auf 7860 Arten geschätzt: eine Berechnung, die
ich auf das leider unvollendete Werk von ihm und Sonder gründe
ergab die Summe von 8000, also ungefähr ebenso viel. Der Umfang
des Kaplandes, der Kolonie und KaiFrariens beträgt gegen
6000 g. Quadratmeilen, aber dies ist, wie bemerkt, keineswegs
ein Massstab für die Vegetationscentren der Küstenterrasse und ihrer
Berge, wo sie auf engem Räume so ungleich viel dichter angeordnet
sind, als auf den ausgedehnten Karroofeldern. Das Kapland und
Australien sind diejenigen Länder, wo durch die Systematik der
Gattungen das Gesetz der räumlichen Analogieen am besten begründet
wird und dieses in allgemeinerer Geltung steht, als irgendwo sonst.
Aus dicht gedrängten Bildungscentren entfalteten sich hier Gattungen
Bäumliche Analogieen. — Klimatische Analogieen. 199
von grossem Umfange und diese sind in den meisten Fällen entweder
durchaus oder doch grösstentheils endemisch. Durch den
verschiedenartigeren Bau solcher Gattungen und durch die Enge der
Bezirke, welche einige derselben ausschliesslich bewohnen, scheint
die Kapkolonie Australien in dieser Beziehung noch zu übertreffen.
Die topographische Anordnung der Arten derselben Gattung
bald nach dem Niveau oder den Bodeneinflüssen, bald unter anscheinend
ganz gleichen physischen Bedingungen lässt sich mit den Vorstellungen
über einen genetischen Zusammenhang ihrer Entstehung
schwer vereinigen. Im erstem Fall könnte man annehmen, dass,
wenn auch der Standort nicht sogleich auf den Bau einer Pflanze
wirke, dies doch vielleicht in einer langen Reihe von Generationen
geschehen könne. Damit kämen wir zu der von Wallace herrührenden
und von Wagner24) vertheidigteu Meinung, dass nicht durch
die Variation allein im Sinne Darwin's, sondern durch die damit
verbundene räumliche Absonderung die neuen Arten entstanden
seien. Ist aber der Standort nahe verwandter Pflanzen auf benachbarten
Bergen von gleicher Beschaifenheit, so ist ihre Verschiedenheit
hiedurch nicht erklärbar. Sodann stehen neben den lokalen
Arten immer andere, die, in ihrem Ban ebenfalls nahe tibereinstimmend,
ein weiteres Wohngebiet eingenommen haben, ohne in ihrer
Organisation verändert zu sein. Wachsen sie mit jenen zusammen,
und davon bietet fast jede Flora Beispiele genug, so geben sie über
die Entstehung und Fortdauer der letzteren keinen Aufschluss. Setzt
man voraus, dass die eine Art von der anderen oder beide von einer
gemeinsamen Quelle abstammen, so würde man aus solchen einschliessenden
Arealen (1. S. 142) folgern müssen, dass die Umbildung
nicht durch die physischen Einflüsse des Standorts allein,
welche auf jedes Individuum sich gleichmässig beziehen, sondern
durch Kräfte erfolgt sei, von denen nur einzelne derselben berührt
wurden.
Wenn die in Bezug auf äussere Lebensbedingungen so sehr von
einander abweichenden Standorte und geographischen Abschnitte des
Kaplandes einen reichhaltigen Stoff bieten, um die räumlichen Beziehungen
der Organisation zu untersuchen, so kann die Vergleichung
mit andern Floren dazu dienen, unsere Vorstellungen über
die klimatischen Analogieen des Baus zu erweitern. Eine Ver-
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